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Daniel Düsentrieb : Der Alles-Erfinder

Daniel Düsentrieb und Helferlein ist nichts zu schwer Bild: Disney

Er ist der Meistertüftler von Entenhausen, und zu seinen Kunden zählt er den reichsten Mann der Welt. Doch nicht kommerzielle Erfindungen reizen Daniel Düsentrieb, sondern ungewöhnliche Ideen wie die Dunkelbirne.

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          Erst wenn man Daniel Düsentrieb etwas genauer beobachtet, erkennt man, dass er eine Perücke trägt. Ist der größte Erfinder aller Zeiten eitel? Der Blick wandert an dem ungeduldig wirkenden Herrn im Sessel herab: Er trägt eine groteske Kappe mit Gummizug bis unters Kinn, einen Zwicker auf der Nase, ein weißes Hemd unter einer Weste, mit Manschettenknöpfen, aber ohne Krawatte, eine braune, etwas zu kurze Hose und graubraune Schuhe. Nein, auf seine Erscheinung nehme er wenig Rücksicht: „Was gehen mich die Nachbarn an“, sagt er.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Warum dann das Kunsthaar? Nun, in Debatten mit Skeptikern oder Verächtern des technischen Fortschritts kann Düsentrieb nur selten an sich halten: „Was ist denn das für ein Standpunkt? Dann kreist mir der Hut!“ Da könnten ein paar Haare darunter ja nicht schaden. Doch böse Zungen in Entenhausen munkeln, dass der Grund für die Perücke darin liege, dass der Ingenieur sich seine Denkanstöße selbst verpasst: mit einem Hammer. Die Haare würden somit nur die Beulen und Schrammen verdecken.

          Geniale Ideen, miserable Vermarktung

          Reich ist Düsentrieb mit diesem gegen sich selbst rücksichtslosen Einsatz nicht geworden. Von Zeit zu Zeit steht zwar eine größere Einnahme an, zum Beispiel, wenn er seinen neu entwickelten Einradroller für fünf Millionen Taler an die Duckschen Automobilwerke verkauft. Oder ein guter Rat dem Bankier Dagobert Duck zwar überteuert scheint, ihm aber dennoch zehntausend Taler wert ist. Doch das ist die Ausnahme. Oft nimmt Düsentrieb jahrelang nichts ein. Dann bietet er die Ergebnisse seiner bahnbrechenden Ideen auf einem Handkarren in den Straßen Entenhausens mit dem Ruf „Schöne dicke große Erfindungen“ feil. Leider ist der Mann kein Finanzgenie. Das revolutionäre Konzept des Luftrollers etwa, eine fliegende Version des so teuer verkauften Einradfahrzeugs, wollte Düsentrieb selbst verwerten. Doch nicht einmal für vier Taler wurde er mehr als ein einziges Exemplar des soliden und eleganten Fliegers los.

          Bild: Disney

          „Patent-Erfinder“ steht als Berufsbezeichnung auf seinem Firmenschild. Das ist doppelsinnig gemeint: Im Büro des Entenhausener Patentmaklers mit dem sprechenden Namen Dr. Grillenkrämer ist Düsentrieb Stammkunde. „Seine Ideen“, so Grillenkrämer, „sind immer so praktisch und leicht zu verwerten.“ Die Patentierung dieser Einfälle ist dadurch meist gesichert. Doch es gibt auch Ausnahmen. Sowohl dem Schwarzlicht, das in taghellen Räumen nächtliche Dunkelheit verbreitet, einem Regenbogenspanner zur spektakulären Inszenierung von Naturschönheit als auch einer frühen Fingerübung des Ingenieurs, die mittels eines aufwendigen Zahnradsystems einen kleinen Ball auf einem Wasserstrahl dauerhaft in der Luft balancierte, wurden die Patentierungen verweigert.

          Es dürfte allerdings längst so weit sein, dass Düsentrieb sich als Erfinder selbst hat patentieren lassen. Das ist auch nötig, denn er hat zahlreiche Hilfsmittel zur Stärkung der Geisteskraft entwickelt, unter anderem eine Denkkappe, die er seinem gemeinhin wenig räsonierenden Freund Donald Duck überließ,

          worauf dieser sofort eine eigene Werkstatt eröffnete und Düsentrieb Konkurrenz machte - allerdings unter der schlichteren Titulatur „Erfinder“. Wettbewerber haben es also schwer gegen den einzigen Patent-Erfinder Entenhausens. Zumal Düsentrieb eine monopolartige Stellung innehat. Selbst die negativen Folgen eigener Erfindungen sollen von ihm durch weitere Erfindungen korrigiert werden, und zwar nicht in konsequenter Anwendung des Verursacherprinzips, sondern weil niemandem sonst die notwendige Problemlösungskompetenz zugetraut wird.

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