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Konstantin Guericke : Netzwerker in Wanderschuhen

  • -Aktualisiert am

Konstantin Guericke zog es früh nach „Ju Ess Äi” Bild: Archiv

Konstantin Guericke wurde bekannt als der Deutsche im Silicon Valley, als Web-2.0-Pionier und Mitbegründer von Linkedin. Bis er auf ein anderes Pferd setzte.

          5 Min.

          Dieser Mann hatte einmal alles richtig gemacht. Geradlinig und erfolgreich – so war sein Werdegang bis zum Jahr 2007: Stipendium in Stanford, Karriere im Silicon Valley, dann irgendwann die richtige Geschäftsidee im Web 2.0. Konstantin Guericke ist einer der wenigen deutschen Manager, die sich in der amerikanischen Internetwelt so richtig einen Namen gemacht hatten. Denn gemeinsam mit Reid Hoffman hat er das Businessnetzwerk Linkedin erfunden.

          Linkedin – das ist das Myspace für Erwachsene, das „seriöse“ soziale Netzwerk, das Web-2.0-Instrument für die Erfolgreichen und Karriereorientierten. Auf Linkedin tummeln sich mittlerweile mehr als 46 Millionen Mitglieder, die ihre Lebensläufe zur Schau stellen und mit Kollegen, Geschäftspartnern oder Konkurrenten Kontakt halten. Linkedin ist das große amerikanische Pendant zum hierzulande bekannteren Konkurrenten Xing, der immerhin auf 8 Millionen Mitglieder kommt.

          „Sou früh“ nach Amerika gegangen

          Wie kam Konstantin Guericke, Sohn eines Lehrerehepaars aus der norddeutschen Provinz, dazu, sich das Konzept für eines der erfolgreichsten Unternehmen im sozialen Internet auszudenken? Wie verschlug es ihn nach Silicon Valley, ausgerechnet ihn, der als kleiner Junge gern Ackerbauer werden und mit dem Trecker die Felder bestellen wollte? Wie wurde ausgerechnet er zum Internet-Crack, obwohl er als Schüler für den Schreibtisch nur wenig übrighatte und am liebsten die ganze Zeit nur Tennis gespielt hätte?

          Er war Mitgründer des Netzwerkes Linkedin

          „Es war wahrscheinlich, weil ich schon so früh nach Amerika gegangen bin“, sagt er heute und betont dabei sein leicht amerikanisch eingefärbtes Deutsch. „Sou früh“, sagt er zum Beispiel und „Ju Ess Äi“. Es ist nur eine Nuance von Akzent, gerade groß genug, um sie zu bemerken, und gerade klein genug, um noch zu glauben, dass er seine Kindheit und Jugend bis zum Abitur in Deutschland verbracht hat.

          Mehr Elche als Menschen

          Zumindest zum größten Teil. Mit 15 ging er für ein Jahr über ein Austauschprogramm nach St. Marys in Pennsylvania und besuchte dort als Gastschüler die High School. Eigentlich, weil es ihn aus seinem verschlafenen Heimatort hinausdrängte, weil er etwas Neues sehen wollte. Allerdings: „St. Marys – das war ein noch verschlafenerer Ort“, erzählt Guericke. „Es gibt dort mehr Elche als Menschen. Der Höhepunkt des Jahres für meine Mitschüler war die Jagdsaison. Dafür gab es sogar schulfrei.“ Für Hochsitz und Schrotflinte hatte Guericke jedoch nur wenig übrig. Eine vernünftige Tennismannschaft gab es in St. Marys auch nicht. „Weil ich mit den Leuten in der High School nicht viel anfangen konnte, begann ich, mich für die amerikanischen Colleges zu interessieren“, erzählt Guericke. Er las über Harvard, Stanford und Princeton, reiste zu Unis in seiner Umgebung und streifte dort auf dem Campus umher. „Ich mochte die Atmosphäre, das zusammen Leben, Lernen und Arbeiten.“

          Nach dem Abitur bewarb Guericke sich für ein Stipendium in Stanford, um dort Wirtschaftsinformatik zu studieren. „Die Zusage kam per Telegramm“, erinnert er sich. „Das war der Tag, an dem mir meine Mutter auf den Kopf zusagte, dass der Abschied aus Deutschland dann wohl für immer sein würde. Geglaubt habe ich ihr das damals nicht.“ Heute sagt er, dass es gerade die frühe Zeit auf dem College war, die ihn in Amerika heimisch werden ließ. „Die Stimmung in Stanford ist einfach ganz anders als an deutschen Unis“, sagt er. Abgefärbt hat vor allem das, was Guericke „Gründergeist“ nennt. „Da kamen verschiedenste Jungunternehmer in die Vorlesungen und zeigten uns ihre ersten Businesspläne“, schwärmt er. „Hinterher hatte ich selbst einen ganzen Ordner voll eigener Ideen für Firmengründungen im Schrank.“

          Buch geführt über die Lunch-Partner

          Verwirklicht hat er diese Gründer-Pläne erst mal nicht. Nach der Uni heuerte Guericke in verschiedenen Startup-Unternehmen rund um die Computerbranche an, verdiente sich seine Green Card und war informell als Berater für diverse IT-Firmen tätig. Mit Eifer arbeitete er jedoch vor allem an seiner besonderen Spezialität: an seinem Netzwerk. An diesem Grundstock an bekannten und im Silicon Valley mehr oder weniger wichtigen Leuten, von denen Guericke glaubte, sie könnten ihm einmal nützlich werden. In seinen eigenen Worten: „Ich habe mir soziales Kapital aufgebaut.“ Sein System dafür war denkbar einfach: Er ging zu Mittag essen. Und er führte Buch darüber, mit wem er zu Mittag essen ging. „Ich hatte übers Jahr gerechnet rund 100 Leute, mit denen ich mich regelmäßig zum Lunch traf“, erzählt er. Wenn er in seinen Listen bemerkte, dass er jemanden lang nicht mehr getroffen hatte, rief er ihn an, um den Kontakt warmzuhalten.

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