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Bob Geldof : Rocker mit Heiligenschein

Pünktlich zum Treffen der acht wichtigsten Industrienationen im Jahr 2005 erhöht er den Druck noch weiter, wieder gibt es ein weltumspannendes Konzert, „Live 8“ heißt es diesmal in Anlehnung an den G-8-Gipfel. Heute ist Geldof es leid, auf das Thema Afrika angesprochen zu werden, er reagiert genervt, fühlt sich missverstanden. „Das verfügbare Einkommen in Afrika ist mittlerweile höher als in Russland und in Indien.“ Aber die Europäer wollten das nicht wahrhaben, sähen nur die Opferrolle. „Wann immer ein Kind hungert, klingelt mein Telefon.“

Der Name Bob Geldof ist zur Marke geworden, doch die Sache hat einen Haken, das weiß er selbst: „Die Marke Bob Geldof hat sich von dem entfernt, was der Mensch Bob Geldof macht, nämlich Musik.“ Dabei habe er nie etwas anderes gemacht, so sieht Geldof es. Äußerlich hat er sich im Lauf der Jahre kaum verändert: Seine Haare sind immer noch knapp schulterlang, sie hängen immer noch in wirren Strähnen in sein Gesicht, nur sind sie inzwischen mehr weiß als grau. An seinem Hemd ist ein Knopf offen, gibt den Blick frei auf den behaarten Bauch.

„Ich mag es, Geld zu verdienen. Wenn es dann da ist, ist es mir gleichgültig“

Die Boomtown Rats sind längst Geschichte, seit den neunziger Jahren macht Geldof alleine Musik. Sein neues Album heißt „How To Compose Popular Songs That Will Sell“. Nein, keine akute Geldnot, nein, auch kein Ausrufezeichen eines alternden Musikers, als Selbstironie will er den Titel verstanden wissen. An anderer Stelle sagt er aber auch, dass er ein Geschäftsmann sei, sein müsse. Nach der Organisation von „Live Aid“ ist Geldof pleite. Zu viele unbezahlte Arbeitsstunden hat er in das Spektakel investiert. Also schreibt er seine Autobiographie, früh zwar, aber so kommt Geld in die Kasse.

„Ich mag es, Geld zu verdienen. Wenn es dann da ist, ist es mir gleichgültig“, sagt er. Geldof verfügt über eine Reihe von Produktionsfirmen unter dem Namen „Ten Alps“. Außerdem hat er ein Technologieunternehmen im Bereich Bildung gegründet. Er selbst kann mit moderner Technik wenig anfangen. E-Mails schreibt er nach eigener Aussage immer noch nicht, Facebook hält er für eine gigantische Lüge. „Niemand kann 6000 Freunde haben.“ Sein Nokia-Handy ist eines jener alten Modelle, die es allenfalls noch bei Ebay gibt. Das schicke Gerät, das ihm Google kürzlich geschickt hat, ist sofort bei seinem Manager gelandet.

„Die Leute glauben oft, ich höre nicht zu, aber das stimmt nicht“

Dessen Job ist es, die Verkaufszahlen der CDs im Auge zu behalten. Ab einem gewissen Punkt brauche jeder Musiker einen Manager, sagt Geldof. Künstler hätten entweder nicht die Fähigkeit oder nicht die Zeit, sich selbst um alles zu kümmern. Seit mehr als sieben Jahren arbeitet er mit seinem derzeitigen Manager zusammen. Sein Rat sei ihm wichtig, betont Geldof. „Die Leute glauben oft, ich höre nicht zu, aber das stimmt nicht.“

Wie ein guter Song entsteht, vermag er nicht in Worte zu fassen. „Ich spiele jeden Tag Gitarre, wenn ich zu Hause bin, wenn ich telefoniere, einfach so. Manchmal spiele ich etwas am nächsten Tag nochmal. Und plötzlich bekommt es einen Sinn.“ Die neue Platte sieht er als Abschluss eines düsteren Kapitels in seinem Leben. Geldof ist lange mit der Fernsehmoderatorin Paula Yates zusammen, die Klatschpresse liebt das Paar, Charles und Diana des Untergrunds. Sie bekommen drei Kinder, dann geht die Beziehung in die Brüche, Yates zieht es zu INXS-Sänger Michael Hutchence. Bob Geldof leidet, und er leidet noch viel mehr, als Paula Yates im Jahr 2000 an einer Überdosis Heroin stirbt. „Ich war voller Schmerz und habe das externalisiert.“ Externalisiert heißt: in Musik verarbeitet.

Ermüdend sei sein Leben, hat er einmal gesagt. Seine Mission in Afrika sieht er einigermaßen erfüllt, genügend Lieder, um für den Rest seines Lebens Konzerte zu bestreiten, hat er auch. Aufhören will er trotzdem nicht. „Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich immer noch Ideen habe“, sagt Geldof. „Aber da ist nicht mehr dieser ständige Drang, etwas vorantreiben zu müssen. Das ist ganz angenehm.“ Er lebt in London, der beste Ort der Welt für einen Künstler, findet er, wegen all der verrückten Menschen und all des Geldes. Mit 75 Jahren will Geldof in einem Pub auf der Bühne stehen, das ist sein Plan, wenn man ihn bittet, einen zu skizzieren. Gute Musik will er machen, ein paar gute Flaschen Rotwein leeren. „Fuck knows.“

Zur Person

Bob Geldof wird am 5. Oktober 1951 in Dublin geboren. Seine Mutter stirbt, als er sechs Jahre alt ist. Sein Vater verkauft Handtücher.

Mitte der siebziger Jahre gründet Geldof die Band „ Boomtown Rats“. „I Don't Like Mondays“ wird zum Hit.

1985 organisiert Geldof das Wohltätigkeitskonzert „Live Aid“ für Afrika, 2005 wiederholt sich das Spektakel unter dem Namen „Live 8“.

Die Trennung und den späteren Tod von Ehefrau Paula Yates verarbeitet er 2001 im Album „Sex, Age & Death“. Aus der Ehe stammen drei Töchter. Er lebt in London.

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