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Alejandro Fernández : Von der Rübe zur Rebe

  • -Aktualisiert am

Zwei Gläser Wein gegen die Krise: Alejandro Fernández Bild: Foto Grupo Pesquera

Er entstammt einer armen Familie aus Zentralspanien. Nach dem Ende der Franco-Diktatur baute er ein Weingut auf und machte aus einem Anbaugebiet für Zuckerrüben eine renommierte Weinregion in Europa.

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          Für all jene, die Erfolg in Geld messen, lässt sich die Geschichte von Alejandro Fernández in einem Satz zusammenfassen: Zum Preis von 450 Euro wird derzeit eine Flasche seines Prestige-Weins Pesquera Reserva 2005 Jeroboam gehandelt. Für alle anderen ist es die Geschichte eines Mannes, der seinem Lebenstraum treu blieb und beharrlich an seiner Verwirklichung arbeitete. Nichts im äußeren Leben Fernández’ deutete darauf hin, dass dieser Junge aus ärmlichen, bäuerlichen Verhältnissen in Zentralspanien einmal vom „campesino“ zu den größten und erfolgreichsten Weingutsbesitzern seines Landes aufsteigen würde.

          Im Spanien des faschistischen Diktators Francisco Franco, unter dessen Knute das Land von 1939 bis zu seinem Tod 1975 lebte, war der Weinbau klar verteilt: Im Süden um Jerez wurde der Likörwein Sherry hergestellt, in La Mancha der Tafelwein für die Masse, und in Rioja saßen die Weingüter des spanischen Adels wie Castillo de Ygay der Familie Marqués de Murrieta.

          Mit 13 Jahren zur Feldarbeit gezwungen

          „Ich habe im Alter von 13 Jahren angefangen zu arbeiten“, sagt Fernández, der in diesem Jahr 77 Jahre alt wird. „Ich musste ja meine Familie unterstützen.“ Er pflügte die Erde in Zentralspanien noch mit Eseln und lernte Zimmermann. Schließlich verkaufte er Landmaschinen und gründete eine kleine Fabrik, in der er eigene Maschinen für die spanischen Bauern herstellte. Er hält sogar ein Patent auf eine Erntemaschine für Zuckerrüben. Denn in seiner Heimat, in der Region Ribera del Duero, wurden damals Zuckerrüben angebaut. Gerade einmal für den Eigenbedarf haben die Bauern hier einige Parzellen mit Reben bepflanzt.

          Der Verkauf von Landmaschinen habe ihm viel Geld eingebracht, sagt Fernández. Er hätte ein erfolgreicher Industrieller werden können in diesem Land, das sich erst in den siebziger Jahren allmählich aus der wirtschaftlichen Starre der Franco-Diktatur löste. Als Franco 1975 starb, ging eine große Erleichterung durch das Land, der Wirtschaft wurde Leben eingehaucht.

          Der Traum vom Weinbau

          In raschen Schritten fand Spanien in den darauffolgenden Jahren Anschluss an Westeuropa und wurde 1986 in die Europäische Union aufgenommen. Von diesem Aufschwung profitierte vor allem die Landwirtschaft, die sich in wenigen Jahren aus ihrer Rückständigkeit befreite. Heute ist das Land einer der international modernsten und erfolgreichsten Erzeuger von Obst und Gemüse. An der Modernisierung des Landbaus hätte Fernández mit Sicherheit glänzend verdienen können.

          Doch diese Aussicht reizte Fernández offenbar nicht. „Mein Traum war immer, Weinbau zu betreiben, wenn ich genug Geld habe“, sagt er noch heute. Er fing früher damit an. Und so musste er sich zusätzlich Geld leihen, als er 1972 sein eigenes Gut gründete.

          Fernández wollte nichts von den großen Rebsorten wissen, aus denen damals die großen Weine der Welt erzeugt wurden: Cabernet Sauvignon und Merlot, die beiden Trauben des Bordeaux, waren die einzigen, denen man damals das Potential zu Ausnahmeweinen bescheinigte. „Für mich war Tempranillo immer schon die Königin der Trauben“, sagt Fernández über jene Rebsorte, der die Fachwelt in dieser Zeit allenfalls Trinkbarkeit bescheinigte und die heute von allen großen Erzeugern Spaniens angebaut wird. Fernández schwärmt: „Man kann die Traube als Nachtisch essen, und man kann die Weine genauso gut jung trinken wie auch lange lagern.“ Denn die Süße der Tempranillo-Traube komme von der Frucht und nicht vom Zucker.

          Parkers Geschmack genau getroffen

          Dort, wo bis dahin Zuckerrüben wuchsen, setzte Fernández seine Rebzeilen. „Alle Nachbarn haben mich für verrückt gehalten“, sagt er heute. 1975, dank der Hilfe des Weinbauingenieurs Teófilo Reyes, brachte er seinen ersten Wein auf den Markt, den er nach seinem Heimatdorf „Pesquera“ nannte.

          Eine Weinkritik brachte 1982 den internationalen Durchbruch. Robert Parker, der wohl einflussreichste Weinkritiker der Welt, hatte die Weine des Spaniers verkostet. Dieser Wein könnte der „Pétrus“ Spaniens werden, urteilte Parker. Damals kostete eine Flasche des Kult-Weinguts aus Bordeaux jedoch mehr als 200 Dollar, die Weine Fernández’ gerade einmal 16 Dollar.

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