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Leben und Arbeiten in Budapest : Budapest - Die lebhafte Schöne an der Donau

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Kultur, Donau, Lebensfreude, Budapest Bild: Archiv

Budapest ist zu jeder Tageszeit schön, am zauberhaftesten jedoch in der Nacht. Dann erstrahlen am Buda-Ufer der dunkel dahin fließenden Donau auf dem Burgberg der Königspalast, die Matthiaskirche und die Fischerbastei im Lichterglanz.

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          Budapest ist zu jeder Tageszeit schön, am zauberhaftesten jedoch in der Nacht. Dann erstrahlen am Buda-Ufer der dunkel dahin fließenden Donau auf dem Burgberg der Königspalast, die Matthiaskirche und die Fischerbastei im Lichterglanz, während auf der Pester Seite das wuchtige Parlamentsgebäude, die Akademie der Wissenschaften, die alten Stadtpalais und die ehemalige Karl-Marx-Universität in märchenhafter Beleuchtung erahnen lassen, wie prachtvoll und reich die ungarische Hauptstadt vor den zwei Weltkriegen einmal gewesen sein muß. Nirgendwo sonst haben die Baumeister Stadt und Fluß in solch perfekter Harmonie miteinander verwoben. In Wien, das heute glitzernd und satt das einst wohlhabendere Budapest weit überholt hat, spielt die Donau dagegen nur eine Statistenrolle. Die Stadt kehrt dem stolzen Fluß buchstäblich den Rücken, während in Budapest Stadt und Fluß sich gleichsam die Hauptrolle teilen.

          Keine Freude am Auto

          Was Touristen in Scharen in die "Schöne an der Donau" zieht, ist auch für den Einheimischen immer wieder ein Fest für die Augen. Hinter der augenfälligen Schönheit verbirgt sich allerdings auch eine Menge Häßlichkeit, nackte Not und täglicher Ärger. Letzteres beginnt mit dem fast stündlich zunehmenden Verkehrchaos. Qualvoll langsam schleicht sich der Verkehr über die Brücken. In den engen, für Pferdekutschen konzipierten Straßen der Innenstadt ist Autofahren eigentlich nur noch in der Nacht zumutbar. Der Budapester, ungestüm und immer in Eile, fährt dennoch schnell und nutzt jede noch so kleine Lücke, um sich vorzudrängen. Für den Fremden ist dies wenn nicht ärgerlich, so doch gewöhnungsbedürftig. Auch die vielen tiefen Schlaglöcher, Baustellen, häufigen Polizeikontrollen und Abschleppdienste verderben bald die Freude am Auto. Die zuverlässigen, allerdings arg ramponierten öffentlichen Verkehrsmittel wie Metro, Bus und Straßenbahn bieten eine preiswerte Alternative. Taxen sind erschwinglich und, wählt man bestimmte Gesellschaften wie City-Taxi, ehrlich.

          Das Erbe des Sozialismus

          Für den Fremden, der von seinem Arbeitgeber für einige Jahre nach Budapest entsandt wird, offenbart sich spätestens bei der Wohnungssuche, wie schwer das Erbe des Sozialismus, des Zweiten Weltkrieges und des von der Sowjetunion niedergewalzten Volksaufstandes von 1956 noch heute wiegt. In die Lücken der von Bomben und russischen Panzern zerstörten Gebäude sind in den Nachkriegsjahren Wohn- und Bürogebäude von häufig atemberaubender Häßlichkeit eingefügt worden. Die graue Schäbigkeit der Plattenbauten des realen Sozialismus wirkt neben den großzügigen, aus den Gründerjahren stammenden mehrstöckigen Wohnhäusern mit ihren charmanten Innenhöfen deprimierend, auch wenn von der ursprünglichen Schönheit ihrer Fassaden immer mehr abblättert. Zahlreiche Stadtbezirke sind aufgrund jahrzehntelanger sträflicher Vernachlässigung derart heruntergekommen, daß die einst wunderbare Bausubstanz kaum noch zu retten ist. Hier leben die Verlierer der Wende - Rentner, Witwen, Arbeitslose, Roma. Nackte Not haust auch in den Unterführungen der Metro; menschliche Wracks, vom Alkohol, von Drogen, vom Irrsinn oder einfach nur vom wiederholten Pech gezeichnet, suchen dort Wärme und Almosen.

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