https://www.faz.net/-gyl-8z7f1

Ingenieurs-Check Zulieferer : Mit Komplexität innovativ umgehen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z

Drei Praktiker erklären, wie sich die Automobilzulieferbranche verändert und was das für Berufseinsteiger bedeutet.

          3 Min.

          Die IT bestimmt zunehmend die neuen Entwicklungen. Dafür sind Ingenieure mit IT-Kenntnissen und innovativen Ideen gefragt.

          Die Automobilbranche und damit auch die Zulieferer durchlaufen einen großen Wandel, der vor allem von den Megatrends Digitalisierung, Klimawandel und Urbanisierung bestimmt wird. Dabei hat sich die Wertschöpfung weg von den Herstellern und immer mehr zu den Zulieferern verschoben. Rund 70 Prozent liegen heute bei den Zulieferern. Wir selbst verstehen uns als Systemanbieter, der aus einer Hand verschiedenste Anwendungen entwickelt und zur Verfügung stellt. Alle Bereiche werden dabei zunehmend von der IT bestimmt, das heißt, Teile werden dank Sensoren und Vernetzung intelligent. So können in Zukunft beispielsweise Unfälle vermieden werden, wenn die Sensoren Hindernisse auf der Straße früh genug erkennen. Gleichzeitig spielt auch der Komfort eine Rolle, etwa wenn das Auto per App und Smartphone selbst weiß, welches Ziel es ansteuern soll. Der Fahrer muss hierzu nicht einmal mehr ein Navigationssystem bedienen.

          Für diese neuen Entwicklungen sind Inge­nieure mit umfangreichen IT-Kenntnissen gefragt, die auch ein Verständnis für die Digitalisierung mitbringen, die gern neue Wege gehen und diese mit Hilfe von intelligenten mechanischen Systemen gestalten. Daher suchen wir junge Leute, die offen denken und neue Ideen haben. Natürlich müssen Berufseinsteiger nach wie vor die physikalischen Gesetze verstehen und im besten Fall interdisziplinäre Kenntnisse im Maschinenbau, in der Mechatronik, Informatik oder Elektro­technik mitbringen. Denn am Ende geht es darum, die alte mit der neuen Welt zu kombinieren.

          Martin Frick, Leiter Personalmarketing bei der ZF Friedrichshafen AG

          Trotz mehr IT und Technik muss das Auto nach wie vor einfach zu nutzen sein. Dafür braucht es Visionäre, die mit den Füßen auf dem Boden bleiben.

          Als Automobilzulieferer arbeiten wir daran, unser Produktportfolio den Megatrends E-Mobilität, autonomes Fahren, Vernetzung und Carsharing anzupassen. Denn die Automobilindustrie wird sich in den kommenden Jahren stark verändern. Insbesondere für E-Autos haben wir beispielsweise einen elektrischen Kältemittelverdichter entwickelt. Dieser heizt und kühlt den Innenraum sehr effizient. Er schont besonders im Winter die Batterie und erhöht so die Reichweite. Zusätzlich zur Elektrifizierung arbeiten wir an innovativen Konzepten für flexible Interieurs und einen komfortableren Fahrzeugzugang.

          Wir müssen heute in komplexen Systemen denken und Lösungen entwickeln, die in immer kürzeren Zyklen zur Marktreife gebracht und global eingesetzt werden. Hinzu kommen die gestiegenen Ansprüche von Autofahrern an Sicherheit, Komfort und Effizienz. Vor diesem Hintergrund bringen uns kreative Köpfe bei der Suche nach neuen Lösungen voran.

          Technikbegeisterte Absolventen der Fachrichtungen Maschinenbau, Fahrzeugtechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen haben bei uns beste Chancen – vor allem wenn sie ihr theoretisches Wissen schon durch Praktika vertieft haben. Wir suchen junge Leute, die etwas bewegen möchten und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Das zählt mehr als ausschließlich gute Noten.

          Claudia Desselmann, Personalmarketing bei der Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG

          Die Komplexität nimmt zu, Entwicklungszyklen werden kürzer. Hier gilt es, sich schnell anzupassen und umsetzungsstark zu arbeiten.

          Durch Themen wie autonomes Fahren, Elektrifizierung und Digitalisierung, die die Branche derzeit maßgeblich bestimmen, stehen wir als Automobilzulieferer vor sehr großen Herausforderungen. Wir sehen diese aber vor allem als Chance. Vor allem sind die Komplexität und Schnelligkeit in der Branche enorm angewachsen. So gibt es sehr viel mehr verschiedene Automodelle, und die Zyklen, in denen sich Modelle und Technologien verändern, werden immer kürzer. Das heißt für uns: Wir müssen noch schneller agieren. Dafür brauchen wir flexibel agierende Menschen, die sich diesem Rhythmus und den Trends anpassen und dann auch passende Lösungen entwickeln können.

          Unsere Aufgabe und die unserer Mitarbeiter ist es, immer wieder neu zu überlegen, wie das Unternehmen die Trends der Branche adressieren kann und wie es sich in Zukunft positionieren muss. Wir sind daher stets auf Talente angewiesen, die diese Entwicklung unterstützen und immer wieder neue Ideen einbringen.

          Wir freuen wir uns über junge Leute, insbesondere aus allen MINT-Fächern, die über den Tellerrand hinausblicken, sich schnell in ihrer Aufgabe zurechtfinden und unternehmerisch eigenverantwortlich handeln. Wir legen Wert auf Mitarbeiter, die früh Verantwortung übernehmen wollen und bereit sind, in verschiedene Bereiche hineinzuschauen und diese kennenzulernen. Wir brauchen Berufseinsteiger, die eine große Neugierde sowie Eigenverantwortlichkeit und Kreativität mitbringen.

          Nicole Schneider, HR-Leiterin bei der Hella KGaA Hueck & Co.

          Weitere Themen

          Zum Zeitgeist des Abiturjahrgangs 2020

          Notizen eines Schülers : Zum Zeitgeist des Abiturjahrgangs 2020

          Mitte März wurde unsere Schule geschlossen, wir wurden nach Hause geschickt. Dann kam die Stille. Eine ungewöhnliche, beängstigende Stille. Wie groß ist die Zäsur, die wir in diesem Abiturjahr erleben?

          Das „Corona-Betreuungsvakuum“ hält an

          Unternehmen klagen : Das „Corona-Betreuungsvakuum“ hält an

          Viele Kitas sind vom Regelbetrieb noch weit entfernt: Betreuungszeiten wurden gekürzt, bei leichten Schniefnasen werden Kinder sofort nach Hause geschickt. Jetzt melden sich die Unternehmen: So könne es nicht weitergehen.

          Topmeldungen

          „Lasst Trump Trump sein“? Daran hapert es schon lange nicht mehr.

          2020 ist nicht 2016 : Gegen Biden kommt Trump nicht an

          Schon vor vier Jahren hatte Trump zur heißen Phase seinen Wahlkampfmanager ausgetauscht. Doch er scheint selbst nicht an ein gutes Ende zu glauben. Denn die Pandemie überfordert den Präsidenten. Und ihm fehlt Hillary Clinton.
          Studienräte gehören oft zu den oberen zehn Prozent.

          Einkommensverteilung : Sie sind reicher, als Sie denken!

          Nach den jüngsten Reichtums-Studien gilt: Schon mit 3529 Euro netto im Monat gehört man zu den oberen zehn Prozent im Land. Es fühlt sich aber nicht so an. Warum? Mit Test: Wie wohlhabend bin ich im Vergleich?
          Ort der Kontraste: Ein Passant geht in Seattles Capitol Hill an einer umgedrehten amerikanischen Flagge vorüber.

          Proteste in Seattle : Wie man die Wut auf der Straße zeigt

          Blick in die Hölle oder Straßenfest, autonome Zone oder Weltverbesserungs-Quartier? In der Berichterstattung zur Besetzung des Capitol Hill konnten die Bilder nicht gegensätzlicher sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.