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Kolumne „Nine to five“ : Der Chef-Ermittler

Da ist er ja! Der Chef vermisste einen 20-Euro-Schein – und es war unangenehm. Bild: Frank Röth

Der Chef tobte über den Flur, weil er einen Zwanzig-Euro-Schein vermisste. Die Verhöre waren demütigend für die Mitarbeiter, der Ausgang aber: demütigend für den Chef.

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          Raus aus dem Büro, rein in den Bus, abgezählte Münzen vergessen, der Fahrkartenautomat verweigert den zerknitterten Fünfzig-Euro-Schein. Wir sind zu reich. Zwei Haltestellen später ist der Kampf mit der Maschine verloren. Schwarzfahren kommt nicht in Frage. Wir steigen aus. Am nächsten Morgen liegen die zweimal 2 Euro ordentlich gestapelt neben der Tastatur. Der wortkarge Putzmann ist äußerst korrekt. Wir nehmen uns vor, künftig auf unser Geld zu achten, um ihn nicht in Verlegenheit zu bringen. Schließlich geht es hier nicht um den berüchtigten Dienstmädchentest aus dem Groschenroman.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Außerdem erinnern wir uns mit wohligem Grausen an die Schmutzgeschichte, die der Praktikant zum Besten gab. Bei seinem Arbeitgeber auf Zeit tobte der Chef über den Flur, weil er einen Zwanzig-Euro-Schein vermisste. Jeder wurde verdächtigt und examiniert, je niedriger der Rang, um so demütigender. Die zwei Praktikanten zitterten dem Verhör entgegen, konnten sich aber gegenseitig ein Alibi geben, sie waren ein Stockwerk tiefer auf Archivrecherche. Das überprüfte der Aggressor sofort mit einem Anruf. „Heute lache ich darüber, damals war das schrecklich“, erinnert sich der 25-Jährige.

          „Mensch Werner, da steckt schon wieder Geld drin“

          Das Geld tauchte nicht auf, dafür aber die Putzfrau. Eine schüchterne Türkin, die die bohrenden Fragen lückenlos beantworten konnte. Sie war zur „Tatzeit“ im anderen Trakt zugange. Dafür gab es Zeugen, die einbestellt wurden. Immer tiefer verbiss sich der selbsternannte Detektiv in die Schein-Debatte. Die beendete die furchtlose Sekretärin. „Es reicht. Vielleicht haben Sie das verschlampt!“ Angriff ist die beste Verteidigung. Alle trollten sich zurück an die Schreibtische.

          Da meldete der Pförtner die Frau des Fahnders an. Die brachte das Ersatzsakko für den Abendtermin vorbei und durchforstete routiniert die Tasche des getragenen Jacketts, um lautstark zu keifen: „Mensch Werner, du Schussel, da steckt schon wieder Geld drin. Ich habe die Beschwerden der Reinigung langsam satt!“ Sie förderte einen Zwanzig-Euro-Schein zutage.

          Ihr Mann verschanzte sich für den Rest des Tages im Büro. Der Rest war Schweigen.

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