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Peter Ferres : Lehrauftrag statt Yachtverleih

Peter Ferres will in der Schule endlich Nutzen stiften Bild: Rainer Wohlfahrt

Zwanzig Jahre lang war er Investmentbanker. Dann hat Peter Ferres, der schon immer gerne unterrichtet hat, eine Schule gegründet. Auf Schulfesten kann man schonmal seine prominente Schwester treffen.

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          Montagnachmittag, 15.30 Uhr. In der Eingangshalle der Frankfurter Metropolitan School wimmelt es von Müttern, Vätern und Kindern. Es ist Abholzeit. Draußen regnet es in Strömen. Die Eltern achten darauf, dass ihre Kinder die Kapuzen über den Kopf gezogen haben. Aus ihren Gesprächen dringen vor allem deutsche und englische Wortfetzen ins Ohr, oft in einer gebrochenen Version. Kinder aus 31 Ländern besuchen die Privatschule im Stadtteil Rödelheim. Sie sprechen 27 Sprachen. Unterrichtet wird freilich fast ausschließlich in Englisch. In dieser internationalen Atmosphäre fühlt sich der Gründer und Leiter der Schule, Peter Ferres, pudelwohl. Zur Abholzeit ist er oft in Gespräche mit Eltern vertieft, die Fragen haben oder ihm von ihren Sorgen berichten. Dann ist Ferres immer wieder froh, dass er endlich im „echten Leben“ angekommen ist.

          Lisa Becker
          Redakteurin in der Wirtschaft

          Im ersten Teil seines beruflichen Lebens gehörte Ferres zu der Berufsgruppe, deren Ansehen derzeit tief im Keller ist: Er war Investmentbanker – und das mehr als zwanzig Jahre lang. Seine Wandlung zum Lehrer und Privatschulunternehmer, der nun in den wertvollen „Rohstoff“ Bildung investiert, könnte er mühelos für eine emotionsgeladene Vom-Saulus-zum-Paulus-Geschichte nutzen. Doch das widerspräche seiner Art. Ferres ist ein ruhig auftretender Mensch, der seine Worte abwägt und wohlüberlegt setzt. Begeisterung oder Ablehnung brechen nicht aus ihm heraus. Wenn er über etwas erzählt, was ihm viel wert ist, oder einen Scherz macht, dann schickt er seinen Sätzen nur ein kurzes freundliches Lächeln hinterher. Auch über sein früheres und sein neues Berufsleben berichtet er wohltuend sachlich und abgewogen.

          Jumbo-Deals machen Spaß, stiften aber wenig Nutzen

          Nein, seine Meinung über Investmentbanker habe sich durch die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht verändert, sagt er. Nach wie vor hält er sie nicht für Hyänen; Philanthropen seien sie aber auch nicht. „Investmentbanker sind zielstrebige, faktenorientierte Menschen; viele dynamische Leute sind darunter“, sagt Ferres. Unter höchstem Druck wickelten sie spannende und komplexe Projekte ab. Zum Beispiel war Ferres als Projektleiter der Credit Suisse dafür verantwortlich, die ägyptische Telekom an die Börse zu bringen. Das sei eine Riesengeschichte mit einem Volumen von einer Milliarde Dollar gewesen, erinnert er sich. Sechs Stäbe arbeiteten parallel an diesem „Jumbo-Deal“. Ferres koordinierte sie. „Das hat Spaß gemacht“, sagt er.

          Die berühmte Schwester kann man schon mal auf dem Schulfest treffen
          Die berühmte Schwester kann man schon mal auf dem Schulfest treffen : Bild: dpa

          Doch trotz dieses Thrills und der intellektuellen Herausforderungen gab es etwas an diesem Beruf, was Ferres nicht mochte. Und dieses Etwas wurde im Laufe der Jahre immer größer. Was ihn vor allem umtrieb, war, „komplexe internationale Projekte zu steuern und dabei oft weit weg von der täglichen Wirklichkeit“ zu arbeiten. Die Arbeit stifte schon einen Nutzen für Kunden, Anleger und Mitarbeiter – allerdings nur über sechs bis zehn Ecken. Und an diesen Nutzen denke man überhaupt nicht, sagt Ferres. „Das Feedback, das man bekommt, ist nicht der Nutzen, den man stiftet, sondern das Geld.“

          Noch drei Jahre noch und nochmal drei ...

          Die Ferne zum wirklichen Leben hat Ferres über die Jahre immer stärker beschäftigt. Er fühlte sich wie der Akteur in einem Theaterstück. Aber auf der Bühne, auf der große Börsengänge, Kapitalerhöhungen oder Unternehmensfusionen aufgeführt werden, gibt es nach seinen Erfahrungen keinen Raum für echte Gefühle und Persönlichkeiten. „Wenn es die Handlung erfordert, dann ist man eben eiskalt und knallhart“, sagt er. Und dann waren da diese Gespräche über die nächsten drei Jahre, die alle Investmentbanker regelmäßig führen. „Weil der Beruf sehr anstrengend ist und kein Privatleben erlaubt, sagen alle ständig, das mache ich noch maximal drei Jahre, und dann ist Schluss.“ Und dann folgten weitere drei Jahre und noch einmal drei Jahre. „So kann man das jahrzehntelang machen.“ Zu den typischen Träumen seiner Kollegen für das Leben nach dem Investmentbanking gehörte der Yachtverleih in der Karibik. Ein anderer Kollege wollte eine Würstchenbude aufmachen. „Aber eine Kette“, sagt Ferres. Sein Traum war ein anderer. „Schon sieben Jahre vor meinem Ausscheiden hatte ich gesagt: Ich eröffne eine Schule.“

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