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Dreistelliger Millionenbetrag : Kostenexplosion beim Geomatikum der Universität Hamburg

  • Aktualisiert am

Soll ein Anker für die Klimaforschung werden: das Geomatikum in Hamburg Bild: dpa

Der Finanzsenator ist „sehr verärgert“, die Wissenschaftssenatorin „schockiert“: Die Kostensteigerung bei einem Neubau der Universität Hamburg erinnert an alte Fehler bei der Elbphilharmonie.

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          Der Neubau für die Geowissenschaften und Klimaforschung der Universität Hamburg wird wegen technischer Fehlplanungen um einen dreistelligen Millionenbetrag teurer als vorgesehen. Statt der eingepreisten 177 Millionen Euro werden für das „Haus der Erde“ am Campus Bundesstraße im Stadtteil Eimsbüttel nun mindestens 303 Millionen Euro fällig, wie aus einem Antrag des rot-grünen Senats zur Nachbewilligung von insgesamt knapp 157 Millionen Euro hervorgeht. Ursprünglich sollte der Neubau bereits im vergangenen Jahr fertig sein, nun gehen die Planer von 2024 aus.

          Nach dem Debakel bei der Elbphilharmonie, deren Baukosten von anfangs erwarteten 77 auf 789 Millionen Euro gestiegen waren, hatte der Senat um den damaligen Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) extra das Prinzip des sogenannten kostenstabilen Bauens eingeführt, das Preissteigerungen wie die beim Neubau am Geomatikum eigentlich verhindern sollte. Entsprechend verärgert zeigte sich auch Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), als er am Mittwoch das Desaster erläutern durfte. Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sagte: „Das ist richtiger Murx und richtiger Mist.“

          Was ist schiefgegangen? Nach Angaben der städtischen Gebäudemanagement Hamburg (GMH) – sie realisiert den Neubau im sogenannten Mieter-Vermieter-Modell – lag es an der technischen Bauplanung. Die Wünsche der Universität seien zwar den Planern mitgeteilt worden, „es ist nur nicht in die Planung übersetzt worden“, sagte GMH-Geschäftsführer Ernst Rowohlt. Auch beim Berliner Hauptstadtflughafen BER waren die Kosten vor allem wegen technischer Fehlplanungen durch die Decke gegangen.

          Hätte man das Desaster nicht früher erkennen müssen?

          Was waren die Folgen? Laut der Senatsdrucksache gab es beim „Haus der Erde“ unter anderem Planungsmängel bei der Laborlüftung im Brandfall, bei den Brandmelde- und Sprachalarmierungsanlagen, bei der Gasversorgung der Labore und bei der Sprinkleranlage. Hinzu kam, dass die Komplexität der erforderlichen elektromagnetischen Abschirmung bis zum Abschluss der Entwurfsplanung nicht annähernd erkannt worden sei. Doch damit nicht genug: Weil die Anforderungen an die Lüftung als zu gering eingeschätzt worden seien, gerieten die Lüftungsschächte im bereits fertiggestellten Rohbau zu klein und die Tragfähigkeit des Dachs für die Lüftungsanlage zu gering. Die Folge: Nun muss neben dem Gebäude eine dritte Anlage errichtet werden.

          Wer hat da nicht aufgepasst? Finanzsenator Dressel sagte, aus Sicht der Stadt liege die Schuld allein bei den Planern. Seit November 2017 seien bereits vier Büros gekündigt und zwei Klagen eingereicht worden, wobei eine bereits – allerdings noch nicht rechtskräftig – im Sinne der Stadt entschieden worden sei. Drei weitere Klagen seien in Vorbereitung. „Wir werden die Rechtsmittel konsequent ausschöpfen“, sagte Dressel – und fügte an: „Wir wollen den Schaden für den Steuerzahler so weit wie möglich minimieren.“

          Hätte man das Desaster nicht früher erkennen müssen? Es sei ganz übel, dass schon am Anfang die Abfrage der Hochschulwünsche nicht richtig funktioniert habe, „weil man dann eigentlich schon auf einem falschen Weg ist“, sagte Rowohlt. Dressel betonte, die Planungsbüros seien auch nicht „irgendwelche Klitschen“ gewesen. Die hätten allesamt gute Referenzen gehabt. Zudem habe die Stadt zur Sicherheit separat Planer nur für das Controlling engagiert. „Aber selbst die sind mit all ihrer Erfahrung und ihrer Ausbildung dann unterwegs gescheitert, weil sie diese Komplexität auch nicht mehr beherrscht haben“, sagte Rowohlt.

          Was sagt die Opposition dazu? Der CDU-Haushaltsexperte Thilo Kleibauer warf dem rot-grünen Senat vor, komplett versagt zu haben. Von kostenstabilem Bauen sei nichts zu erkennen. „Auch das direkt beim Ersten Bürgermeister angesiedelte Bau-Monitoring hilft offenbar kaum etwas, wenn im Bauablauf dann Schwierigkeiten auftreten.“ Kleibauer forderte eine Sondersitzung des Haushaltsausschusses, die sich mit dem Wissenschaftsausschuss nur mit dem „Haus der Erde“ befassen soll. Der Bund der Steuerzahler Hamburg beklagte, die gleichen Themen, die bereits beim Bau der Elbphilharmonie und auch beim immer noch nicht fertiggestellten Kongresszentrum CCH zu Kostensteigerungen geführt hätten, „sorgen auch bei diesem Projekt für eine Eskalation. Gebäudetechnik, Lüftungsanlagen, ihre Verortung im Gebäude und die daraus folgenden Traglasten“.

          Hat die Wissenschaft Schaden genommen? „Für uns ist das ganze Areal um die Bundesstraße herum für die Weiterentwicklung des Standorts von außerordentlicher Wichtigkeit“, sagte Fegebank. Hamburg habe das einzige Exzellenzcluster im Bereich Klima und Klimafolgenforschung. „Da haben wir uns gegenüber Potsdam, gegenüber Kiel, gegenüber Bremen durchgesetzt.“ Der „Haus der Erde“ sei dabei als ein Anker gedacht. „Deshalb ist mir so sehr daran gelegen, dass wir jetzt wirklich wahnsinnig schnell in die Pötte kommen“, sagte die Senatorin.

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