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A.W. Graf von Faber-Castel : Der spätberufene Graf

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Holzgefaßte Blei- und Buntstifte seit 1761: Faber-Castell Bild: dpa

Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell steht wie kaum ein zweiter für die Blei- und Buntstiftmarke des Familienunternehmens. Dabei hatte er sich bis zum Tod seines Vaters standhaft geweigert, in das Unternehmen Faber-Castell einzusteigen.

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          Mit etwas so Unspektakulärem wie mit Bleistiften Karriere machen? Das ist nichts für mich, denkt sich Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell als Abiturient Anfang der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Klipp und klar schreibt er in einem Aufsatz zu seinen Zukunftsplänen: "Ich kann mir für mein Leben etwas Interessanteres vorstellen, als eine Bleistiftfirma zu leiten." Eine klare Ansage für den Adelssproß, dessen Familie sich seit sieben Generationen mit Bleistiften einen Namen gemacht hat.

          Schon 1761 fertigt der Schreiner Kaspar Faber in Stein bei Nürnberg seine eigenen "Bleyweißsteffte". Während Wolfgang Amadeus Mozart seine ersten Stücke komponiert, bietet der Gründungsvater der Bleistiftdynastie seine Schreibwerkzeuge auf dem Nürnberger Markt feil. Generationen später schwärmt der Maler Max Liebermann: "Die besten Bleistifte macht in Deutschland immer noch Faber(-Castell)." Tradition hin oder her. Für Anton Wolfgang von Faber-Castell gibt es Spannenderes, als in die Fußstapfen der Vorfahren zu treten. "Dabei war es nicht einmal so, daß ich mich nicht für Schreibwerkzeuge interessiert hätte", erinnert er sich. Im Gegenteil: Schon als Schüler im Schweizer Internat in Zuoz habe er die Konkurrenz ständig im Auge behalten. "Ich habe meinen Vater immer über die Produkte des Schweizer Herstellers Caran d'Ache auf dem laufenden gehalten." Die Geschicke des Familienunternehmens im fränkischen Stein bei Nürnberg zu lenken, dafür kann sich "Toni" Graf von Faber-Castell - wie ihn die Familie nennt - damals nicht erwärmen.

          Die Böcke schieße ich im Büro“

          Von dieser Distanz ist heute nichts mehr zu spüren. Der Bleistift hat den Grafen erobert. Oder umgekehrt. Rastlos jettet der 65jährige um den Globus. Er besucht seine 15 Produktionsstätten, die auf der ganzen Welt verstreut sind: von den Vereinigten Staaten über Costa Rica und Brasilien bis nach Indien, China und Malaysia. Als alleiniger geschäftsführender Gesellschafter der Faber-Castell Unternehmensgruppe hält er Vorträge und eröffnet Faber-Castell-Shops in ganz Deutschland. Kurz: Wenn es um seine Marke geht, ist der Chef nicht weit. Wie kein zweiter verkörpert er sie, er ist ihr Gesicht.

          Dennoch versucht der Vater von vier Kindern die Wochenenden mit seiner Familie zu verbringen. Dazu pendelt er mit seiner Frau Mary Elizabeth, einer gebürtigen Amerikanerin, zwischen München, wo die zehnjährigen Zwillinge Sarah und Victoria das Gymnasium besuchen, und dem Familiensitz bei Nürnberg hin und her.

          Zeitraubende Hobbys kann sich der Chef von 5850 Mitarbeitern nicht leisten. Auf die Jagd geht er schon lange nicht mehr, obwohl zu seinen Anwesen auch ein Wald gehört. "Die Böcke schieße ich im Büro", sagt er und lacht. Wenn er ein wenig Zeit hat, widmet sich der Bleistift-Patriarch lieber der zeitgenössischen Kunst. "In meiner Brust wohnen zwei Seelen. Auf der einen Seite bin ich logisch und nüchtern, auf der anderen Seite kreativ und an Kunst interessiert." Vielleicht ein Erbe seiner Mutter Katharina, einer Pianistin, die "es bestimmt zu einer eigenen Karriere gebracht hätte, wenn sie nicht so früh geheiratet hätte". Ein besonderes Faible hat er für die deutschen Expressionisten. In seinem Büro hängt ein Bild des Leipziger Malers Neo Rauch.

          Omnipräsent

          Dort kann er sich aber nicht allzuoft aufhalten. Denn: "Die Markenführung allgemein ist und bleibt für mich Chefsache." Und dazu muß er überall präsent sein. Auch von seinen Angestellten fordert der Boss, dessen Unternehmen jedes Jahr über 1,8 Milliarden holzgefaßte Stifte produziert, vor allem Loyalität und Identifikation mit der Marke Faber-Castell. "Eigenes Karrieredenken und Selbstverwirklichung müssen dahinter zurückstehen." Mitarbeiter, die sich auf Kosten des Unternehmens profilieren wollen, kann er nicht brauchen. Dieselbe Loyalität, die er von seinen Angestellten verlangt, fordert er aber auch von sich selbst. Obgleich dominant und durchsetzungsfähig, beschreibt er sich als wohlwollend, sobald es um das Schicksal seiner Angestellten geht. Mitarbeiter zu entlassen fällt ihm schwer, "genauso wie meinem Vater, der das gehaßt und als persönliche Niederlage empfunden hat". Als 1992/93 der Standort in Stein gefährdet war, habe er viele schlaflose Nächte verbracht.

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