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Bob Geldof : Rocker mit Heiligenschein

Von Beruf laut: Bob Geldof hat keine Hemmungen, Politiker um ihr „fucking money” zu bitten Bild: dpa

Bob Geldof ist ein Meister des Marketing. Seine Musik vermarktet er ebenso wie die Armut in Afrika: mit Ausdauer und mit vielen Kraftausdrücken.

          5 Min.

          Es dauert keine fünf Minuten, bis Bob Geldof zum ersten Mal das Wort „fucking“ sagt. Er sei immer noch verdammt neugierig, er habe immer noch verdammt gute Ideen und müde sei er verdammt nochmal auch nicht. 59 Jahre ist er nun alt, der frühere Kopf der Band „The Boomtown Rats“, der frühere Afrika-Aktivist, doch die Show geht weiter. Nach zehn Jahren Pause hat Bob Geldof ein neues Album veröffentlicht, jetzt ist er damit auf Promotion-Tour in Deutschland, und er macht das in der gewohnten Geldofschen Kraftsprache. Er ist sich „fucking“ treu geblieben.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          „Mir ist egal, was die Leute über mich denken.“ Geldof fläzt sich mit seinen Schuhen auf das grüne Samtsofa im „Bayerischen Hof“ in München. Er kratzt mit dem Finger über das Ölgemälde, das an der Wand hängt. Kommt zu spät, sagt ein anderes Interview ab, ordert stattdessen eine Ganzkörpermassage. Um seine Laune zu bessern, haben die Hotelmanager vorsorglich zwei Flaschen seines Lieblingsrotweins „Margaux“ bereitgestellt und extra bauchige Gläser. Bob Geldof ist dafür bekannt, dass er ziemlich unangenehm werden kann. Es ist so etwas wie seine Lebensphilosophie. „Ich bin schon immer laut gewesen“, sagt er.

          Infiziert vom Virus Rock 'n' Roll

          Angefangen hat er damit Ende der siebziger Jahre mit „I Don’t Like Mondays“, jenem Hit der Boomtown Rats, den Radiosender noch heute gerne zum Wochenauftakt spielen, ohne darüber nachzudenken, worum es darin geht: um eine Schülerin, die Amok läuft und alles um sich herum zusammenschießen will. Das Lied ist Bob Geldofs erster Versuch, die Welt aufzuwecken, sie zu verändern.

          Als „dunkel, nass und kalt“ beschreibt Geldof seine Jugend in Irland, „ein hoffnungsloses Leben“. Seine Mutter stirbt, als er sechs Jahre alt ist, sein Vater ist als Handtuchverkäufer unterwegs. Der Sohn geht selten zur Schule, schließt sich der Anti-Apartheid-Bewegung an. Und er ist infiziert vom Virus Rock ’n’ Roll, der erst das Radio und dann die Clubs der Stadt ergreift. Eines Abends beschließen er und einige Kumpel, eine Band zu gründen. Mit „I Don’t Like Mondays“ werden „die Rats“, wie Geldof sie schlicht nennt, zu einer der populärsten Bands dieser Zeit.

          Im Jahr 1984 hat Geldof dann sein persönliches Aha-Erlebnis. Er zappt durch die Fernsehkanäle und bleibt auf BBC bei einer Dokumentation über die Hungerkatastrophe in Äthiopien hängen. Die Bilder lassen ihn nicht mehr los. Bob Geldof wird zum Aktivisten. Mit dem gleichen Einsatz, mit dem er zuvor seine Botschaften in der Musik vermarktet hat, vermarktet er nun Afrika. „Es geht nicht um Wohltätigkeit, es geht um Gerechtigkeit“, lautet sein Credo.

          Kein Optimist. Aber hartnäckig

          Er trommelt die britische Popszene für ein Benefizprojekt zusammen. Die gemeinsam gesungene Schnulze „Do They Know It’s Christmas?“ wird zum Bestseller, spielt mehrere Millionen Pfund für die Hungerhilfe ein. Beflügelt von diesem – Geldof sagt überraschenden – Erfolg macht er weiter, organisiert ein 16-stündiges Konzert, „Live Aid“, das gleichzeitig in London und in Philadelphia stattfindet und das mehr als eine Milliarde Menschen rund um den Globus verfolgen. Phil Collins, Elton John, George Michael, alle sind sie dabei, alle singen sie für Afrika. Die Queen erhebt Geldof, obwohl Ire, in den Adelsstand. Sogar für den Friedensnobelpreis wird er später vorgeschlagen.

          Nein, geduldig sei er nicht, sagt Geldof, und nein, ein Optimist sei er auch nicht. Aber hartnäckig. „In seinem eigenen Leben verändert man ja auch ständig Dinge. Man wacht auf und sagt: ,Scheißjob, ich kündige.‘ Dann muss man doch auch die Gesellschaft verändern können.“ Geldof hat keine Scheu, Politikern auf die Nerven zu gehen, sie um ihr „fucking money“ zu bitten. Er trinkt Whiskey mit Margaret Thatcher, lässt sich von Tony Blair in eine Afrika-Kommission berufen und nennt Angela Merkel ein Mitglied seiner „Gang“. Politiker kommen und gehen. Geldof bleibt. Er bezeichnet sich und den U2-Sänger Bono – „ein großartiger Freund“ – als das Duo „Laurel und Hardy der Dritte-Welt-Entschuldung“. Manche Menschen sagen, Bob Geldof sei erst durch sein politisches Engagement von einem Ein-Hit-Wunder zum Star aufgestiegen.

          „Wann immer ein Kind hungert, klingelt mein Telefon

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