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Neues Hochschulrecht : Die Slowakei beendet Schwindel

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Die Slowakei hat die rechtlichen Regelungen bei Hochschul-Plagiaten verschärft. Bild: Picture-Alliance

Bislang konnten Deutsche einen slowakischen Doktorgrad trotz Plagiaten lebenslang behalten. Damit ist nun Schluss.

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          Erstmals können in der Slowakischen Republik nun Doktorgrade wegen Plagiaten aberkannt werden. Daneben ist auch ein freiwilliger Verzicht möglich. Beides ermöglicht das „Gesetz Nr. 410/2020 Z.z.“, welches das Hochschulrecht ändert. Die neuen Paragraphen 108f bis 108k regeln Aberkennungsgründe, Zum Beispiel, wenn der Absolvent „nachweislich seine Abschlussarbeit ganz oder zum Teil nicht eigenständig verfasst“ hat. Bisher galt: Wer einmal den Doktorgrad erhalten hatte, konnte diesen nie wieder verlieren. Das lockte viele Ausländer an vorwiegend private Hochschulen nach Bratislava. Die Wissenschaftsplattform „VroniPlag Wiki“ führt eine gesonderte Liste von Deutschen und Österreichern, die mit plagiatsbehafteten – deutschsprachigen – Arbeiten von dieser Regelung profitierten und keinen Verlust ihres Doktorgrades fürchten mussten.

          Betroffen sind Grade, die an der Comenius-Universität, der St. Elisabeth-Hochschule für Gesundheitswesen und Sozialarbeit sowie der Paneuropäischen Hochschule verliehen wurden. Die Slowakei war deswegen immer wieder in die Kritik geraten. Der Rektor der Paneuropäischen Universität in Bratislava, Juraj Stern, erklärte 2018 dieser Zeitung, er setze sich deshalb für eine Änderung des Hochschulrechts ein.

          Dies ist nun geschehen, berichtet Jan Sommerfeld. Er ist wissenschaftlicher Referent für tschechisches und slowakisches Recht am Institut für Ostrecht München und zugleich als Rechtsanwalt in Deutschland und Tschechien zugelassen. Aberkannt werden können Studienabschlüsse auf allen Stufen, Bachelor, Master, Ph.D und „kleine“ Doktortitel, die nach erfolgreichem Rigorosum erteilt werden, sowie die wissenschaftlich-pädagogischen und künstlerisch-pädagogischen Titel „docent“. Zuständig für das Verfahren zur Aberkennung ist der Rektor der Hochschule, welche den Titel erteilt hat. Er leitet das Verfahren auf eigene Initiative oder nach Antrag eines universitären Gremiums oder des Bildungsministeriums ein.

          Reformen eher bescheiden

          Eine Kommission prüft die Entziehung des Titels innerhalb von 90 Tagen. Nach spätestens 150 Tagen trifft der Rektor eine abschließende Entscheidung. „Das Verfahren kann aber nicht beliebig lange nach Verleihung eingeleitet werden“, berichtet Sommerfeld: „Grundsätzlich gilt eine Frist von fünf Jahren“. In Deutschland ist eine Aberkennung auch nach Jahrzehnten noch möglich. Das Verfahren zur Aberkennung akademischer Titel gilt zudem erst für Doktorgrade, die vom Januar 2021 an erteilt wurden. Dagegen gilt in der Tschechischen Republik eine ähnliche Regelung bereits seit dem Jahr 2016.

          Der Berliner Rechtsprofessor Gerhard Dannemann sagt, die Slowakei habe lange deutschsprachige Dissertationen angezogen, „die mit wenig Aufwand und bei hohen Gebühren entstanden sind“. Die jetzigen Reformen seien eher bescheiden ausgefallen, könnten diese Attraktion aber etwas dämpfen. Ein juristisches Fachportal berichtete noch 2016 von einer Dresdner Agentur, die von angehenden Doktoranden zehntausend Euro für ihre Kontaktanbahnung und Kontaktpflege in die Slowakei verlangt habe.

          Damit wird nun wohl Schluss sein. Denn die in der Slowakei erstellten Doktorarbeiten müssen über das Internet einsehbar sein und können daher rasch auf Plagiate überprüft werden. Bei allen neuen Verfahren wird es nach Plagiaten also rasch heißen: Adieu, Doktorgrad.

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