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Kolumne „Mein Urteil“ : Muss ich mich gegen ein dickes Lob im Arbeitszeugnis wehren?

  • -Aktualisiert am

Das Arbeitszeugnis gehört bei Bewerbungsunterlagen meist mit dazu. Bild: Picture-Alliance

Wenn das Arbeitszeugnis zu schlecht ausfällt, kann man sich wehren. Was aber, wenn man über den grünen Klee gelobt wird - so stark, dass es einen ironischen Unterton hat?

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          Geht ein Arbeitsverhältnis zu Ende, stellt sich früher oder später die Frage nach dem Abschlusszeugnis. Zwar wird heutzutage oftmals zu Recht die Aussagekraft eines Zeugnisses in Frage gestellt, enthält es doch vielfach nur allgemeine Standardformeln mit wenig Aussagekraft. Bewerbungsunterlagen sind aber dann nur vollständig, wenn die Arbeitszeugnisse beigefügt sind. Es ist also problematisch, wenn man kein oder ein schlechtes Abschlusszeugnis hat.

          Regina Steiner ist Fachanwältin für Arbeitsrecht in der Kanzlei Steiner Mittländer Fischer in Frankfurt.

          Teil dieser Problematik ist auch die restriktive Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes. Es geht davon aus, dass der Arbeitnehmer nur dann ein gutes Abschlusszeugnis beanspruchen kann, wenn der Arbeitgeber bereit ist, dieses freiwillig zu erteilen. Ansonsten trägt der Arbeitnehmer die Beweislast für seine guten Leistungen (9 AZR 584/13). Trifft man mit seinem Arbeitgeber Vereinbarungen über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses, ist es auch wichtig, Vereinbarungen über den Zeugnisinhalt zu treffen. Üblich ist eine Formulierung, die es gestattet, das Zeugnis selbst zu formulieren, und zwar mit der Maßgabe, dass der Arbeitgeber davon nur aus wichtigem Grund abweichen darf. Auch bei dieser Formulierung muss das Zeugnis aber der Wahrheit entsprechen.

          Ein Verkehrsfachwirt traf mit seinem Arbeitgeber eine solche Vereinbarung. Er entwarf ein Zeugnis. Zurück kam eines, das von dem Vorschlag deutlich abwich. Es wurde ihm sogar eine exzellente Leistung bescheinigt, die mindestens die Note 1 verdient. Die Schlussformel lautete: „Sein Ausscheiden nehmen wir zur Kenntnis.“ Das Landesarbeitsgericht in Hamm hatte kürzlich entschieden, dass auch das „Abweichen nach oben“ in der Zeugnisnote nicht so ohne weiteres zulässig ist (12 Ta 475/16).

          Zu viel Lob gibt dem Zeugnis einen ironischen Unterton

          Der Arbeitgeber hatte sich verpflichtet, ein Zeugnis nach den Vorschlägen des Arbeitnehmers zu erteilen. Davon durfte er nur aus wichtigem Grund abweichen. Einen solchen konnte er aber nicht anführen. Das „Loben über den grünen Klee“ lässt im Übrigen die Ernsthaftigkeit des Zeugnisses vermissen und gibt ihm einen ironischen Unterton. Dies zeigt die Schlussformel, die weder Dank noch Bedauern dafür ausdrückt, einen so hervorragenden Mitarbeiter verloren zu haben.

          Es ist daher zu raten, bei der vertraglichen Festlegung von Inhalten auch eine sogenannte Dankes- und Bedauernsformel auszuhandeln, die der Zeugnisnote entspricht. Denn nach der Rechtsprechung des BAG hat der Arbeitnehmer auch keinen Anspruch auf eine sogenannte Schlussformel, die üblicherweise Dank für die geleistete Arbeit ausdrückt und gute Wünsche enthält (9 AZR 227/11). Gefällt ihm die Schlussformel nicht, besteht nur ein Rechtsanspruch auf Streichung.

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