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Claudia Kemfert : Die Frau fürs richtige Klima

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Nische besetzt: Umweltökonomin Claudia Kemfert Bild: Andreas Pein

Forscherin wollte sie schon immer werden. Dass aber die Ökonomik ihre Leidenschaft werden würde, war zu Beginn unklar. Heute ist ihr Klimawissen international gefragt.

          5 Min.

          Claudia Kemfert friert schnell. Sie mag kein Fleisch, fährt nicht gerne Auto und liebt die Nordseeinseln. Für sich genommen sind das keine sonderlich spannenden Eigenschaften. Doch Claudia Kemfert ist Klimaökonomin, eine ziemlich bekannte sogar. Und weil der persönliche Lebenswandel über die Klimabilanz jedes Einzelnen entscheidet, ist es mehr als eine Randnotiz, ob Claudia Kemfert argentinische Rindersteaks isst oder Biomöhren aus Brandenburg, ob sie in einer einfachverglasten Altbauwohnung lebt oder in einem gedämmten Neubau – selbst wenn sie Letzteres vor allem deshalb tut, weil sie sonst ständig am Frösteln wäre.

          Weil sie so verfroren ist, freut sich Claudia Kemfert regelmäßig darüber, dass ihr Büro im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nach Süden geht. Sie sitzt gutgelaunt, hellwach und sorgfältig geschminkt an ihrem Schreibtisch und vermittelt den Eindruck, dass die Sonnenseite auch zu ihrem Gemüt bestens passt. Seit 2004 leitet die Einundvierzigjährige die Abteilung für Energie, Verkehr und Umwelt am Berliner DIW. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer rasanten Wissenschaftskarriere.

          „Damit kriegst du nie einen Job“

          „Ich hatte immer diesen Wissensdrang. Ich wollte immer viel lernen und lesen und wissen“, sagt sie. „Ich wusste, dass ich Forscherin werden würde.“ Während des Abiturs liebäugelte sie noch mit Biologie oder Medizin. Dann aber kam sie durch Zufall zur Volkswirtschaftslehre. „Die VWL-Vorlesungen waren ein Schlüsselerlebnis. Prozesse und Strukturen haben mich fasziniert – dass man sie quantifizieren und berechnen kann.“ Zum Hauptstudium wechselte sie nach Oldenburg und begann sich für Umwelt- und Energieökonomik zu interessieren. Nach dem Diplom ging sie mit einem Stipendium an die amerikanische Eliteuniversität Stanford, um dort über Energie- und Ölmärkte zu promovieren. Ihr dortiger Professor wurde zur Schlüsselfigur. Er bestärkte sie in ihrem Interesse für umweltökonomische Themen. In Deutschland hatte sie immer nur gehört, dass sie davon die Finger lassen solle. „Viele haben mir abgeraten und gesagt: ,Damit kriegst du nie einen Job.‘“ So kann man sich irren.

          Die Skeptiker hat sie längst widerlegt
          Die Skeptiker hat sie längst widerlegt : Bild: dpa

          Mit der aufkommenden Klimadebatte nahm auch Claudia Kemferts Karriere Fahrt auf. 2000 wurde sie Juniorprofessorin, die erste in Deutschland. Vier Jahre später bekam sie eine ordentliche Professur an der Berliner Humboldt-Universität, und das DIW holte sie ins Haus. Inzwischen ist sie Professorin an der Hertie School of Governance, berät den Präsidenten der EU-Kommission, José Manuel Barroso, und ist Gutachterin im UN-Klimarat.

          Komplizierte Inhalte knackig verpacken

          Im Nachhinein klingt das alles wie ein ziemlich cleverer Plan, der grandios aufging. Claudia Kemfert aber schüttelt ihren Kopf und beteuert: „Ich bin keine Karrierestrategin.“ Ihren Themen habe sie sich aus purem Interesse zugewandt. „Ich hätte nie gedacht, dass es dafür mal eine so große Öffentlichkeit geben würde. Aber wenn mich ein Thema fasziniert, dann lasse ich nicht mehr los. So war ich schon immer.“ Sie strahlt eine beinahe irritierende Verzückung aus, wenn sie über ihre Arbeit spricht. „Wenn man etwas tut, was man nicht mag, ist es eine Quälerei“, sagt sie treuherzig. „Aber wenn man als Forscher an einem Thema arbeiten kann, das einen begeistert, dann ist das ein unglaubliches Geschenk.“

          Doch all ihr jugendlicher Schwung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Claudia Kemfert ein mediengestählter Profi ist. Wo andere Wissenschaftler es schaffen, das Publikum mit langwierigen Ausführungen schon nach wenigen Minuten anzuöden, scheut Claudia Kemfert sich nicht, Kompliziertes in einfache Sätze zu verpacken. „Knackig“ nennen Journalisten solche Formulierungen. Diese Fähigkeit hat die Ökonomin in die Fernsehstudios des Landes geführt und binnen weniger Jahre zu einer gern gefragten Expertin werden lassen. Klima, Umwelt, Öl, Energie? Sie ist selten um eine Antwort verlegen.

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