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Vorstoß aus Spanien : Menstruationsurlaub – Stigma oder Befreiung?

Bild: Picture Alliance

In Spanien soll es Frauen künftig möglich sein, bezahlten Urlaub für extreme Menstruationsbeschwerden zu bekommen. Eine gute Idee auch für Deutschland?

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          Schmerzhafte Krämpfe, Übelkeit, Durchfall – einige Frauen treffen die Begleitbeschwerden ihrer Menstruation so schwer, dass sie sich jeden Monat aufs Neue durch die Arbeitswoche kämpfen oder sich regelmäßig krankmelden müssen. Über den Grund ihrer Krankmeldung wird sich allerdings meist ausgeschwiegen. Die Menstruation ist nach wie vor schambehaftet, das Thema im professionellen Arbeitsumfeld oft ein Tabu. Der Arbeit fernbleiben zu können, wenn die Schmerzen zu stark werden, und das, ohne sich einen Grund für die Abwesenheit einfallen lassen zu müssen, davon können Arbeitnehmerinnen in Spanien seit dieser Woche träumen: Das Land will als erstes in Europa einen bezahlten sogenannten Menstruationsurlaub einführen.

          Natalia Wenzel-Warkentin
          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde in dieser Woche dort offiziell vorgestellt und vom Kabinett gebilligt. Mindestens drei und höchstens fünf Tage im Monat sollen spanische Frauen dann künftig zu Hause bleiben dürfen. Ihre Beschwerden müssen sie aber von einem Arzt bestätigen lassen – der Weg führt am Ende also doch über die übliche Krankschreibung. Symbolpolitik, kritisieren die einen. Ein wichtiger Schritt zur Entstigmatisierung des weiblichen Zyklus, loben die anderen.

          Nur eine Handvoll Länder bietet Arbeitnehmerinnen heute schon ähnliche Regelungen. Sie konzentrieren sich vor allem auf den asiatischen Raum. Indonesien, Taiwan oder Südkorea haben Gesetze zum Menstruationsurlaub. Italien diskutierte 2017 darüber, doch der Entwurf scheiterte. In Japan greift ein ähnliches Gesetz schon seit 1947, eine aktuelle Umfrage aus diesem Jahr zeigt jedoch: Nur 10 Prozent der Arbeitnehmerinnen nehmen den Urlaub überhaupt in Anspruch. Viele fürchten berufliche Nachteile und Stigmatisierung. Dabei ergab eine groß angelegte, niederländische Studie von 2019, dass sich 80 Prozent der 30.000 Befragten während der Menstruation in ihrer Produktivität eingeschränkt fühlten. Obwohl die meisten angaben, regelmäßig Beschwerden zu erleiden, blieben nur 14 Prozent tatsächlich für mindestens einen Tag der Arbeit fern. Ein Drittel der befragten Frauen musste aufgrund starker Schmerzen schon einmal zum Arzt.

          „Wir können den Tag nutzen, wie wir möchten“

          Eine Debatte in Deutschland über Menstruationsurlaub wird nicht konkret geführt. Ein Gesetz über zusätzliche, bezahlte Urlaubstage würde hierzulande sogar gegen das Gleichbehandlungsgesetz verstoßen. Doch auch hier existieren einige wenige Unternehmen, die eigene Regelungen zu diesem Thema auf den Weg gebracht haben und es Konzernen wie Nike nachmachen. Dort gibt es den sogenannten Menstrual Leave schon seit 2007 im unternehmensinternen Code of Conduct. Die meisten anderen Unternehmen mit ähnlichen Angeboten sind junge Start-ups, die den Menstruationsurlaub als Benefit für Arbeitnehmerinnen sehen – Everdrop aus München zum Beispiel, die nachhaltige Haushaltsmittel produzieren.

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