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Lea Ackermann : Mit Mut und Wut

Machte Nägel mit Köpfen: Lea Ackermann tauschte den Bankschalter gegen die Afrika-Mission ein Bild: Rainer Wohlfahrt / F.A.Z.

Sie war Bankkauffrau, ist heute Ordensfrau, fromm und wütend über die sexuelle Ausbeutung von Frauen. Anstatt nur zu reden, handelte Schwester Lea. Und gründete ein internationales Hilfswerk.

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          Zwischenstopp in Bangkok. Der Anschlussflug nach Manila ist ausgefallen, die Fluggesellschaft zahlt Taxi und Hotel. Drei Männer, darunter ein Bischof, sitzen hinten im Taxi, Schwester Lea Ackermann sitzt vorn. Alle sind in Zivil unterwegs. „Nix Ehemänner?“, vergewissert sich der Fahrer in gebrochenem Englisch. Die Ordensschwester verneint und wird fortan ignoriert. Der Fahrer offeriert den Männern ein Geschäft: „Ich biete meine kleine Schwester. Sehr schön, sehr jung, die ganze Nacht, ganz billig!“ Das ist nur eines von unzähligen Erlebnissen, die Schwester Lea Ackermann auf die Palme bringen. „Ich war so geschockt!“ Noch heute bebt ihre Stimme vor Abscheu darüber, dass Menschen zur Ware degradiert werden. Die sexuelle Ausbeutung von Mädchen und Frauen sind der energisch-charmant auftretenden 73-Jährigen ein Dorn im Auge. Anstatt sich in ihrem Klosterkämmerlein darüber zu ärgern, ist die Katholikin vor 25 Jahren losgezogen und hat in Kenia das Frauenprojekt Solwodi gegründet: Solidarity with Women in Distress – Solidarität mit Frauen in Not.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Was in einer improvisierten ostafrikanischen Baracke begonnen hat, ist zu einem international etablierten Hilfswerk geworden: Auch in Deutschland versuchen 48 Mitarbeiterinnen in 14 Solwodi-Kontaktstellen mit Beratungs- und Bildungsangeboten und sieben Schutzwohnungen Ausländerinnen zu helfen, die im Versprechen auf Arbeit oder Heirat hierherkamen und Opfer von Zwangsprostitution und Menschenhandel wurden.

          „Ich sollte etwas Ordentliches machen

          Dass die temperamentvolle Saarländerin ihr Leben damit verbringen würde, zwischen den Kontinenten zu pendeln, heute in Brüssel vor dem Parlament zu sprechen und morgen in Berlin einen Vortrag zu halten und scheinbar aussichtslose Frauenschicksale in ein unabhängiges Leben in Freiheit zu wenden, das ist ihr nicht in die Wiege gelegt worden. Die Tochter eines bodenständigen Bauunternehmers wurde auf Wunsch der Eltern Bankkauffrau. „Ich sollte etwas Ordentliches machen.“ Sie lacht. „Das würde man heute auch nicht mehr sagen, wenn man die Bosse mancher Banken sieht . . .“ Ein Jahr schickt die Landesbank Saar sie nach Paris zum Aufbau der Banque Franco-Sarroise. Das versöhnt die junge Frau ein wenig damit, dass ihr Wunsch, Lehrerin zu werden, von den Eltern abgelehnt worden war. Auf jeden Fall ist ihr klar, dass sie nicht in ihrem Heimatort Klarenthal bleiben, heiraten und Kinder kriegen will.

          Und sie ist fromm, von klein auf. Nach und nach reift ihr Entschluss, ins Kloster zu gehen. Hatte sie ein Schlüsselerlebnis? Sie schüttelt den Kopf: „Ich halte da auch nichts von.“ Auf jeden Fall soll es ein Missionsorden sein, um ihre Abenteuerlust zu stillen. Sie bewirbt sich bei zwei Gemeinschaften. Der Orden „Unserer lieben Frau von Afrika“ lädt die 23-Jährige ins Mutterhaus nach Trier ein. „Ich habe Nägel mit Köpfen gemacht.“

          Es folgt ein Auftritt typisch Schwester Lea, die sich durch ihre unkonventionelle Art ihre Jugendlichkeit bewahrt hat. Der Betriebsausflug der Landesbank führt sie zufällig – „ich nenne das Fügung“ – nach Trier. Sie tanzt die Nacht mit ihren Kollegen durch. Steht am nächsten Morgen im schwarzen Seidenkleid („ein schickes Pariser Modellkleid mit großen grünen Rosen, das habe ich heute noch“) und hohen Pumps vor der Klosterpforte. „Die haben schon gedacht, was für ein komischer Vogel.“ Sie wird angenommen, fährt zu ihren Eltern und stellt sie vor vollendete Tatsachen: „,Ich gehe ins Kloster und habe schon gekündigt!’ Mein Vater hat getobt, meine Mutter hat geweint.“ Irgendwann beruhigt sich die Lage, und die Eltern bringen sie nach Trier. Die Provinzoberin bietet einen Beruhigungsschnaps an, das stimmt den Vater milder – die schienen ja doch nicht so abgehoben. Was in der Rückschau nach munterer Anekdote klingt, ist alles andere als ein einfacher Weg. Zwei Jahre ist die junge Frau im Trierer Mutterhaus, erst im Postulat, dann Noviziat und prüft sich gründlich, erst nach acht Jahren werden in diesem Orden die ewigen Gelübde abgelegt.

          „Den Satz, man müsste eigentlich . . ., kann ich nicht hören“

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