https://www.faz.net/-gyl-a3dne

Kooperation mit Fallstricken : Ein Plädoyer für den wissenschaftlichen Austausch mit China

  • -Aktualisiert am

Niall Ferguson hat jüngst propagiert, die Vereinigten Staaten befänden sich längst im Kalten Krieg mit China, und sie sollten sich darauf einstellen, dies gut zu finden. Auch auf dem deutschen Buchmarkt wird der Kalte Krieg mit China fühlbar. Freund und Feind sind säuberlich sortiert. Das sieht man auch an der Diskussion über die chinesischen Konfuzius-Institute, die hierzulande angefeindet werden, weil sie – auch nach der neuesten Umorganisation – dem chinesischen Machtapparat unterstellt sind. Empirische Evidenz für Fehlverhalten in Deutschland bleibt aber aus. Vor allem für die Vereinigten Staaten ist die Volksrepublik China zum Feind Nummer eins geworden. Drittländer wie Deutschland, die in der Vergangenheit von der Verflechtung mit China in hohem Maß profitiert haben, sollten sich bei diesem Kampf der Giganten darüber bewusst sein, dass der Systemkonflikt auch wirtschaftlicher Natur und national begründet ist.

Erschwert wird ein selbstbewusster Umgang mit der ostasiatischen Supermacht dadurch, dass es in Deutschland immer noch zu wenig China-Kompetenz gibt. Verantwortliche Institutionen in Deutschland haben dies vor einigen Jahren erkannt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung zum Beispiel hat eine Kampagne gestartet, um in der deutschen Wissenschaftslandschaft zu mehr China-Kenntnis jenseits der dafür von Berufs wegen zuständigen Sinologie zu gelangen. Doch spätestens seit Xi Jinping 2012 Generalsekretär der Kommunistischen Partei wurde und die ideologischen Zügel in der Volksrepublik China anzog, stehen solche Bemühungen auf dem Prüfstand.

Fallstricke für die Wissenschaft

Jenseits politischer Vorbehalte gegenüber Chinas Vorgehen in Hongkong oder Xinjiang hat sich das Land auch auf dem Gebiet des Wissenschaftsaustauschs seit Xi immer wieder Feinde gemacht. Viele Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland und Europa haben begonnen, ihr China-Engagement kritisch zu hinterfragen. Ihnen ist gemein, dass ihnen China nicht geheuer ist und sie andere davor warnen wollen, sich allzu leichtfertig auf das Land einzulassen. Gründe dafür gibt es genug. Westliche Verlage wie die renommierte Cambridge University Press haben auf chinesischen Druck in chinesischen Online-Ausgaben zum Beispiel missliebige Artikel über die Niederschlagung der Demonstrationen auf dem Tiananmen-Platz 1989 weglassen wollen.

Nach einem Aufschrei aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft kam es dazu nicht, für die Publikationen anderer Verlage gibt es aber keinen vollständigen Zugang in China. Deutsche Wissenschaftsorganisationen beklagen die chinesische Forderung, sich als Nichtregierungsorganisationen registrieren und damit verschärften Kontrollen unterwerfen lassen zu müssen. Moralisch scheint die Sache eindeutig: China entspricht nicht den westlichen Standards, auch wenn man beim zweiten Blick erkennt, dass westliche Unternehmen oft genauso schnell bereit sind, ihre hehren Prinzipien zu opfern, wenn ein Geschäft winkt.

Weitere Themen

Topmeldungen

Franziska Giffey: Möchte die Berliner mit dem Thema Innere Sicherheit überzeugen.

Parteitag der Berliner SPD : Giffey will es wissen

Auf dem ersten hybriden Parteitag der Berliner SPD wirbt die Bundesfamilienministerin für ihre Führungsrolle in der Hauptstadt. Zu ihrer Doktorarbeit sagt sie nichts. Nun kommt es darauf an, wie stark ihre Partei sie machen will.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.