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Berend Pieter Woldring : Der niederländische Traum

Geschäfte aus dem Elternhaus: Ben Woldring spielt auch Klavier. Aber nur, wenn ihn sein Vater darum bittet Bild: NFP Photography/Pieter Magielsen

Mit 13 Jahren gründete Ben Woldring das Internetunternehmen Bencom. Die erste Angestellte war seine Mutter. Heute ist Woldring 25 - und Millionär.

          5 Min.

          Ab Groningen wird es richtig ländlich. Nichts als grüne Wiesen, ab und zu ein paar Schafe mit dickem Winterfell, gelegentlich durchzieht ein Kanal die Landschaft. Ganz am Ende kurz vor dem Meer dann doch noch einmal Häuser. Und was für welche. Im Örtchen Usquert an der niederländischen Küste reiht sich eine prächtige alte Villa an die nächste. „Es gab Zeiten, da war Usquert die reichste Gemeinde des Landes“, sagt Ben Woldring, während er seinen schwarzen Audi TT auf dem Kiesweg vor einer Villa abstellt.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Die Villa ist nicht nur Woldrings Elternhaus. Im Erdgeschoss und in der umgebauten Garage befindet sich außerdem der Firmensitz des Unternehmens, das den Fünfundzwanzigjährigen zum Millionär gemacht hat: Unter dem Namen „Bencom“ betreibt Woldring neun verschiedene Preisvergleichsseiten im Internet. Dort recherchieren Niederländer die besten Handy-, Fernseh- oder Internettarife, suchen nach dem billigsten Stromanbieter oder nach dem besten Hotel für ihre Wochenendreise. Allein in den Niederlanden besuchen jeden Monat eine Million Nutzer die Online-Plattform. Geld verdient Woldring einerseits mit Provisionen, andererseits mit Bannerwerbung. Bei der Frage nach der Zahl der Millionen auf seinem Konto allerdings gerät er ins Stottern, wuschelt sich nervös durch die roten Locken und erzählt dann schnell davon, dass er trotz seines Reichtums im Winter gern mit seinen früheren Studienkollegen in ein Billigappartement in Frankreich zum Skifahren reist. „Mit dem Reisebus.“

          „Schuld war eine Hausaufgabe in der Schule“

          Dass sein Unternehmen heute so erfolgreich ist, verdankt Woldring vor allem der Tatsache, dass er mit seinem Geschäft extrem früh angefangen hat. Gerade mal 13 Jahre alt war er 1998, als seine erste Preisvergleichswebsite „Bellen.com“ online ging. Die Entstehungsgeschichte klingt wie ein Gründungsmythos. Doch die Gründerpreise, die Woldring schon als Jugendlicher gewann, die vielen öffentlichen Auftritte, die er als Teenager feierte, und die Fotos, die Treffen des 15 Jahre alten Woldring mit Menschen wie dem Microsoft-Chef Steve Ballmer dokumentieren, strafen Zweifler Lügen.

          „Schuld an der ganzen Unternehmensidee war letztlich eine Hausaufgabe in der Schule“, sagt er. Der Informatiklehrer hatte seinen Schülern über die Ferien aufgetragen, eine eigene Homepage zu erstellen. Weil er die vorgefertigten Homepagebaukästen langweilig fand, lieh sich Woldring in der Bibliothek „HTML in 20 Schritten“. Darin stolperte er über einen Satz, der sinngemäß lautete: Wer keinen einzigartigen Inhalt für seine Homepage hat, braucht gar nicht erst anzufangen. „Das brachte mich ins Nachdenken. Vor allem über die Dinge, die damals in meinem Teenager-Alltag eine Rolle spielten.“

          1998 - das war die Zeit, in der sich die ersten Menschen private Handys anschafften. Ben Woldring war der einzige Junge in seiner Klasse, dessen Vater ein Mobiltelefon besaß. „Ein riesiges schwarzes Teil mit herausziehbarer Antenne“, berichtet Woldring. „Aber ich war unglaublich fasziniert davon.“ Allerdings: Jetzt kam jeden Monat noch eine weitere Rechnung zu den ohnehin schon beachtlichen Telefonkosten der Woldrings dazu. „Damals gab es bei uns ständig Knatsch darüber, wie lange ich im Internet surfen durfte. Die Einwahl war ja früher noch unglaublich teuer.“ Da kam Woldring die Idee, für seinen Vater einen günstigeren Handytarif zu suchen - „um hinterher mehr Geld zum Surfen übrig zu haben“. Der Dreizehnjährige telefonierte sämtliche Handyanbieter des Landes ab und fand tatsächlich einen günstigeren Tarif für seinen Vater. Und gleichzeitig einen spannenden Inhalt für seine Homepage: „Ich dachte mir, wenn man alle Tarife auf einen Blick online hätte - das wäre doch viel einfacher und schneller, als jeden anzurufen.“

          „Auf einmal wollten alle mit mir Geschäfte machen“

          Dass seine Internetseite quasi über Nacht in den Niederlanden bekannt wurde, hatte mit Glück und mit kindlicher Unverfrorenheit zu tun. Jedenfalls entdeckte Woldring eines Tages eine Anzeige in der Zeitung. Eine Talkshow suchte Bürger, die schon einmal ihren Mobilfunktarif gewechselt hatten und über ihre Erfahrungen berichten wollten. Woldring schrieb dem Fernsehsender: Er sei 13 Jahre alt, habe noch kein eigenes Handy, dafür aber eine Internetseite, mit der sich Tarife vergleichen ließen. Er hoffe, seine Homepage sei für die Sendung eine Hilfe. „Wenig später war ich selbst Talkshow-Gast.“

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