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Max-Planck-Gesellschaft : Exzellenz und Exzess

Eingang zum Hauptsitz der Max-Planck-Gesellschaft in München Bild: Max-Planck-Gesellschaft / Kai Weinsziehr

Emotionaler Rollercoaster: Die Max-Planck-Gesellschaft wird von neuen Mobbing-Vorwürfen erschüttert. Diesmal richten sie sich gegen die Direktorin eines Leipziger Instituts.

          5 Min.

          Tania Singer, Direktorin am Max-Planck-Institut für Kognitionswissenschaften in Leipzig, ist mit ihren Forschungen zu Empathie und Mitgefühl eine weltweit gefragte Expertin in Sachen Einfühlungsvermögen und Fürsorglichkeit. Auf wissenschaftlicher Ebene geht es ihr um die Fundierung psychischer Phänomene im Gehirn. Auf medialer Ebene verbindet sie ihre Forschung oft mit einem ethischen Appell. Vor fünf Jahren zog Singer ein großes Forschungsprojekt an Land, das untersucht, wie sich regelmäßige Meditation auf neuronaler Ebene auswirkt respektive zu einem liebevollen und rücksichtsvollen Umgang beitragen kann.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Für einen großen Teil ihrer Mitarbeiter liegt darin eine herbe Ironie. Nach einem Bericht des Wissenschaftsmagazins „Science“, das mit acht ihrer Mitarbeiter sprach, sind es gerade menschliche Qualitäten, die Singer im Umgang mit ihren eigenen Kollegen abgehen. Singer soll an dem Institut eine Atmosphäre der Angst geschaffen haben. Die Rede ist von Machtmissbrauch, Distanzlosigkeit, persönlicher und beruflicher Abwertung, die teils zu psychischen und physischen Erkrankungen geführt hätten. „Emotionaler Rollercoaster“ ist noch eine der freundlicheren Umschreibungen im Gespräch mit dieser Zeitung. Man habe sich in Singers Büro nur mit Angst gewagt und es oft mit Tränen verlassen. Jeder an dem Leipziger Institut inklusive der anderen Direktoren habe das gewusst, jeder habe dem zugesehen.

          Nach den Angaben der Mitarbeiter, die überwiegend anonym bleiben, und wie aus Mails hervorgeht, die dieser Zeitung vorliegen, verstand sich Singer als Mutter ihres Projekts und ihrer Mitarbeiter. Eine Mutterliebe, die von den undankbaren Kollegen oft enttäuscht worden sei und die sich nicht auf die Enkel übertrug. Besonders hart soll es schwangere Frauen getroffen haben. Singer habe Schwangerschaft als Verrat an ihrem Forschungsprojekt betrachtet, sagen mehrere Mitarbeiterinnen im Gespräch mit dieser Zeitung, und sie bei der Einstellung darauf hingewiesen, dass sie keinesfalls schwanger werden dürften. Singer widerspricht dieser Darstellung über ihre Anwältin.

          Verteidigung wissenschaftlicher Standards

          Nach den Angaben der Mitarbeiter war nicht nur der persönliche Umgang, sondern auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit problematisch. Singer habe sie unter Druck gesetzt, ihre Forschungsergebnisse ihren Hypothesen anzupassen, beispielsweise ihrer Annahme, dass dem wirtschaftlichen Handeln genau sieben Motivationsfaktoren zugrunde lägen. Wer dem nicht nachgekommen sei, habe das Projekt ohne Publikation verlassen müssen oder sich wissenschaftliche Inkompetenz vorhalten lassen müssen. Singer teilt dagegen über ihre Anwältin mit, dass auch Studien mit negativen Resultaten publiziert worden seien.

          In einer Mail, die der Redaktion vorliegt, fordert Singer eine Mitarbeiterin allerdings auf, sich von ihren Forschungsergebnissen im Sinne des „Gesamtpakets“ zu distanzieren. Andere Mails zeigen, wie sie Mitarbeiter anwies, Einfluss auf Gutachter zu nehmen. Mehrere ihrer Mitarbeiter halten Singers wissenschaftliche Vorgehensweise deshalb für nicht seriös. „Am Ende stand man mit einer wissenschaftlichen Publikation da, auf die man beim besten Willen nicht stolz sein konnte“, sagt eine Mitarbeiterin. Den Weg an die Presse sei man auch gegangen, um wissenschaftliche Standards zu verteidigen.

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