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Bitkom-Umfrage : Mitarbeiter sind in Deutschland nur selten am Start-up beteiligt

Arbeiten im Coworking-Space: Auch in Start-ups geht es oft etwas legerer zu. Bild: dpa

In den Vereinigten Staaten locken Start-ups potentielle Mitarbeiter oft mit Anteilen am Unternehmen. Hierzulande ist diese Praxis nicht sehr weit verbreitet. Das hat auch steuerliche Gründe.

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          Jedes vierte Start-up in Deutschland beteiligt Mitarbeiter direkt am Unternehmen, wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt. In 27 Prozent von 321 befragten Unternehmen aus der Informationstechnik oder Internetwirtschaft hielten demnach Mitarbeiter außerhalb des Gründungsteams Anteile. Jene Unternehmen, die ihre Mitarbeiter beteiligen, nennen dafür vor allem zwei Gründe: Eine langfristige Mitarbeiterbindung (80 Prozent) sowie eine zusätzliche Motivation der Mitarbeiter, den Erfolg des Start-ups voranzutreiben (79 Prozent). Etwa die Hälfte der Gründer (47) sieht eine Beteiligung der Umfrage zufolge als „moralische Pflicht“ an oder hofft, so Mitarbeiter für sich zu gewinnen, deren Gehaltsvorstellungen sie ansonsten nicht erfüllen könnten (46 Prozent).

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Start-ups konkurrieren mit mittelständischen oder weltweit operierenden Unternehmen um begehrte Fachkräfte – können in der Regel aber nicht dieselben finanziellen Mittel aufbringen, wenn es um attraktive Vergütungspakete geht“, sagte Jenny Boldt, Leiterin des Bereichs Start-ups im Bitkom. Die Mitarbeiterbeteiligung könne gerade bei schnell wachsenden Unternehmen eine attraktive Alternative für alle Beteiligten sein. Allerdings sei die steuerliche Attraktivität von Beteiligungsmodellen in Deutschland im europäischen Vergleich sehr gering.

          Droht Abwanderung von Fachkräften?

          Aufgrund der hohen Steuerlast seien Beteiligungen in Start-ups hierzulande oft ein Verlustgeschäft für Mitarbeiter und daher oft keine Option. „Dazu kommt, dass der Steuerzugriff bereits zum Zeitpunkt der Anteilsübertragung stattfindet, selbst wenn dann noch gar kein Geld fließt“, so Boldt. Der Bundesverband Deutsche Start-ups warnt vor diesem Hintergrund vor einer Abwanderung von Fachkräften: „Entweder wir schaffen es die besten Köpfe der Welt für unsere Start-ups zu mobilisieren oder wir verlieren unsere eigenen besten Köpfe“, sagte ein Sprecher des Verbandes. Die derzeitigen Regelungen seien ein Standortnachteil, den es zu beseitigen gelte.

          Unter den Unternehmen, die laut der Umfrage ihre Mitarbeiter schon beteiligen, betraf dies bei 72 Prozent einen bis vier Mitarbeiter. Lediglich bei sechs Prozent waren mehr als 20 Mitarbeiter beteiligt. Gleichzeitig hielten in 46 Prozent aller befragten Start-ups ausschließlich die Gründer Anteile. Jedes vierte dieser Start-ups (24 Prozent) gab an, dass die Mitarbeiter klassische Gehaltszahlungen bevorzugen. Andere hielten den bürokratischen Aufwand für zu hoch oder wollten ihre eigenen Anteile nicht verwässern. Vier Prozent fürchten, dass durch eine Mitarbeiterbeteiligung die Entscheidungsprozesse langsamer werden. Der Verband verwies zudem darauf, dass mit 27 Prozent „sehr viele Befragte keine Angaben zu dem Thema machen“ wollte.

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