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Muslime im Ramadan : 29 Arbeitstage ohne Essen und Trinken

Zeit des Gebets und der Besinnung für Muslime: Der Fastenmonat Ramadan Bild: dpa

Viele gläubige Muslime fasten ab diesem Donnerstag einen Monat lang - und essen und trinken nur nachts.Tagsüber müssen sie meist ganz normal arbeiten. Eine Zahnärztin, eine Anwältin, ein Geschäftsführer und ein Cafébetreiber berichten, wie sie das schaffen.

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          Zeynep Yildirim freut sich auf die Frühschichten in nächster Zeit. Denn ab diesem Donnerstag wird die Berliner Zahnärztin, die ihren wirklichen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ab etwa drei Uhr morgens nichts mehr essen und trinken. Als Muslimin beginnt für sie dann der Fastenmonat Ramadan, in dem die Gläubigen dazu aufgerufen sind, von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen und Trinken zu verzichten. Arbeiten muss Yildirim ähnlich wie die meisten anderen der rund vier Millionen Muslime in Deutschland natürlich dennoch. „Wenn man morgens früh anfängt ist das nicht ganz so hart“, sagt die 33-Jährige. „Dann hat man noch mehr Kraft. In der Spätschicht bekommt man schon eher mal Konzentrationsprobleme.“

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Gläubige Muslime widmen sich im Ramadan besonders dem Glauben und dem Gebet. Abends nach Einbruch der Dunkelheit treffen sie sich mit Freunden und Verwandten zum gemeinsamen, oft besonders üppigen Essen. Besonders im Sommer ist das Fasten ein hartes Unterfangen. Weil es lange hell ist, ist die Zeitspanne, in der die Gläubigen auf Nahrungsaufnahme verzichten, ebenfalls besonders lang. Erst gegen halb zehn Uhr abends dürfen sie zu Beginn des diesjährigen Ramadans wieder essen und trinken.

          Mit einem geregelten Arbeitsalltag lässt sich das selten gut vereinbaren. Yildirim hat das Fasten deshalb auch noch nie wirklich einen ganzen Monat lang durchgehalten, seitdem sie als Zahnärztin arbeitet. „Ich habe schließlich eine riesige Verantwortung meinen Patienten gegenüber. Ich kann mir keine Fehler erlauben.“ Deshalb unterbricht sie das Fasten, wenn ihre Konzentration nachlässt. „In einem Bürojob tippt man vielleicht ein bisschen langsamer, wenn man starken Hunger und Durst hat, aber man schadet niemandem“, sagt Yildirim. „Bei uns Ärzten ist das etwas anderes. Wir müssen genau wissen, wo unsere Grenzen sind.“ Yildirims Kollegen und Vorgesetzte wissen, dass sie fastet - und tolerieren das. „Sie wundern sich zwar darüber, aber es interessiert sie nicht weiter, so lange meine Arbeitsleistung nicht leidet“, sagt die junge Zahnärztin. Ihren Patienten verrät Yildirim lieber nicht, dass sie fastet - aus Furcht, sie könnten ihr dann weniger vertrauen. Natürlich könnte Yildirim sich auch ihren Urlaub für die Zeit des Fastenmonats aufsparen. Doch auch das fände sie schwierig. „Die Arbeit hilft auch irgendwie während des Fastens“, sagt sie. „Die Zeit vergeht dann schneller.“

          Mit leerem Magen produktiver

          Das sieht auch Marziya Tay so. Die Inhaberin einer Rechtsanwaltskanzlei in Köln hält sich jedes Jahr streng an die Fastenregeln. „Während des Ramadans bin ich zum Teil sogar produktiver als sonst“, glaubt sie. “Ich bin nicht vom Essen abgelenkt, mache keine Kaffeepausen und kann mich mit leerem Magen sogar oft besser konzentrieren.“ Problematisch findet sie jedoch die Müdigkeit, wenn sie um halb drei Uhr nachts ihren Schlaf zum Frühstücken unterbricht und dann frühmorgens einen Gerichtstermin hat. Glücklicherweise geschieht das nicht täglich. „Ich habe den Luxus, dass ich mir als Selbstständige meine Arbeitszeiten relativ frei einteilen kann“, sagt sie. „Wenn ich nicht zu Behörden oder zum Gericht muss, schlafe ich im Ramadan aus und beginne meinen Arbeitstag erst um zehn oder halb elf.“ Schwerer fiel ihr das Fasten in früheren Jahren, als sie noch als Angestellte in einer Kölner Kanzlei tätig war. „Da musste ich jeden Tag um acht Uhr anfangen und hatte in der ersten Stunde im Büro immer total schwere Augen.“

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