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Kolumne „Nine to five“ : Nicht nur den Oldtimer friert’s

Herbstlaub auf dem Oldtimer? Gar nicht gut, fand der feine Geschäftsmann. Bild: dpa

Zur Schau stellen oder zur Schau sitzen – egal: Wer viel verdient, verspürt oft das Bedürfnis, das vor den Geschäftspartnern anständig zu präsentieren. Das kann aber auch mal peinlich werden.

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          Man zeigt, was man hat, ob hart erarbeitet oder nur so ererbt – ach, egal. Für die geschätzten Geschäftsfreunde bitte nur das Beste: Die rustikale Koje im Oktoberfestzelt liegt leicht abgeschirmt vom wuseligen Durchgangsverkehr, aber erfreulicherweise noch so, dass die steinreiche Runde einen Blick darauf erhaschen kann, wie neugierig das Fußvolk – ohne Reservierung und Platinkarte – auf die VIPs starrt und ihnen dabei zuschauen darf, wie ein Edeltropfen nach dem anderen im Gegenwert eines hübschen Monatslohns durch die Kehlen gurgelt. Für die im wortwörtlichsten Sinne angesehenen Zur-Schau-Sitzer sind es genau diese Zuschauer, die einen gelungenen Abend bescheren. Ein guter Auftritt. Man ist unter sich, aber eben nicht so ganz. Begehrliche Blicke derjenigen, die es nicht so weit gebracht haben, sind auch eine Währung, die sich hervorragend anfühlt.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Wir arbeiten schließlich hart. Dafür dürfen wir unsere Statussymbole wenigstens ein bisschen inszenieren. Herzerwärmend, wie sich diese mit einem feinen Auftritt verbinden lassen.

          Von Autos und Zeltplanen

          Sozialschmonzette Nummer zwei ereignete sich ebenso kürzlich im Oberbayrischen: Der Manager steuert seinen Oldtimer mit elegantem Schwung auf den Hotelparkplatz. Für seine große Liebe bitte nur das Allerbeste. Es ist herbstlichkalt. Eine Garage gibt es nicht, aber einen eilfertigen Portier, der den Stammgast und seine Edelkarosse begrüßt, es sich nicht nehmen lässt, mit zarter Geste den Kotflügel zu tätscheln, und zur Tat schreitet: Für das Auto wird ein Zelt herbeigeschafft und aufgeschlagen. Die Hotelgäste staunen nicht schlecht, verlangsamen den Schritt und schauen sich eher weniger diskret an, wie Planen festgezurrt und das Gefährt fürsorglich ummantelt wird. Manch einer stellt sich die Frage, warum nicht das Grandhotel ein Tal weiter gebucht wurde, das verfügt über eine Tiefgarage ... was für ein Denkfehler!

          Das Kind eines burschikosen Gästepaars, das seinen Untere-Mittelklasse-Wagen abgestellt hat, ist noch faszinierter: Das so ungewöhnliche Auto hat jetzt ein Dach über dem Kopf! Sein Besitzer, ganz Landedelmann in Barbourjacke und Rahmengenähten, lächelt jovial – Kindermund tut Wahrheit kund. Dergestalt ermutigt, nimmt das Kind Fahrt auf und plappert los: Ein großes Zelt steht auch bei uns daheim am Ortseingang. „Da wohnen viele Menschen drin, die haben aber keine Autos, die fahren immer Bus. Da hält auch der Müllwagen“, teilt der Neunjährige mit. Die Gespräche verstummen, die Mienen erstarren. Pikiert wendet sich der Oldtimermann ab. Der Junge versteht die Welt nicht mehr.

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