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Neuer BMW-Chef Krüger : Aus Freude am Führen

  • -Aktualisiert am

Erfolg macht sexy. Harald Krüger, der neue Vorstandschef von BMW Bild: Christoph Busse / VISUM

Der neue Chef von BMW begeistert sich für Autos. Klar. Fast noch wichtiger: An diesem Mittwoch zieht ein ganz neuer Führungsstil im Konzern ein. Krüger kann zuhören - und seine Leute begeistern.

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          Der Generationswechsel in den Bayerischen Motorenwerken vollbracht: Mit der Hauptversammlung an diesem Mittwoch übergibt Norbert Reithofer den Vorstandsvorsitz an Harald Krüger, den Mann, der vor 23 Jahren als Trainee bei BMW angefangen hat - und seither auf diesen Tag hintrainiert hat.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Krüger - verheiratet, drei Kinder - hat die BMW-Reife für CEOs mit Bravour abgelegt: High Potential, Hoffnungsträger, Kronprinz - diese Stufen hat er flink genommen, hat dabei mit pflichtgemäßem Elan Auslandsstationen in England und Amerika absolviert. Ein cooler Typ, gesegnet mit einer positiven Aura, der Fähigkeit zum klaren Denken und für Bullshit-Bingo unempfänglich.

          Seine Berufung zeigt überdies: Generationswechsel gehen auch ohne Schmutzeleien, so grüßt es von München nach Wolfsburg, wo im VW-Reich gerade das Machtgefüge zerbröckelt, es nicht ausgemacht ist, welche Schäden sich der Konzern einbrockt in dem Versuch, die „Gerontokratie abzuschaffen“, wie es ein VW-Aufsichtsrat ausdrückt.

          Von Hause aus Ingenieur

          Was das Alter der handelnden Akteure betrifft, hat BMW gut 20 Jahre Vorsprung gegenüber Volkswagen: Ein 58-jähriger CEO wechselt als Oberkontrolleur in den Aufsichtsrat, ein 49-jähriger führt fortan die Geschäfte. Dabei folgen sie ansonsten in München durchaus der Doktrin des Ferdinand Piëch: „Ingenieure sind die besseren Manager.“ Die verstehen etwas von Technik, können rechnen, und das bisschen BWL, was es braucht, ist rasch gelernt. Selbstredend ist Harald Krüger Ingenieur (ausgebildet an der Kaderschmiede in Aachen), wie auch Reithofer. Nur ist Ingenieur eben nicht gleich Ingenieur.

          Der scheidende Chef ist ein Kind der Arbeiterklasse; aufgewachsen in der bayerischen Zechenstadt Penzberg, sein Onkel war der örtliche Metzger. Mit so viel bajuwarischer Bodenständigkeit kann Krüger nicht dienen. Er stammt aus Braunschweig (was für bayerische Ohren nach Zonenrand, also Ödnis klingt), aus einer Akademikerfamilie: Die Mutter war Lehrerin, der Vater promovierter Physiker.

          Weil der Vater an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig angeheuert hat, ist die Familie seinerzeit von Freiburg, wo Harald Krüger 1965 geboren wurde, in den Norden gezogen; in die Stadt übrigens, die Piëch zum Ehrenbürger ernannt hat, und wo Krüger in seiner Jugend ambitioniert gekickt hat, „in den großen Zeiten von Eintracht Braunschweig, mit Trainer Branco Zebec und Paul Breitner als Star“.

          „Der Star ist das Auto“

          Als der Jungspund im Vorstand seinerzeit die Verantwortung fürs Personal übernommen hat, schenkte ihm die Belegschaft zum Start Fußball, Trikot und Schienbeinschützer. Im Büro hat er die Fahne seines Lieblingsclubs Borussia Mönchengladbach aufgehängt - der einzige Makel, den Manfred Schoch, oberster BMW-Betriebsrat und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, an dem neuen Vorstandsvorsitzenden erkennen kann: „Krüger hat keine Ahnung vom Fußball.“ Ansonsten? „Ein idealer Kandidat“, weswegen Vorstand Herbert Diess, der sich ebenfalls Hoffnungen gemacht hatte, nur die Flucht zu VW blieb, nachdem kurz vor Weihnachten die endgültige Entscheidung gefallen war: Familie Quandt, die BMW-Großaktionäre, will Krüger, lobt dessen „Erfahrung und Gestaltungskraft“, die Arbeitnehmer wollen ihn sowieso.

          Der Favorit war er schon lange, Krüger wurde über Jahre gezielt aufgebaut, ohne selbst je öffentlich Ansprüche anzumelden. Das war klüger so. Vorlaute Manager mögen die Leute, auf die es im Konzern ankommt, gar nicht, allen voran Familie Quandt. Manager, die vergessen, dass sie nur leitende Angestellte sind, wecken bei der wenig Freude. Demut vor dem Eigentümer ist Pflicht, Demut vor dem Produkt auch.

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