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Beatrice Weder di Mauro : Die Sachverständige

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Zwischen Mainz und Lateinamerika: Deutschlands bekannteste Ökonomin Beatrice Weder di Mauro. Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

In ihrer Jugend wollte sie Biochemikerin werden. Das Unbehagen an den großen Wohlstandsunterschieden in der Welt führte sie zur Ökonomie. Heute ist Beatrice Weder di Mauro die bekannteste Ökonomin Deutschlands.

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          In der Ruhe liegt die Kraft. In Jeans und Pulli, mit dicken Wollsocken an den Füßen, aber schon am frühen Morgen sorgsam geschminkt, macht es sich Beatrice Weder di Mauro in der lichten Küche ihres Frankfurter Wohnhauses bequem, trinkt einen Caffè macchiato und strahlt die Behaglichkeit eines Menschen aus, der wenig Anlaß zum Hadern mit sich und seinem Leben hat - außer vielleicht angesichts des komplizierten Beinbruchs von vor einem Jahr. Auch in dieser Wintersaison darf sie noch nicht wieder Ski fahren. Daß die junge Ökonomin trotzdem fast stoisch ausgeglichen ist, ergibt sich wohl aus der Erfüllung, die ihr das berufliche Leben gewährt; aus dem Talent, den Alltag klug und effizient zu organisieren; und aus dem privaten Glück, das sie mit Erfolg aus dem Licht der Öffentlichkeit herauszuhalten versteht.

          Jugend in Guatemala

          Jede Aufmerksamkeit, die ihrer Person statt ihrer Arbeit gilt, ist ihr unangenehm. "Ich gehe sparsam mit meinen Auftritten um", sagt die Wissenschaftlerin, die auch wenig Gefahr lief abzuheben, als sie 2004 unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit - selbst für sie völlig überraschend - als fünftes Mitglied in Deutschlands höchstes Gremium der Politikberatung einrückte, in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: als erste Frau überhaupt, als das jüngste Mitglied je und zudem als erste Ausländerin. Beatrice Weder di Mauro war damals 39 Jahre alt. Sie hat einen schweizerischen und, als Folge ihrer Eheschließung, auch einen italienischen Paß.

          Ganz entspannt während des Weltwirtschaftsforums in Davos.
          Ganz entspannt während des Weltwirtschaftsforums in Davos. : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Internationalität hat die junge Frau schon in frühester Kindheit verinnerlicht. Im Alter von sechs Jahren zieht die Familie nach Guatemala um; die Ciba-Geigy, für die der Vater arbeitet, hat dort ihren Auslandssitz für Mittelamerika und die Karibik. Elf Jahre später kehrt die Familie zurück in die Schweiz. Beatrice Weder begeistert sich in der Schule für Mikrobiologie. Daß sie sich bei der Studienwahl dennoch für die Ökonomie entscheidet, ergibt sich aus einem konkreten, geradezu peinigenden Wissensdurst: Sie kann sich keinen Reim auf die krasse Unterschiedlichkeit der Welt machen, die sie erlebt. "Als ich in die Schweiz kam, fragte ich mich, warum geht es den Leuten hier so gut, und in Guatemala geht es ihnen so schlecht. Ich hatte ein Problem damit und fand keine einleuchtende Erklärung dafür." Daß der Vater Kaufmann ist, nimmt der Ökonomie ebenfalls die Fremdheit - und ein bißchen auch der kreative Geist, der in Guatemala wehte. "Man ist dort einfach ein bißchen unternehmerischer."

          Bohrende Fragen zur Armut

          Während des Studiums flirtet Beatrice Weder eine Weile mit der Betriebswirtschaftslehre; sie ist fasziniert von Psychologie und Organisationsentwicklung, insbesondere von neueren Ansätzen im Coaching. "Zu lernen, wie Prozesse zwischen Menschen ablaufen, und darüber zu reflektieren und zu sprechen - das war eine sehr hilfreiche Erfahrung sogar für mein eigenes späteres Berufsleben." Ansonsten spickt sie das Studium mit Praktika in aller Welt. "Ich habe in der Zeit ehrlich gesagt nicht genug gebüffelt. Das mußte ich später alles nachholen. Ich rate jedem, das nicht zu tun, sondern zielstrebig zu studieren."

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