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Kolumne „Nine to five“ : Ab ins Bett

  • -Aktualisiert am

Gesundheit - auch für die armen Kollegen. Bild: dpa

Erkältet zu sein - das ist in der Schnupfenzeit nicht das Schlimmste. Um es mit Sartre zu sagen: „Die Hölle, das sind die kranken Kollegen.“

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          Pünktlich wie die Schweizer Bahn läuten die ersten feucht-kalten Tage die alljährliche Grippezeit ein. Zwar ist es meist nur ein grippaler Infekt, der das Leben für ein paar Tage in eine fiebrig-verschnupfte Hölle verwandelt, aber Grippe klingt dramatischer. Doch selbst erkältet zu sein ist in der Schnupfenzeit nicht das Schlimmste. Um es mit Sartre zu sagen: „Die Hölle, das sind die anderen.“

          Hier soll nun allerdings nicht die Rede sein von quengelnden Kindern und nörgelnden Ehemännern (denn machen wir uns nichts vor, es ist meist das starke Geschlecht, das sich bei leicht erhöhter Temperatur einem schnellen Fiebertod nahe wähnt). Die Hölle, das sind die kranken Kollegen!

          Denn obgleich sich die krankheitsbedingten Fehlzeiten im Beruf seit Jahren beharrlich in die Höhe schrauben - es gibt immer wieder Menschen, die sich mit einer Nase ins Büro schleppen, die selbst Rudolf, dem rotnasigen Rentier, alle Ehre machen würde. Da sitzen sie dann schniefend, in der einen Hand die Maus, in der anderen das Taschentuch, während sie mit glasigem Blick auf den Bildschirm starren.

          Ineffektives Arbeitsdelirium

          Alle fünf Minuten bricht eine Niesattacke aus ihnen heraus, gefolgt von einem röchelnden Hustenanfall. Mitleidige Blicke werden mit einem leidenden Lächeln erwidert. Ein aufmunterndes Schulterklopfen mit einem müden Schulterzucken quittiert. Die gutgemeinte Aufforderung, besser nach Hause zu gehen und sich ins Bett zu legen, vollkommen ignoriert: „Danke, geht schon. Noch so viel zu tun.“

          Das mag stimmen. Irgendwie ist es ja auch nett, dass man die eigene Ladung nicht auf den Berg der Kollegen kippen will. Doch eines muss jedem normal denkenden Menschen doch klar sein: Vier Arbeitstage im Delirium sind genauso (in)effektiv, wie zwei Tage daheim zu bleiben, um dann wieder in alter Frische im Job zu erscheinen. Dennoch schlucken die sonst so gebildeten Kranken Aspirin Complex, schlürfen dank der verstopften Nase infernalisch laut heiße Zitrone und verschwinden alle halbe Stunde zur Spülung der Nebenhöhlen auf die Toilette.

          Dass sie ihre Bazillen dabei großzügig an die Kollegen weiterreichen und dank Umluftanlage ins ganze Haus umwälzen, ist ihnen dabei herzlich gleich. Denn seit der Mensch nicht mehr in Höhlen lebt und in der Wildnis ums nackte Überleben kämpft, muss er sich wenigstens in anderen Bereichen des Lebens heroisch zeigen. Nach ein paar Tagen hat es sich dann ausgeröchelt, der Kollege seine alte Form zurückerlangt. Leider ist nun der Rest der Truppe malad. Seine Reaktion: „Kommt mir bloß nicht zu nahe, ich war gerade erst krank!“

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