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Zeit für Umsteiger : Wenn Arbeit glücklich macht

Als Gedankenspiel, das für Abwechslung sorgt, ist das in Ordnung. Doch wenn in Ruhe nachgerechnet wird, wie viele Schoppen an einem normalen Tag zu verkaufen sind, um die Miete in der Innenstadt finanzieren zu können, kommen erste Zweifel auf. Der Sprung in die unternehmerische Selbständigkeit, noch dazu ohne nennenswertes Eigenkapital, führt so schnell in die Insolvenz. Mancher Caféhausträumer scheitert an seinem Idealismus und dem Mangel an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Auch der Besuch eines Existenzgründerseminars garantiert noch keinen Geschäftserfolg.

Warum nicht mal ein Gespräch mit dem Chef?

Was bei der Neuorientierung hilft: Den Urlaub opfern, um ein Praktikum im vermeintlichen Wunschberuf zu machen. Das rückt manches zurecht oder führt zur Einsicht, dass man doch ein dominantes Angestellten-Gen besitzt, die Vorteile als Mitarbeiter schätzt, sich aber innerhalb des Unternehmens neu orientieren möchte. Dabei kann der Wechsel in eine andere Abteilung oder auf einen Posten im Ausland für eine andere Richtung im Berufsleben sorgen.

Auch das direkte Gespräch mit dem Chef über die berufliche Weiterentwicklung im Unternehmen kann frischen Auftrieb verschaffen. Ein Schlüsselsatz in der legendären Verfilmung „Nachtzug nach Lissabon“ von Pascal Merciers Roman lautet: „Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist - was geschieht mit dem Rest?“

Die Menschen, die unsere Sommerserie von der kommenden Woche an regelmäßig vorstellt, haben sich über diesen Rest in ihrer Karriere Gedanken gemacht. Sie haben sich früher oder später für eine Tätigkeit entschieden, die sie erfüllt, der sie ausgesprochen gern und damit auch erfolgreich nachgehen. Sie haben sich getraut, ihren Traumberuf zu ergreifen oder etwas zu machen, über das andere aus unterschiedlichen Gründen die Nase rümpfen. Statt sich in einer sicheren Komfortzone auszuruhen, haben sie unkonventionelle Entscheidungen getroffen und mit Verve umgesetzt.

Im ersten Beitrag steht der ehemalige Leistungssportler Markus Deibler im Mittelpunkt, dessen Trainingstage strikt reglementiert waren. Er ist danach mit seiner Freundin unter die Geschäftsleute gegangen und betreibt heute in Hamburg einen Eissalon - „keine romantische Angelegenheit, sondern ein Riesen-Risiko“, wie er sagt. Das alte Leben war gut, aber er trauert ihm nicht nach. Und da ist das tierliebende Paar, das direkt nach dem Abitur beschließt, im bayrischen Voralpenland ein Geschäft mit Reitkamelen hochzuziehen. Dabei musste sich der Jungunternehmer von seinen Mitschülern anhören, was er für dieses vermeintlich exotische Projekt denn als Expertise vorzuweisen habe.

Mit Skepsis aus ihrem Umfeld sind auch jene Lehrer konfrontiert, die hinter Gittern unterrichten. Traumhaft ist das falsche Wort, um das Lehren im Gefängnis zu beschreiben. Aber die Pädagogen erleben dort einen neuen Blick auf die Welt und erweitern so ihren beruflichen und menschlichen Horizont. Und da ist der erfolgreiche Schönheitschirurg Hisham Fansa, der an einer feinen Adresse in der Münchner Innenstadt residiert. Während in Amerika die plastische und ästhetische Chirurgie als eigenständiger Zweig der klassischen Medizin längst anerkannt ist und geschätzt wird, muss Fansa um diesen Status hierzulande noch kämpfen: „Meine Tätigkeit verschafft mir dennoch das gute Gefühl, meinen Patienten zu helfen und dabei viel gestalten zu können“, sagt der Sohn syrischer Einwanderer, der in Hannover Medizin studierte und dort seine Professur erwarb. An Rückschläge oder etliche Fehlversuche sind die Kandidaten unserer Sommerserie längst gewöhnt. Doch die feste Überzeugung, beruflich auf dem richtigen Weg zu sein, hat Selbstzweifel frühzeitig zerstreut.

Medizin studieren Arzt werden und den Porsche schon vor der Haustür stehen haben - mit solchen Vorurteilen räumt Professor Ferdinand Gerlach im F.A.Z.-Uni-Ratgeber gründlich auf. Deutschlands oberster Allgemeinmediziner von der Goethe-Universität Frankfurt berät in unserem Video diesmal nicht die Bundesregierung, sondern alle, die sich für ein Medizinstudium interessieren. Der komplette Ratgeber unter: www.faz.net/uni-ratgeber

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