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Neuer BMW-Chef Krüger : Aus Freude am Führen

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BMW ist der Primus der Premiumklasse, hält Audi und Mercedes auf Abstand. Die Aktie hat sich viermal stärker entwickelt als der Dax. Die Ausschüttung an die Eigentümer ist spektakulär. Mehr als 800 Millionen Euro Dividende erhalten allein die Quandts für das Jahr 2014. Erstmals in seiner 100-jährigen Geschichte hat der Konzern im Vorjahr mehr als zwei Millionen Autos verkauft, erstmals hat BMW mehr als 80 Milliarden Euro eingenommen (und damit den traditionell überlegenen Lokalrivalen Siemens überflügelt). 117.000 Menschen gibt BMW heute Lohn und Brot. Monat für Monat gehen 20.000 neue Bewerbungen im Hauptquartier ein: Erfolg macht sexy. „Sind wir nicht eine tolle Company?“, tönt ein Aufsichtsrat. Er meint das ohne jede Ironie.

Elektroautos statt Formel 1

In diesem Hochgefühl feiern sie 2016 Jahr mit ihrem neuen Chef den 100. Geburtstag. Anfang des Jahres geht’s los mit den Feierlichkeiten, im März folgt der Höhepunkt mit der einschlägigen Prominenz, aber weniger betulich als bei den an Staatsakte gemahnenden Festivitäten anderer Konzerne. Auch dies gebietet die BMW-Markenpolitik, die sich viel darauf einbildet, zeitgeistmäßig vorne weg zu fahren: keine Formel 1 mehr, dafür Elektroautos aus Karbon.

Damit das Jubiläum nicht zu rückwärtsgewandt ausfällt, so der Plan, sollte mit Krüger die nächste Generation an die Spitze treten. Und damit auch ein neuer Stil einziehen. Der Spaß am Fahren bleibt, was sich ändert, ist die Freude am Führen: „Krüger hört zu, Reithofer nur manchmal“, sagt einer aus dem obersten Führungskreis.

Als extrem durchsetzungsstark, aber weniger autoritär wird der Neue beschrieben. Verbindlich, sehr fordernd sei Krüger. Was ihm nicht passt, markiert er mit wenigen, nüchternen Worten: „Damit fühle ich mich nicht wohl“, klingt es dann. Lauter wird’s nicht. Seine Leute verstehen auch so, was die Stunde geschlagen hat. Es findet sich jedenfalls niemand, der ihn je hätte brüllen hören. „Harald Krüger hat noch nie die Fasson verloren, dafür ist er viel zu smart, viel zu kontrolliert“, berichtet ein Top-Manager.

Er will „intrinsisch motivierte Mitarbeiter“

Früh hat der künftige Konzernchef, noch zuständig fürs Personal, erfahren, dass die nachwachsende Führungselite anders angefasst werden will, wenn die „Generation Y“ das Vorstellungsgespräch mit dem Wunsch nach Sabbatical und einer ausgeglichenen Work-Life-Balance eröffnet.

Die unter Krügers Regie entwickelten „Leadership“-Programme gelten im Konzern bis heute. „Stärkenorientierte Führung“ und solche Sachen üben sie seither, mühen sich aufrichtig, dass keiner - allem Ehrgeiz zum Trotz - als gesundheitliches Wrack rausmarschiert. Krüger war es auch, der verkündet hat, dass bei BMW keine Platz für Boni-Jäger ist. Er wolle „intrinsisch motivierte Mitarbeiter und keine Leute, denen man ständig eine Karotte vor die Nase halten muss, damit sie sich bewegen“, hat er postuliert.

Die künftige BMW-Elite formt der Konzernchef auf deren Weg nach oben: Wer in den Kreis der „Top 300“ aufsteigt, braucht dazu die Empfehlung seines Vorgesetzten, außerdem elf Gutachter, die anonym über seinen Charakter urteilen. Da der Kandidat deren Namen nicht kennt, richtet er sich aus an der Gesamtgruppe. Das Management gleicht sich somit automatisch an, das Denken wird gleichförmiger, konzentriert auf Leistung, Disziplin, Wettbewerb - und den speziellen BMW-Spirit, wie es ein Altvorderer ausrückt, „den gemeinsamen Willen: Wir bauen die besten Autos der Welt.“

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