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Dieter Scheiff : Ein Manager von Karrieren

  • -Aktualisiert am

Menschen sind sein Kapital: Dieter Scheiff Bild: REUTERS

In jungen Jahren hing Dieter Scheiff der Studentenbewegung an. Über die Süßwarenindustrie landete er im Management. Heute führt er den größten Zeitarbeitskonzern der Welt und kämpft für das Image der Branche.

          5 Min.

          Ein nüchternes Büro in einem gesichtslosen Industrievorort von Zürich: Der Arbeitsplatz von Dieter Scheiff ist nicht gerade ein unvergesslicher Ort. Umso mehr sticht daher ein von Laienhand gemaltes Plakat ins Auge. Scheiff hat es anlässlich seines Wechsels im August 2006 von der Tochtergesellschaft DIS AG an die Spitze von Adecco, dem größten Zeitarbeitsunternehmen der Welt, erhalten. Eine Burg ist darauf zu sehen mit Scheiff als Ritter, die Wörter Vertrauen, Fairness, Wertschätzung – und die Frage: Haben Sie mal ein Beispiel für mich? Der Chef fühlt sich mit diesem Satz besonders gut getroffen, denn „ich habe es gerne konkret“, wie er in seiner freundlich-kontrollierten Art über den Schreibtisch hinweg sagt. Ausufernde Powerpoint-Präsentationen und langatmige Statements öden ihn an, er kommt schnell auf den Punkt und möchte, dass es seine Gesprächspartner ebenfalls tun.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Die Zeitarbeit, das Metier, in dem sich Dieter Scheiff seit 2001 bewegt, ist bis heute eine umstrittene Form der Beschäftigung. Die „Leiharbeit“, wie sie vor allem in Gewerkschaften genannt wird, bewege sich in der öffentlichen Wahrnehmung noch „irgendwo zwischen gewerblicher Prostitution und Bestattungsgewerbe“, hieß es damals im Markenmagazin „Brand“. Sie fordert Flexibilität und gewährt sie zugleich. Der Vorstandsvorsitzende identifiziert sich mit dem zweiten Teil des Satzes. Und dies nicht nur wegen seiner Position, sondern offenbar aus Überzeugung. 18 Jahre war der gebürtige Koblenzer am Beginn seiner Karriere im Außendienst des amerikanischen Mischkonzerns 3M tätig. „Ja, ein schrecklicher Gedanke“, meinte er hierzu Anfang des Jahres scherzhaft in einem Interview. Allerdings habe er dort alle drei Jahre die Möglichkeit gehabt, etwas Neues zu machen, fügt er erläuternd hinzu.

          Er nennt sich einen „Achtundsechziger“

          Bei Scheiff verbindet sich die Lust auf Neues mit zwei anderen Eigenschaften. Die eine heißt Zähigkeit. Ehe er Betriebswirtschaft studierte, musste er neben der Ausbildung das Abitur nachholen. Für den Schokoladenliebhaber barg die Lehre allerdings auch einen speziellen Reiz, absolvierte er sie doch in der Aachener Filiale des Schweizer Schokoladenherstellers Lindt & Sprüngli. Die nächste Station nach 3M war ein weiterer amerikanischer Konzern, nämlich der Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson.

          2001 dann ging Scheiff zum Zeitarbeitsunternehmen DIS. Konnte dieses vermeintliche Sinnbild kapitalistischer Ausbeutung zum Betätigungsfeld für jemanden werden, der in seiner Jugend mit der Studentenrevolte, mit Kommunismus und Maoismus flirtete? Meint er mit Flexibilität womöglich blanken Opportunismus? Der Mann des Jahrgangs 1952 rückt die Dinge gerade, nennt sich einen „Achtundsechziger“, der kritisch, aber nicht übermäßig in der Studentenbewegung engagiert war und der im Übrigen das Recht auf lebenslanges Lernen beansprucht.

          Lust an der begrenzten Provokation

          So fühlt er sich denn heute bei Adecco als oberster Manager von Karrieren, nicht als Speerspitze der Ausbeutung. Die Lust an der begrenzten Provokation ist gleichwohl geblieben, etwa wenn Scheiff sagt, dass Besitz vor allem abhängig mache. Dennoch: Eine faire Entlohnung müsse sein, fügt er hinzu.

          Bei Adecco fühlt sich der Manager auch deshalb besonders gut aufgehoben, „weil es ausschließlich um Menschen geht“. Spezialistentum habe ihn nie besonders interessiert, sondern allgemein das Management und das Führen von Mitarbeitern. An DIS, die sich in dem besonders zukunftsträchtigen Gebiet der Vermittlung von Fachkräften bewegt, hat Scheiff nach eigenen Worten in den Gesprächen mit Unternehmensgründer Dietrich Paulmann schnell das dort vorhandene Entwicklungspotential erkannt. Außerdem hätten ihn börsennotierte Unternehmen stets gereizt.

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