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Shakira : Die Stimme von Barranquilla

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Die Stimme von Barranquilla: Shakira Bild:

Sie zählt zu den bekanntesten Pop-Sängerinnen der Welt. Ein Stück dieses Erfolgs will Shakira den Armen in ihrer Heimat Kolumbien durch ihre Stiftung „Nackte Füße“ zurückgeben.

          5 Min.

          Sie möchte alleine sein, sagt sie. Ein paar Minuten nur mit den Kindern sprechen und ihnen zuhören. Die Kameras müssen dann draußen bleiben, wenn Shakira Melbarak in Quibdo in ihr Klassenzimmer geht. Es sind nur Sekunden, aber für die Schüler ist dieser Augenblick eine kleine Ewigkeit, der sich für immer in das Gedächtnis einbrennen wird. Für Shakira sind es Momente der Glückseligkeit, die ihr die Tränen in die Augen treiben. Sie will nicht, dass diese intimen, emotionalen Ausbrüche festgehalten werden. Sie will kein Mitleid erzeugen. Sie will einfach nur helfen.

          Es ist gerade einmal zwei Tage her, da hat sie fern der Heimat ihren 32. Geburtstag gefeiert, 24 Stunden zuvor mit Kolumbiens Staatspräsident Alvaro Uribe die insgesamt fünfte Schule ihrer Stiftung „pies descalzos“ (nackte Füße) eröffnet. Jetzt steht sie an einem Donnerstag im Februar 2009 auf der Landebahn der Provinzhauptstadt Quibdo. „Das ist eine afro-kolumbianische Provinz“, erklärt sie ihrem Lebensgefährten Antonio La Rua. Er ist der Sohn eines ehemaligen argentinischen Staatspräsidenten und seit mehr als einem halben Jahrzehnt mit ihr verlobt. Bevor die derzeit berühmteste Frau Lateinamerikas mitten im kolumbianischen Regenwald aus dem kleinen Flieger steigt, hält sie noch einen kurzen Vortrag über die Region. Die Reisegruppe ist klein: Nur drei Journalisten und ein hauseigener Kameramann dürfen Shakiras engstes Umfeld an diesem Tag begleiten.

          „Ein Lebenstraum geht in Erfüllung“

          Hier im Departament Choco ist es brütend heiß und unglaublich feucht. Meteorologen haben ausgerechnet, dass dies einer der niederschlagsreichsten Orte auf dem Globus ist. Es ist so unerträglich, dass sich selbst die tropische Temperaturen gewöhnte Südamerikanerin immer wieder den Schweiß von der Stirn wischen muss. Choco ist eine der ärmsten Provinzen in Kolumbien, hier tobt der Krieg zwischen der linken Farc-Guerilla, der Armee und rechten Paramilitärs. Die Bevölkerung gerät immer wieder zwischen die Fronten. Für Shakira sind die bewaffneten Auseinandersetzungen kein Grund einen weiten Bogen um die Region zu machen, anders als so viele kolumbianische Politiker.

          Die Stimme von Barranquilla: Shakira Bilderstrecke

          „Für mich geht heute ein Lebenstraum in Erfüllung“, sagt Shakira einen Tag zuvor in ihrer Heimatstadt Barranquilla. Zusammen mit dem kolumbianischen Staatspräsidenten Uribe inspiziert sie das 15 000 Quadratmeter große Areal einer neuen Schule. Rund vier Millionen Euro soll die weitläufige, moderne Anlage im Armenviertel „La Playa“ der Küstenmetropole gekostet haben. Es gibt einen Fußballplatz mit Kunstrasen und ein Basketballfeld, ein Theater- und ein Computerraum.

          Jugend in der Großfamilie, Einsamkeit unbekannt

          Doch besonders stolz ist sie auf einen Komplex für die Eltern ihrer zukünftigen Schüler: Die Erwachsenen, die in ihrer Kindheit selbst nicht die Schulbank drücken konnten, haben nun die Gelegenheit dies nachzuholen. Ein Gast aus Deutschland staunt über die Bildungsoase inmitten von Wellblechhütten und Holzverschlägen. Wolfram Kons ist gekommen, um sich über die Verwendung der knapp 800 000 Euro zu informieren, die aus der RTL Stiftung in das Projekt flossen. „Was ich hier sehe, übertrifft all meine Erwartungen. Es ist unglaublich, wie viel Menschlichkeit und Wärme in dieser kleinen, zierlichen Person steckt“, sagt er.

          Kinder spielten im Leben Shakiras schon immer eine besondere Rolle. Vater Don William Mebarak, ein Juwelier, ist ein gebürtiger New Yorker libanesischer Herkunft. Mutter Nidia del Carmen Ripoll ist gebürtige Kolumbianerin. Sie geben ihrem Kind einen arabischen Namen: Shakira heißt übersetzt „die Dankbare“. Der Vater bringt aus einer geschiedenen ersten Ehe bereits acht Kinder mit in die neue Verbindung. Einsamkeit kennt Shakira nicht.

          „Viel Glück gehabt, hätte auch anders kommen können“

          Mit gerade einmal 13 Jahren nimmt sie all ihren Mut zusammen und spielt in einem Hotel in Barranquilla einem Sony-Manager eigene Songs vor. Ein knappes Jahr später erscheint ihr erstes Album „Magia“, es blieb allerdings ein Ladenhüter. Als auch das zweite Album ohne durchschlagenden Erfolg bleibt, entscheidet sich die Teenagerin mit der Musik kürzer zu treten und sich auf ihren Schulabschluss zu konzentrieren. „Ich habe viel Glück gehabt in meinem Leben“, sagt sie heute. „Aber es hätte auch anders kommen können.“ Deswegen impft sie den Kindern immer wieder ein, ihre Schulausbildung zu beenden. In einem Land, in dem Kinder schon früh zum Lebensunterhalt der Familie beitragen müssen, ist das keine Selbstverständlichkeit.

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