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Postkoloniale Theorie : Vereinnahmung eines Widerstandskämpfers

  • -Aktualisiert am

Marxistischer Kritiker der Kolonialpolitik: Antonio Gramsci Bild: mauritius images / FLHC Y1 / Alamy

Die postkoloniale Bewegung beruft sich gern auf Antonio Gramsci und dessen Konzept der Subalternität. Ihr Umgang damit verrät den eigenen Machtanspruch. Ein Gastbeitrag.

          4 Min.

          Für die postkoloniale Theoriebildung ist ein Verfahren entscheidend, das Edward Said 1982 als „traveling theory“ bezeichnet hat. Nicht nur Said wusste, dass auf Reisen, insbesondere dann, wenn Theorien oder Konzepte reisen, einiges passieren kann. Es kann bei diesen Übersetzungen auch zu Missverständnissen und Verfremdung kommen. Für Said war das Konzept der reisenden Theorie, das er in mehreren Aufsätzen entwickelte, Signatur des Postkolonialen, weil es die kulturelle Logik von intellektueller Globalisierung nachzeichne.

          Eine reisende Theorie innerhalb des Postkolonialismus ist die von Antonio Gramsci. Der marxistische Intellektuelle und Widerstandskämpfer gilt als früher Kritiker des italienischen Kolonialismus in Libyen und Eritrea. Er warf der Kolonialpolitik vor, die zivilisatorischen Standards nur für Italien, nicht aber für andere Länder gelten zu lassen. Gramsci war in frühen Jahren umfassend journalistisch und publizistisch tätig. In einem Zeitungstext aus dem Jahre 1911 heißt es: „Das alte Europa wird voller Abscheu Flüche gegen die Barbaren ausstoßen, und ein neuer Kreuzzug wird gegen diese unglücklichen Völker ausgerufen. Kriege werden um des Handels, nicht um der Zivilisation willen geführt.“

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