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Zeit für Umsteiger : Wenn Arbeit glücklich macht

Werte ändern sich. Das gilt vor allem für die Etablierten in der Arbeitswelt. Sie spüren, dass ein nicht gelebtes Berufsleben keine gute Burn-out-Prophylaxe ist. Eine große Zeitschrift überschrieb unlängst Porträts von Menschen mit ungewöhnlichen Hobbys mit der Aussage: „Nach Feierabend bin ich ein anderer Mensch.“ Dort fand sich unter anderem ein Zahntechniker, der als leidenschaftlicher Freizeitmusiker abends die Bühne rockt. Ideal wäre es, das persönliche Lebensgefühl möglichst auf den ganzen Tag auszudehnen und auch in der Arbeit man selbst - also authentisch - zu sein. Warum sind beispielsweise viele Seniorenstudenten in Vorlesungen für Kunstgeschichte zu finden ? Wohl auch deshalb, weil sie diese Seite ihrer ernsthaften Interessen im Berufsleben nie ausleben konnten. Es ist heute immer noch schwer, einen Arbeitgeber mit dem Hinweis zu überzeugen, dass man hervorragende Kenntnisse über die Bilderwelten Bruegels besitzt. Aber der Abschluss in einem Studienfach, das den privaten Vorlieben entspricht, kann im Zuge einer Neuorientierung die ideale Grundlage für spätere Einkünfte als Freiberufler sein.

Mehrere Berufe - das ist die Zukunft

Das Berufsleben ist eben keine Blaupause, wie jüngst ein Gespräch unter Müttern auf einem Spielplatz am Stadtrand von München offenbarte. Die zierliche Diplomkauffrau, die über eine Promotion und eine Stelle als Controllerin bei einem renommierten Arbeitgeber verfügt, gerät bei der Frage nach dem Beruf ins Schwärmen: Als Kind wäre sie gerne Journalistin geworden, gesteht sie. Das hätte sie mehr fasziniert als die nüchterne Welt der Zahlen. Doch sie folgte dem Rat ihres Vaters, der ein leidenschaftlicher Unternehmer ist und von Pensionierung nichts wissen wollte. Für seine Tochter galt und gilt das nicht. Nach der Kinderpause möchte sich die Controllerin beruflich neu orientieren und endlich den Wechsel wagen.

Damit liegt sie im Trend. Vor allem die nachfolgenden Generationen werden mehrere Berufe ausüben, sagen Zukunftsforscher voraus. Gut beraten sind dabei jene, die sich nach dem Abitur einer sinnstiftenden Reifeprüfung stellen und ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland einschieben. Die Generation Y, die jetzt beruflich an den Start geht, ist dabei entschlossen, eine andere Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu finden, als ihnen das von den Eltern vorgelebt wurde. Ein meist von Terminen bestimmtes Leben, überschattet von einem schlechten Gewissen, vieles im Privatleben zu verpassen, erscheint ihnen als Greuel. Sie halten daher die Augen bei der Berufswahl offen.

„Lebe in der Gegenwart“, schreibt der Dichter Friedrich Rückert, „Zu leer ist und zu weit der Zukunft Haus, zu groß das der Vergangenheit“. Das schließt einen geerdeten Realitätssinn nicht aus. Dabei entsteht in einem durchgetakteten Berufsalltag schon mal die Idee, alles stehen und liegen zu lassen, um endlich mit Freunden die ersehnte Weinstube eröffnen zu können.

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