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Nationaler Forschungs-Verbund : Bestandsaufnahme mit Hindernissen

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Diese Innenansicht des Bibliotheksraums in Wolfenbüttel, die Caspar Merian 1654 in Kupfer stach, ist im Virtuellen Kupferstichkabinett, das die Herzog August Bibliothek gemeinsam mit dem Herzog Anton Ulrich Museum eingerichtet hat, in mehreren Exemplaren vorhanden. Die untere Hälfte des Blattes zeigt die andere Seite des Lesesaals. Manchmal haben in der Wissenschaft Doppelstrukturen ihren Nutzen. Bild: Herzog August Bibliothek

Nach dem Willen ihrer Geldgeber sollen die Museen, Bibliotheken und Archive in Marbach, Weimar und Wolfenbüttel zusammenwirken. Nach fünf Jahren Pilotprojekt zeichnet sich ab, dass die Ambitionen größer sind als die Mittel.

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          Die Zusammenarbeit, aber auch die Konkurrenz der Bibliotheken, Archive und Museen in Marbach, Weimar und Wolfenbüttel hat eine lange Tradition. Als 1706 in Altona der Nachlass des Universalgelehrten Marquard Gude versteigert wurde, zeigten sowohl der Wolfenbütteler Bibliothekar Gottfried Wilhelm Leibniz als auch sein Weimarer Amtskollege Konrad Samuel Schurzfleisch dienstliches Interesse. Schurzfleisch sicherte mehr als tausend Bücher für Weimar. Leibniz konnte vier Jahre später Gudes Handschriftensammlung für Wolfenbüttel erwerben.

          Bis heute bestehen enge personelle und fachliche Verbindungen zwischen den Häusern. Schon kurz nach der Wiedervereinigung kam es zum Abschluss erster Kooperationsverträge. Seit 2007 geben das Deutsche Literaturarchiv Marbach, die Klassik Stiftung Weimar und die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel gemeinsam die „Zeitschrift für Ideengeschichte“ heraus. Als „soziale Forschungsinfrastrukturen“ sind die drei Institutionen von hoher Attraktivität für ein internationales Publikum. Zahlreiche Stipendien- und Bildungsprogramme unterstützen die quellengestützte Arbeit am Ort. Mit ihren komplementären Beständen decken Wolfenbüttel, Weimar und Marbach die kulturelle Überlieferung vom späten Mittelalter bis zur Moderne exemplarisch ab. Nicht nur die Wege der Mitarbeiter, auch die der Nutzer kreuzen sich vielfältig.

          Ungeachtet aller Gemeinsamkeiten gibt es indes erhebliche Unterschiede. Die Bibliothek in Wolfenbüttel ist im Kern eine fürstliche Büchersammlung des siebzehnten Jahrhunderts und heute eine von drei Landesbibliotheken in Niedersachsen. Die Klassik Stiftung Weimar bündelt das Unesco-Weltkulturerbe des Klassischen Weimars, verfügt aber zugleich über umfangreiche Bestände zur klassischen Moderne. Das Deutsche Literaturarchiv wurzelt im bürgerlichen Schillerkult des neunzehnten Jahrhunderts. Als Träger firmiert nach wie vor der Deutsche Schillerverein. Wie bei der Klassik Stiftung übernehmen Bund und Land den Großteil der Finanzierung.

          Hoffen auf Verstetigung

          Im Rahmen einer Evaluierung der Klassik Stiftung und des Deutschen Literaturarchivs erhob der Wissenschaftsrat 2011 die voraussetzungsreiche Forderung, die „drei wichtigsten deutschen Forschungsbibliotheken und -archive unter Beibehaltung ihrer rechtlichen Selbständigkeit in einem von den Einrichtungen selbst mitzugestaltenden Verbund“ zusammenzuführen – eine Idee, die 2013 bei der Evaluierung der Herzog August Bibliothek erneut geprüft und für gut befunden wurde. Zu einer weitreichenden Integration ist es allerdings nicht gekommen. Stattdessen entstand ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziertes Projekt. Es besteht aus zwei Dutzend Mitarbeitern, die als Drittmittel-Angestellte der einzelnen Häuser gemeinsam forschen. Zur Pflege der Dachmarke „Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel“ wurde eine Geschäftsstelle am Wissenschaftskolleg zu Berlin eingerichtet, wo auch die Redaktion der „Zeitschrift für Ideengeschichte“ ihren Sitz hat.

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