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Uli Stein : Kultfigur mit Knollennase

  • -Aktualisiert am

Bild: Uli Stein

Er kann keine Witze erzählen und hatte in Kunst bestenfalls eine Vier. Dennoch bringt Uli Stein mit seinen Zeichnungen seit Jahrzehnten ein ganzes Land zum Schmunzeln.

          5 Min.

          Rein rechnerisch müsste jeder Deutsche mindestens eine Postkarte von Uli Stein am Kühlschrank oder an der Pinnwand hängen haben. Die freche Maus, der verdutzte Pinguin, die Menschen mit den Knollennasen und viele andere vertraute Figuren des Zeichners haben sich im A6-Format bisher mehr als 100 Millionen Mal verkauft. Wer in der Küche nicht fündig wird, kann alternativ einen Blick ins Bücherregal werfen. Dort steht womöglich einer der rund 50 Bände, die Uli Stein in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlicht hat und die bisher mehr als 11 Millionen Mal über den Ladentisch gegangen sind. Der 61-Jährige ist ungemein fleißig und genauso bescheiden. „Ich arbeite halt und hoffe, den Leuten macht es Spaß“, sagt er über seinen Erfolg.

          Dass Uli Stein die Entstehung des Humors nicht wirklich erklären kann, obwohl Cartoons sein Lebensinhalt sind, scheint nur auf den ersten Blick merkwürdig. „Manchmal mache ich etwas, von dem ich denke, das ist eine wirklich schöne Idee, doch vom Betrachter kommt nur ein lahmes: ‚Hm, ja, ganz gut.‘ Und manchmal ist es genau umgekehrt. Humor ist eben etwas extrem Subjektives, selbst wenn ein gewisser Konsens zu bestehen scheint.“

          „Meine ersten Cartoons waren grottenschlecht“

          Gäbe es diesen Konsens nicht, wäre Uli Stein wohl kaum so erfolgreich. Aber er ist es – manchmal zu seinem eigenen Erstaunen. „Meine ersten Cartoons waren grottenschlecht! Ich habe zwar in der Schule schon immer unablässig gezeichnet, aber richtig gelernt habe ich es nie.“ Stattdessen ging der Abiturient auf der Suche nach dem Job seines Lebens zur Berufsberatung. Er wollte etwas Kreatives machen, wollte schreiben und fotografieren, kurz: Er wollte Journalist werden. Die Berater schlugen die Hände über dem Kopf zusammen. „Brotlos! Chancenlos!“, beschieden sie ihn und rieten: „Werden Sie Lehrer, das ist ganz toll, da können Sie den ganzen Nachmittag schreiben und haben dauernd Ferien.“

          Das hörte sich für Stein völlig vernünftig an. Nach zwei Jahren Bundeswehr kehrte er seiner Heimatstadt Hannover den Rücken und ging nach Berlin. Einen allzu bleibenden Eindruck kann das Studium dort jedoch nicht hinterlassen haben. „Deutsch, Erdkunde und noch irgendwas . . .“, sagt er zögernd, „ich weiß gar nicht mehr . . . Biologie?“ Woran er sich jedoch genau erinnert, das sind die 68er in Berlin, die Demonstrationen, die Wasserwerfer. Stein war mit seiner Kamera „mittenmang“, wie er sagt, er verfasste Texte für Zeitungen und hielt die Proteste im Bild fest. „Es war eine hinreißende Zeit“, findet er rückblickend. „Als freier Fotograf konnte man gut leben.“

          Zwischen Kleintierzüchtern und Vororttennis

          Obwohl mittenmang im Getümmel, ließ sich der Sohn eines Beamten und einer Hausfrau trotzdem nicht von Germanistik, Geographie und noch irgendwas abhalten. „Ich war ein braver Student und habe das Studium fast bis zu Ende gebracht.“ Erst kurz vor dem Examen realisierte Stein, dass er sich nicht vorstellen konnte, jemals eine Schule zu betreten „und auch nur einen Tag diese Dödel zu unterrichten“. Genauso konsequent, wie er studiert hatte, schmiss er hin. „Ich verdiente als freier Journalist und Fotograf schon während des Studiums mehr als ein Lehrer“, sagt er. „Das habe ich dann einfach weitergemacht.“

          Wie so ziemlich jeder angehende Journalist musste Uli Stein haufenweise Texte über Vorort-Tennisturniere, Jubiläen und Kleintierzüchtervereine verfassen. Doch schon früh gelang es ihm, auch Glossen, Satire und Nonsens unterzubringen. So wurde der Saarländische Rundfunk auf den jungen Schreiber aufmerksam. Man gab ihm einen Sendeplatz am späten Samstagabend, für den er Dialoge verfasste. Noch heute ist ihm anzumerken, wie viel Freude er an der Arbeit für den kleinen Sender hatte. Gut sechs Jahre blieb Stein dem SR erhalten, bevor er den Schreib- endgültig mit dem Zeichenstift tauschte.

          Humor in China ist schwierig

          „Die Entwicklung ging langsam, ich war mit dreißig Jahren auch relativ alt für die Zeichner-Karriere“, sagt er. Einen ersten Cartoon lieferte er einfach mal zusammen mit einem Artikel an die Zeitung. Das Bild wurde gedruckt. „20 Mark gab es dafür damals, und das war wahrscheinlich noch zu viel, so grauslig waren meine ersten Cartoons“, gesteht er lachend. Mit seinem Fleiß, mit Geduld und Hartnäckigkeit machte er weiter und stellte fest: Beim Zeichnen konnte er seine Ideen viel besser realisieren als beim Schreiben, Situationen schneller auf den Punkt bringen. Fehlte nur noch die Qualität. „Gut zehn Jahre hat es gedauert, bis ich einigermaßen zufrieden mit mir war.“ Sein erstes Buch mit dem Titel „Ach du dicker Hund“ erschien 1983 mit einer Auflage von 3000 Stück. Die zweite Auflage brachte es auf 300.000 Bücher.

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