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Neuer BMW-Chef Krüger : Aus Freude am Führen

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„Der Star ist das Auto“: Dieser Satz ist für einen BMW-Chef nie falsch. Außerdem ratsam: keine spektakulären Hobbys, keine Affären. Gäbe es nur solche Top-Manager, die Illustrierten würden verhungern. Harald Krüger wird alles daransetzen, dass dies so bleibt. Strahlen soll die Marke, nicht die Person.

Bloß keine Diven züchten

Wenn Großmanager wie VW-Chef Martin Winterkorn entlegene Flecken ihres Weltreiches besuchen, tun sie dies im Stile eines Monarchen, lassen sich huldvoll von den örtlich Regierenden empfangen, ihre Lakaien im Schlepptau. BMW tickt da anders. Das breitbeinig Auftrumpfende ist die Sache eines BMW-Chefs nicht, schon gar nicht eines mit Namen Krüger. Die Quandts genießen geräuschlos Zugang zum Kanzleramt, da hat ihr oberster Angestellter sich nicht aufzuplustern.

Die Angst davor, im Konzern Diven zu züchten, geht im Hause BMW so weit, dass die Manager, selbst die obersten, im internen Sprachgebrauch hinter Buchstabenkürzeln verschwinden; je kürzer das Kürzel, desto wichtiger die Person. Am allerwichtigsten ist der „A“ - das ist der Vorstandsvorsitzende, in drei Tagen also Krüger. „F“ steht für den Finanzvorstand, „P“ für die Frau fürs Personal - die übrigens ist reichlich umstritten im Haus, von einer Revolte ihrer eigenen Führungsleute wird auf den Fluren getuschelt, ebenso wie von persönlichen Unverträglichkeiten zwischen zwei Nachrückern in den Vorstand. Nur von einem ist nichts zu hören, aber auch gar nichts: von etwaigen Konflikten zwischen Krüger und Reithofer

Seit alle Welt weiß, dass er aufrückt, hält der Neue sich noch stärker zurück, nach außen sowieso, aber auch intern: Nur ja nicht dem verdienten Vorgänger die Show stehlen, befiehlt die Regie. Bis zum letzten Tag schwingt Reithofer in den Vorstandssitzungen das Zepter - und niemand stört ihn dabei, zumal der Bayer dies mit größerem Vergnügen denn je tut, da nun die Last des Tagesgeschäfts von ihm abfällt und er im Gefühl des Triumphes abtritt.

„Sind wir nicht eine tolle Company?“

Die meisterliche Inszenierung hat nur einen Schönheitsfehler: Reithofer wird sich bei der Wahl in den Aufsichtsrat eine Watschn einfangen. Die angelsächsischen Investoren meutern, weil er direkt den Posten anstrebt, ohne zweijährige Abkühlphase wie üblich und in den Corporate-Governance-Grundsätzen empfohlen. Die einflussreichen Aktionärsberater ISS, deren Votum viele internationale Großanleger folgen, haben ihr Urteil für die Hauptversammlung bereits gefällt: Punkt 6.3. der Tagesordnung ist abzulehnen. Wer auf sie hört, muss gegen Reithofer stimmen. So halten es auch deutsche Profianleger wie Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment: „Ein Aufsichtsratsvorsitzender braucht kritische Distanz, um Dinge zu hinterfragen.“ Trete Reithofer direkt an, schwäche dies die Position Krügers als Nachfolger, so geht die Argumentation: Wie soll der Neue etwas verändern, wenn ihm der Vorgänger ins Lenkrad greift?

Formal ist die Personalie sauber, nach deutschem Recht kann ein Großaktionär eine Ausnahmeregel durchsetzen, wie von Familie Quandt für Reithofer avisiert. Mit ihrer Mehrheit der Anteile wird sie ihn auch durchdrücken, eine Blamage sind die zu erwartenden Gegenstimmen doch, zumal seine fachlichen Qualitäten außer Frage stehen: Norbert Reithofer hat Rekord auf Rekord aneinandergereiht.

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