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Luxemburger Nationalbibliothek : Darauf haben die Studenten nur gewartet

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Ein Lesevergnügen Bild: Bibliothèque du Luxembourg

Nun hat auch Luxemburg einen beeindruckenden Neubau für seine Nationalbibliothek. Der Service und die Wertschätzung gegenüber dem Gedruckten ist beeindruckend. Hochschulen sollten sich diese Institution genau anschauen.

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          Trotz der fortschreitenden digitalen Verfügbarkeit von Texten werden weiterhin neue Gebäude für Nationalbibliotheken gebaut. So eröffnete Ende 2018 in Helsinki die Zentralbibliothek „Oodi“ (deutsch: Ode), deren offene Architektur eine lichtdurchflutete Landschaft fürs Lesen, Lernen und Miteinanderkommunizieren bietet. Kurz zuvor war die neue Athener Bibliothek eingeweiht worden, in Jerusalem wird eine neue Bibliothek gerade gebaut, ebenso in Oslo, beide entstehen im Zentrum der Städte. Alle Neubauten haben das erklärte Ziel, Menschen anzuziehen und einzuladen – nicht nur zum Bücherentleihen, sondern ebenso zum Verweilen.

          Auch in Luxemburg wurde jetzt ein neues Gebäude für die „Bibliothèque nationale“ geschaffen, es befindet sich auf dem Kirchberg und entwickelt sich zu einem kulturellen Leuchtturm zwischen Banken, Investmentgesellschaften und EU-Institutionen. In der Nähe der Bibliothek befinden sich auch Teile der Universität Luxemburg, deren Hauptcampus in Esch-Belval städteplanerisch missglückt ist, sowie das Max-Planck-Institut für internationales, europäisches und regulatorisches Verfahrensrecht. Wer das Gebäude betritt, sieht auf den verschiedenen Etagen und in den elf reservierbaren schalldichten Kommunikationsräumen viele Studenten. Sie belegen auch die Audiokabinen, in der sie Lernhilfen abhören. Von der obersten Ebene haben sie einen spektakulären Blick auf die Umgebung, unter anderem auf das vom deutschen Architekten Gottfried Böhm entworfene Bürogebäude der Deutschen Bank – vielleicht ihr künftiger Arbeitgeber.

          Die Besucher werden geradezu aufgesaugt

          Neben luxemburgischen Unternehmen waren vor allem deutsche Architekten und Ingenieurbüros für den Bau des neuen Gebäudes verantwortlich, das städtebaulich geschickt in die Umgebung eingepasst wurde. Hinter den Theken zur Information und zur Buchausleihe warten freundliche Mitarbeiter, die, allesamt fließend viersprachig, helfen und unterstützen. Warteschlangen sind selten. In den ersten 13 Wochen hatte das neue Gebäude schon 75.000 Besucher. Es gab Hunderte neuer Anmeldungen zur kostenfreien Bibliotheksnutzung.

          Viele Bücher und Fachzeitschriften stehen in Freihandmagazinen, thematisch geordnet, aber sprachlich gemischt, in Französisch, Deutsch, Englisch und Luxemburgisch. Im Erdgeschoss finden sich Zeitungen und Magazine aus diesen und anderen Sprachen. Das Leitsystem besteht aus einem Steckystem modularer Schriftwürfel, das an die Setzkästen des frühen Buchdrucks erinnert. Gelochte, weiß emaillierte Ziegel wirken schallabsorbierend und unterstützen zugleich die Wärmespeicherung.

          An solchen Orten hat man das Gefühl, dass Buch und Zeitung auch in gedruckter Form und als haptisches Erlebnis noch eine Zukunft haben – und dass gerade Studenten das genauso sehen und fühlen. Man kann das kleine Großherzogtum zu diesem großartigen Bau nur beglückwünschen.

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