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Claus Hipp : Der Bio-Pionier

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Er bürgt für Qualität mit seinem Namen: Claus Hipp Bild: ddp

Er spricht fließend Russisch, hat Lilo Pulver gedoubelt und tauscht den Firmenwagen gerne mal gegen das Fahrrad ein: In erster Linie will Claus Hipp aber für gesunde Säuglingsnahrung stehen; und notfalls auch dafür kämpfen.

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          Andere Firmenchefs beginnen ihren Tag mit Sport. Claus Hipp nicht. Er schließt in aller Herrgottsfrühe die Wallfahrtskirche Herrenrast bei Pfaffenhofen auf und betet. Andere Firmenchefs verschanzen sich bis tief in die Nacht hinter ihren Akten. Claus Hipp nicht. Er beschließt seinen Arbeitstag vor der Staffelei in seinem Atelier. Er sagt: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Wir brauchen einen Ausgleich zur Pflicht. Wer nicht genießen kann, hat nichts verstanden."

          Andere Firmenchefs lassen sich zu Veranstaltungen vorfahren. Claus Hipp ist als Präsident der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern zu seinen Terminen innerhalb von München geradelt. "Wenn alle mit Chauffeur kommen, fahre ich mit dem Fahrrad, irgendwie finde ich das gut." Das sagt der Mann, der als geschäftsführender Gesellschafter seit knapp vierzig Jahren die Geschicke der Firma Hipp im oberbayerischen Pfaffenhofen lenkt und damit eine deutsche Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Denn Hipp ist hip - bei Mutter und Kind, und das schon seit Generationen.

          „Der spinnt, der Hipp“

          Ist Claus Hipp ein Rebell? Der 68-Jährige widerspricht. "So würde ich es nicht sagen. Aber es ist doch ein Zeichen von Unabhängigkeit, sich nicht immer an alle Normen anpassen zu wollen." Hipp tut, was er für richtig hält - und steht dazu. "Dafür stehe ich mit meinem Namen" - für ihn ist dieser Spruch mehr als ein bloßer Slogan, mit dem er im Fernsehen für seine Produkte warb. Wozu er steht? Zum Beispiel zu seinen Bioprodukten. "Der spinnt, der Hipp" - das war die Reaktion von Bauern und Politikern, als er sich vor fünfzig Jahren für den biologischen Landbau stark machte. Damals fuhr er als "Öko-Missionar" von Landwirt zu Landwirt, um Vertragspartner zu gewinnen.

          Bayerns Landesvater Edmund Stoiber besichtigt die Produktion
          Bayerns Landesvater Edmund Stoiber besichtigt die Produktion : Bild: picture-alliance / dpa

          Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Hipp wird für seine Verdienste um die Umwelt mit Auszeichnungen überschüttet. 1997 wurde er "Ökomanager des Jahres", im selben Jahr bekam er den Umweltpreis des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Der Inhalt seiner Hipp-Gläser wurde mit dem Umweltpreis des Bundesdeutschen Arbeitskreises für umweltbewusstes Management ausgezeichnet. Bio ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Darüber freut sich der Pionier. Für ihn ist Bio allerdings mehr als nur ein Trend. Für ihn sind Umwelt- und Naturschutz christliche Verpflichtung.

          "Biologischer Landbau ist in erster Linie Verantwortung vor der Schöpfung", sagt der überzeugte Katholik. Deshalb schwört er auf eine Landwirtschaft, die im Einklang mit der Natur steht. Den Anstoß habe seine Mutter gegeben, die ihm schon als Kind den Umgang mit der Natur ans Herz legte. "Ich durfte nie eine Pflanze ohne Bedacht ausreißen. In den Augen meiner Mutter waren das alles Geschöpfe, die ihren Sinn hatten."

          Firmenwagen mit Pflanzenöl

          All diese Grundsätze hat Claus Hipp in ein firmeneigenes Bio-Manifest in zehn Thesen gegossen. Eine davon lautet: "Bei allen Entscheidungen müssen wir auch an die nächste Generation denken." Deshalb streitet er leidenschaftlich gegen Gentechnik. "Wir dürfen der Natur nur das entnehmen, was uns zusteht. Wir dürfen sie aber nicht in einer Weise verändern, die die nächste Generation nicht mehr rückgängig machen kann." Der Umweltschutz zieht sich wie ein roter Faden durch Hipps Leben. An seinem Firmensitz in Pfaffenhofen dominiert Holz, Energie erzeugt das eigene Biomasse-Heizkraftwerk, und das Dienstauto wird mit Pflanzenöl betrieben.

          Aber nicht nur die Natur liegt Hipp am Herzen. Auch die Fürsorge für Benachteiligte treibt ihn als Christen um. Deshalb beteiligte er sich 1994 an der Gründung der Münchner Tafel. Als deren Schirmherr versorgt er zusammen mit anderen Sponsoren rund 21 000 Bedürftige mit Essen. "Einmal pro Woche werden rund 80 Tonnen Lebensmittel ausgeteilt", erzählt er. Überhaupt: Christliche Werte sind ein Fundament seines Lebens. Dazu steht er. "Ich stamme aus einer religiösen Familie" - die für ihren Glauben einiges riskierte. Seine Tante schmuggelte während des Dritten Reiches die Enzyklika "Mit brennender Sorge" im Auftrag von Kardinal Faulhaber von Rom nach München; oder der Onkel, der als Oberbürgermeister von Regensburg dafür sorgte, dass bei Nazi-Versammlungen der Strom ausfiel.

          Firmenlogo war Herzenssache

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