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Business Angels : Mit Hilfe der Löwen

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Für ihr finanzielles Engagement erhalten Business Angels prozentuale Anteile am wachsenden Unternehmen. Sie sind die Investoren, die die breite finanzielle Lücke füllen, bis sich in Folgefinanzierungen auch die großen Family Offices oder Venture Capitalists (VC) mit höheren Volumen – ab einer bis fünf Millionen Euro oder mehr – für ein Unternehmen interessieren. Zu diesem Zeitpunkt lassen sich Business Angels ihre Firmenanteile meist ausbezahlen. „So eine Investition sollte bei mindestens zwei bis drei Jahren liegen. Der Marktdurchschnitt liegt jedoch eher bei fünf bis sieben Jahren“, sagt Lukic.

Investieren bleibt immer spannend

Wie die „Löwen“ sind die Frühphasen-Finanziers meist selbst erfolgreiche Unternehmer oder, wie Christian Schultz, freiberuflich tätig. Er verdient sein Geld als Zahnarzt, unterstützt aber nebenbei seit über 15 Jahren Start-ups aus den Bereichen IT, Internet und Medizintechnik. „Der Aufbruch zu neuen Ufern mit anderen, also den Gründern, zusammen, das ist das Spannende“, so begründet der Business Angel seine Entscheidung, junge Unternehmen zu unterstützen.

Schultz hat eine klare Vorstellung, in welche Geschäftsideen er investiert. Sein gutes Netzwerk und sein Ruf – unter anderem ist er 2013 als „Business Angel des Jahres“ ausgezeichnet worden – erleichtern ihm die Suche nach neuen innovativen Start-ups. Viele Gründer kommen heute mit der Bitte um Finanzierung direkt auf ihn zu.

Aufmerksamkeit gewinnen

Wichtig sei für Gründer, dass sie „für sich trommeln“, auf sich aufmerksam machten und Durchhaltevermögen bewiesen, weiß Lukic. Dafür bieten sich Matching-Veranstaltungen an, die heute von den regional organisierten Business-Angel-Vereinen in allen großen Städten durchgeführt werden. Dort stellen Start-ups möglichen Investoren ihre Ideen anhand eines Businessplans vor. Doch davon auszugehen, dass die erste Präsentation schon den gewünschten Erfolg bringt, ist utopisch. „Trommeln“ heißt also vor allem: auf den Besuch einer Veranstaltung folgt der nächste. Netzwerken braucht Zeit.

Diese Erfahrung haben auch die Frankfurter Gründer Samuel Ju und Klaus Kröner mit ihrer Idee, der E-Learning-Plattform Repetico, gemacht: Sie lernten auf zahlreichen Veranstaltungen verschiedene Business Angels kennen, netzwerkten und führten Gespräche mit potentiellen Investoren. Im Frühjahr 2014 erhielten sie den entscheidenden Anruf ihres heutigen Förderers, der sich – aus dem juristischen Verlagsbereich kommend – eine Beteiligung vorstellen konnte.

Samuel Jus Erkenntnis daraus: Es gehe darum, den richtigen Moment abzuwarten und nicht das erstbeste Angebot anzunehmen. Es lohne sich manchmal, vielleicht doch ein bisschen länger zu warten. Vor allem sollte man sich die Fragen stellen: Wer würde wirklich gut zu uns passen? Wer könnte Interesse haben? „Es muss einen Fit geben, ein gemeinsames strategisches Interesse“, so der Rechtswissenschaftler.

Verhandlungen mit Rechtsbeistand

Haben sich Start-up und Investor gefunden, geht es in die Verhandlungen. „Der Deal ist im Großen einfach: Unternehmensanteile gegen Geld“, so Ju. „Im Kleinen hat er aber seine Tücken. Nur ein einzelnes Wort wie ‚jeweils‘ an der richtigen oder falschen Stelle im Vertrag kann große Auswirkungen haben. Da braucht man definitiv Rechtsbeistand.“

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