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Dirk Markus : Sanierer auf dem Traumschiff

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Will nicht Gordon Gekko sein: Dirk Markus wehrt sich gegen den schlechten Ruf von Beteiligungsmanagern. Bild: Müller, Andreas

Dirk Markus kauft marode Unternehmen und verordnet ihnen einen neuen Kurs. Beliebt macht er sich damit nicht. Das war aber auch nie sein Ziel.

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          Viel Phantasie braucht es nicht, um sich Dirk Markus in einer tragenden Rolle auf dem ZDF-Traumschiff vorzustellen. Blitzende blaue Augen, sportliche Figur, ein gewinnbringendes Lächeln - als Kapitän würde der 41 Jahre alte Bayer vielleicht noch eine Spur zu jung wirken, aber als Erster Offizier oder auch als Herzensbrecher unter den Seereisenden wäre er wohl eine gute Besetzung. Auf dem Traumschiff fährt Markus dieser Tage auch gerne mal mit - aber nicht, weil es ihn ins Fernsehen zieht, sondern weil ihm der Fünf-Sterne-Dampfer seit anderthalb Jahren gehört.

          Insgesamt 16 Unternehmen besitzt die Beteiligungsgesellschaft Aurelius, die Markus vor sieben Jahren gegründet hat, darunter Namen wie Blaupunkt, Berentzen und Hanseyachts. Aber mit keiner Übernahme hat er so viel Aufsehen erregt wie mit dem Kauf der Reederei Deilmann, die zu diesem Zeitpunkt im Grunde nur noch aus dem Traumschiff bestand.

          Jeder Fernsehzuschauer kennt das Luxusschiff. Die Übernahme war allerdings ein Zeichen dafür, dass es ins Schlingern geraten war. Denn Markus kauft Unternehmen „in Sondersituationen“, also Betriebe, in denen es schon seit längerem nicht mehr so läuft wie erwünscht. Manche schreiben jahrelang Verluste.

          Heuschrecke oder ganz gewöhnlicher Unternehmer?

          Öffentlich bekannt wird das jedoch häufig erst, wenn die Sanierer antreten - und in der Regel nicht mit offenen Armen empfangen werden. Menschen wie Markus eilt der Ruf voraus, Unternehmen auch mal mit brachialer Gewalt auf einen neuen, renditebringenden Kurs zu steuern. Der gebürtige Regensburger bezeichnet sich selbst als ganz gewöhnlichen Unternehmer. Nur dass er einen Job macht, den viele andere scheuen. „Wenn man den Status quo verändert, erzeugt man auch Verlierer. Und die sind in der Regel lautstärker als die Gewinner“, sagt er.

          Als er in das Geschäft mit dem temporären Besitz von Unternehmen einstieg, wusste Markus natürlich, dass Michael Douglas in der legendären Rolle des Gordon Gekko (“Wall Street“) den Ruf von Beteiligungsmanagern dauerhaft geprägt hatte: kaltherzig und nur auf den eigenen Profit bedacht. Der zweifache Vater sieht sich aber eher in der Rolle eines Arztes, der seine zum Teil schwerkranken Patienten wieder kurieren will - auch wenn es nicht immer gelingt.

          Vier Insolvenzen stehen bei Aurelius zu Buche. „Unsere Erfolge beachtet dagegen kaum jemand“, sagt Markus. Das Elektrounternehmen Schabmüller zum Beispiel habe Aurelius wieder sehr profitabel gemacht. Aber Elektromotoren für Gabelstapler sind eben nicht so interessant.

          Das Bild in den Medien: ein harter Hund

          Ganz anders ist das mit dem Traumschiff. Mit dem Fernsehdampfer landete der promovierte Betriebswirt plötzlich nicht mehr nur in der Wirtschafts-, sondern auch in der Klatschpresse. Nicht jeden Bericht über das Traumschiff findet Markus erfreulich. Jeder Koch und jede Band, die einmal auf dem Schiff gearbeitet haben, versuchten anschließend, Kapital daraus zu schlagen, beklagt er. Und manchmal sei das, was da stehe, einfach hanebüchen. Weshalb Markus sich dagegen wehrt. Womit sich sein Image, ein harter Hund zu sein, weiter festigt.

          So verhält es sich auch mit dem Buch, das die beiden Töchter des verstorbenen Reeders Peter Deilmann, Gisa und Hedda Deilmann, unlängst veröffentlicht haben. Der Aurelius-Chef kommt darin schlecht weg. Die Schwestern bezichtigen ihn, Versprechen gebrochen und sie nach der Übernahme im Stile eines kaltherzigen Finanzhais aus dem Unternehmen geworfen zu haben.

          In solchen Momenten lächelt Dirk Markus zwar immer noch, aber sein Ton wird merklich entschiedener. Die Schilderungen im Buch seien grundsätzlich falsch, zudem hätten die Schwestern ihre vertraglichen Aufgaben nicht erfüllt, sagt er. Und es gebe noch mehr Ungereimtheiten.

          Keiner der bei Null anfangen will

          Warum wählt jemand einen Beruf, in dem er sich nur wenige Freunde, aber umso mehr Feinde macht? Der Zufall habe ihn auf seinen Weg gebracht, erzählt Markus. Seine Eltern sind Geisteswissenschaftler, sein Vater war Anglistikprofessor an der Universität Innsbruck. Zahnarzt zu werden habe nach dem Abitur auch zur Diskussion gestanden. Doch am Ende entschied sich Markus für die Manager-Kaderschmiede der Hochschule in St. Gallen. „Das war die vielleicht wichtigste Entscheidung in meinem Leben“, sagt er.

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