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Erich Sixt : Der Schrecken der Mietwagenbranche

Kein Typ zum Kuscheln: Erich Sixt Bild: Andreas Müller

Er fällt gerne mit provokanter Werbung auf, er liebt harte Diskussionen. Aber neben dem krawalligen gibt es auch noch einen in sich gekehrten Erich Sixt.

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          Erich Sixt lässt sich gerne inspirieren. Zum Beispiel, wenn er mit Sohn Alexander in Salzburg in die Oper geht, so wie vor ein paar Monaten. Nach der Aufführung machte der 29 Jahre alte Junior seinen Vater bei einem Glas Wein darauf aufmerksam, dass der SPD-Politikerin Ulla Schmidt im spanischen Alicante der Dienstwagen abhanden gekommen war. Der Vorstandsvorsitzende und Großaktionär des größten deutschen Autovermieters erfuhr da das erste Mal vom Sommertheater der ehemaligen Gesundheitsministerin.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Das war Sonntagabend. Die „tolle Idee“ war Montagmittag im Internet als Werbung, nicht zuletzt dank seines zweiten Sohns Konstantin, der das E-Commerce-Geschäft des Unternehmens leitet: „Sixt hat auch Mietwagen in Alicante“, lautete der Slogan mit Anspielung. „Das war echte Teamarbeit, wir hatten alle einen Riesenspaß.“ Jung von Matt, seit jeher die Werbeagentur von Sixt in Sachen unkonventioneller Werbung, legte am Mittwoch mit der Printkampagne mit dem großen Konterfei von Ulla Schmidt nach: „Versprochen: Nächstes Mal miete ich bei Sixt.“ Oft kommen die Initialzündungen für solche provokanten Kampagnen von Sixt selbst, die dann Jean-Remy von Matt, seit 26 Jahren sein enger Partner, umsetzt.

          Nachtreten gegen Ulla Schmidt

          Es ist nicht das erste Mal, dass Sixt mit seiner Werbung auffällt. Wer die Kampagne mit Angela Merkel losgetreten hat, weiß er heute nicht mehr – oder will es zumindest nicht sagen. Im Jahr 2001 sorgten die zu Berge stehenden Haare der heutigen Bundeskanzlerin als Cabrio-Werbegag für Furore. Spätestens von da an war Sixt auch das Enfant terrible der Werbung. Gerne lässt er sich kritisch und auch mal abfällig über Politiker und Manager aus, die ihm nicht passen oder seinem Bild eines glaub- und vertrauenswürdigen Kaufmanns zuwider gehen. Er tritt auch schon mal nach, etwa Wochen später im Fall Ulla Schmidt. Sie habe bei Sixt nachfragen lassen, teilte er mit. Eine Mercedes S-Klasse habe es aber nicht gegeben – und einen Dreier-BMW schlug die Sozialdemokratin aus.

          Die Mietwagenbranche hat er gehörig aufgemischt

          „Ich nehme die Dinge nicht so ernst“, sagt Sixt. Aus Kontroversen und Provokationen entstehe Kreatives. Das gilt genauso für das Management und die Mitarbeiter. Vereinfachen, überspitzen und mit Gegenargumenten herausfordern, das sei ihm wichtig. „Harte Diskussionen, in denen konträre Positionen vertreten werden, sind schon deshalb unverzichtbar, weil sie die Leute aus dem Tiefschlaf holen.“ So lange seien Vorstandssitzungen und Meetings keine Kuschelveranstaltungen. „Man muss mir Kontra geben“, sagt Sixt. Er habe bewusst keine Ja-Sager im Aufsichtsrat gewollt. „Wenn ich Großaktionär und Vorstandschef bin, brauche ich ab und zu jemanden, der sich gegen mich stellt.“

          Avon-Beraterinnen hätten fast das Ende bedeutet

          Sixt muss das betonen, weil er in der Außenerscheinung durchaus als Patriarch gesehen wird. Diesem Klischee widerspricht er energisch. „Selbst wenn ich die Gegenargumente verwerfe, habe ich einen Respekt vor denen, die sie vertreten haben, denn sie haben den Mund aufgemacht.“ Ist die Grundsatzentscheidung nach kontroversen Diskussionen gefallen, verlangt der Besessene nach umgehender Umsetzung, ohne Zaudern und Zögern.

          Nicht immer ist alles glattgegangen. Es habe manch brenzlige Situation gegeben. Um ein Haar würde er heute nicht in seinem Designbüro mit dem Blick ins idyllische Grün sitzen. Kritisch wurde es, als er 1973 den ersten großen Leasingauftrag hereinholte und Autovermietung noch das große Geschäft war. Vom Kosmetikunternehmen Avon hatte er einen Auftrag für 500 Fahrzeuge erhalten. Günstig kam er an Modelle der damals noch existierenden französischen Marke Simca heran. „Auf dem Papier war das ein Supergeschäft.“ Dumm nur, dass die Kundenberaterinnen nicht mit dem Auto zurechtkamen. Der Simca hatte Vorderradantrieb und eine gewöhnungsbedürftige Schaltung. Reihenweise seien die Wagen im Graben gelandet. „Ein Drittel der Autos ist zu Schrott gefahren worden.“ Sixt gelang es, auf Renault umzustellen. „Das hat mich gerettet.“

          Seit den achtziger Jahren mischt er die Branche auf

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