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Business Angels : Mit Hilfe der Löwen

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„Für die Verhandlungen gibt es keine Faustformel“, so Schultz. Wie sie letztlich laufen, ist abhängig von der Gründungsidee, dem Status quo des Start-ups, dem Geschick des Gründerteams, aber auch von der Einschätzung des Business Angels. Hier hat es ein Team leichter, das mit seinem Geschäftsmodell besonders überzeugt oder wenn der Investor das Thema und die Idee für besonders unterstützenswert hält.

Zunächst überprüfen Gründer und BAs gemeinsam das Geschäftsmodell mit dem Businessplan. Sie beleuchten, inwieweit das Modell tragfähig ist und ob beispielsweise Marketing-, Vertriebs- und Personalfragen, aber auch die geplante Umsatzentwicklung realistisch eingeschätzt werden.

Um als Geldgeber eine gewisse Sicherheit zu haben, kann ein Vorgehen in sogenannten Meilensteinen anvisiert werden. Das bedeutet: Deckungsgleich mit den Inhalten des Businessplanes werden Zwischenziele vereinbart, die festhalten, was das Team erreichen will. Werden sie nicht erfüllt, kann der Business Angel weitere Zahlungen zurückbehalten. „Verfehlte Zwischenziele sind für die BAs Indikatoren, schnell mit den Gründern ins Gespräch zu gehen und vor allem gegenzusteuern. Oder auch kritisch zu fragen, ob die Idee hält, was sie verspricht“, sagt Schultz.

Im nächsten Schritt legen die Verhandlungspartner die Bedingungen für den Investoreneinstieg, die sogenannten Terms, fest, die sie im Vertrag verankert sehen wollen. Business Angels bleiben immer Minderheitsgesellschafter. Wichtige Vertragspunkte sind unter anderem Exit-Regelungen, wie die Tag- und Drag-along-Klauseln, oder eine sinnvolle Anti-Dilution-Regelung, die die Frühphaseninvestoren vor einer prozentualen oder wertmäßigen Verwässerung ihrer Beteiligung bei späteren Finanzierungsrunden schützen kann.

Der Vertrag wird mit der Unterschrift beim Notar rechtskräftig. Von der Anbahnung bis zu diesem Termin können drei Monate bis zu einem halben Jahr vergehen. In seltenen Fällen geht es auch schneller. Unabhängig von der Dauer des Einigungsprozesses rät Schultz immer zu einem professionellen Set-up mit einem erfahrenem VC-Anwalt, der den Vertrag aus- und die entsprechenden Klauseln einarbeitet. Nur so werde eine solide Basis für die Übergabe des Start-ups an Venture Capitalists in einer nächsten Finanzierungsrunde gelegt.

Gelungene Zusammenarbeit

Das Geld auf dem Konto ist das eine. Ju tauscht sich mit dem Investor auch regelmäßig über Inhalte aus. „Wir treffen uns zu Gesellschafterversammlungen, nicht nur, um Jahresabschlüsse zu besprechen und zu verabschieden, sondern auch zum gemeinsamen Brainstorming.“ Die Unterstützung kann je nach Start-up sehr unterschiedlich sein. Ju freut sich darüber, wenn der Business Angel ihn bei anderen Fachverlagen ins Gespräch bringt oder neue Ideen am Telefon vorschlägt.

Christian Schultz ist jederzeit für seine Gründer erreichbar. Tageszeit, Wochentag oder Urlaub spielen bei wichtigen Problemen keine Rolle. Irgendwer sei immer im Krisenmodus, sagt er. Da sei ein enger Austausch mit den Gründern wichtig.

Bei Repetico wächst der Umsatz kontinuierlich, im Herbst des vergangenen Jahres ist ein weiterer Business Angel in das Unternehmen eingestiegen. Das Rad dreht sich also immer weiter, ganz nach dem Motto: Einmal Unternehmer immer Unternehmer. Und wer weiß, vielleicht irgendwann auch als Investor.

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