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Meldeportale der AfD : Denunziation und Opferrolle

Die Lehrer-Meldeportale der AfD ergeben überhaupt keinen Sinn. Trotzdem lässt sich von ihnen eine Menge über das Selbstbild der Partei lernen. Eine Zwischenbilanz.

          6 Min.

          Die Kritik an den AfD-Meldeportalen reißt nicht ab. Während die meisten Parteien seit Monaten einen besseren Schulunterricht fordern und in Zeiten des Lehrermangels froh sind, dass vor den Klassen überhaupt noch genügend Pädagogen stehen, stellt die AfD leichthin deren politische Neutralität in Frage und bittet Schüler um Meldung von verdächtigem Verhalten. Von Lehrern, Eltern, Politikern wird die Partei dafür angefeindet, sie zeigt sich davon aber unbeeindruckt. Die guten Wahlergebnisse legen für sie derzeit keine Kurskorrekturen nahe. Und so hat die AfD in der vergangenen Woche, nach Hamburg, Baden-Württemberg und Sachsen, zwei weitere Meldungs-Dependancen in Berlin und Brandenburg eröffnet. Sich von diesem umfangreichen Beschwerdemanagement ein Bild zu machen, ist gar nicht so leicht. Nicht nur verschweigen viele Medienberichte bewusst die betreffenden Internet-Adressen, man weiß auch wegen unterschiedlicher Namensgebung nicht so recht, wonach man eigentlich genau suchen soll.

          Uwe Ebbinghaus
          Redakteur im Feuilleton.

          Was bei der sächsischen AfD „Lehrer-SOS“ heißt und sich im Schülerzeitungs-Look an Jugendliche wendet, trägt in Brandenburg den Namen „neutrale-schulen“ und ist auf einer Unterseite des regulären Parteiauftritts zu finden. Das baden-württembergische Meldeportal hingegen (mein-lehrer-hetzt, mein-prof-hetzt) wird von einem einzelnen AfD-Abgeordneten betrieben, der sogar die Namen unliebsamer Lehrer veröffentlichen wollte. Es ist jedoch schon seit geraumer Zeit offline – angeblich wurde es Opfer eines Hackerangriffs, vielleicht aber auch einfach nur juristisch zu heiß. Das hoffnungslose Durcheinander, das sich bei der Suche darbietet, verfestigt den Eindruck, dass die AfD keinen großen Wert darauf legt, mit ihren Meldeportalen wirklich gefunden zu werden. Die Streuung einer diffusen Botschaft wie „Wachsam sein!“ scheint ihr wichtiger.

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