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Konsumwaren : Der Weg ins Regal dauert für eine Creme mitunter sechs Jahre

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Tresckow

Die Konsumgüterindustrie muß sich immer wieder neu erfinden. Dazu braucht sie Personal mit viel Fingerspitzengefühl und Sinnlichkeit. Die meisten neuentwickelten Produkte floppen jedoch auf dem Markt.

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          Konsumenten sind anspruchsvoll und langweilen sich schnell: Die Lebenszyklen der Produkte werden immer kürzer, Jahr für Jahr drängen immer mehr neue Artikel auf den Markt. Erfolgreiche Markenartikel werden immer schneller kopiert und immer günstiger angeboten.

          Zudem ist der Einzelhandel selbstbewußter geworden: Der Platz im Regal ist bei einer solchen Produktflut schließlich heiß begehrt. Der Händler kann ihn dementsprechend gut vermarkten. Außerdem sind die Konsumgüterhersteller meist „global player“. Damit können sie nicht nur versuchen, die Absatzstockung beispielsweise in Deutschland mit neuen Märkten in Osteuropa auszugleichen, sondern bieten ihren Mitarbeitern auch internationale Einsatzmöglichkeiten. Der Verbraucher in Asien hat schließlich eine andere Vorstellung, was eine gute Zahnpasta ausmacht, als der Konsument in Zypern.

          Branche ist im Aufwind

          Zwar konnte sich die von Neuheiten getriebene Branche auch hierzulande in den vergangenen Jahren nicht leisten, auf die Personalrekrutierung zu verzichten. Doch nun bemerkt die Branche wieder eine leichte Belebung der Konjunktur. „Wir stellen nach wie vor Nachwuchskräfte ein, wenngleich wir wie die gesamte Branche noch nicht an unsere Spitzenzeiten herankommen“, bestätigt Hans-Joachim Bartels, Personalleiter von Beiersdorf.

          Auch diese Produkte haben einen langen Weg hinter sich
          Auch diese Produkte haben einen langen Weg hinter sich :

          „Vor allem sind wir derzeit auf der Suche nach Leuten für die Bereiche Marketing sowie Forschung und Entwicklung.“ Bei dem Hamburger Konsumgüterhersteller haben dabei Trainees wie Direkteinsteiger gleichermaßen Chancen - allerdings nur bis zu einer gewissen Führungsebene: „Top-Positionen besetzen wir stets aus den eigenen Reihen“, erläutert der Personalchef die interne Rekrutierungspolitik des Hauses Beiersdorf.

          Die meisten neueingeführten Produkte floppen

          In der Konsumgüterindustrie verdient man vor allem in den höheren Positionen vergleichsweise besser als beispielsweise in der Ernährungsindustrie. Mit gut 187 000 Euro Jahresgehalt bringen es die Vorstandsmitglieder eines Konsumgüter- und Kosmetikkonzerns fast auf das Doppelte dessen, was die Kollegen in der Nahrungs- und Genußmittelbranche bekommen. Als Hauptabteilungsleiter sind es mit rund 75 000 Euro immerhin noch knapp 10 000 Euro mehr. Die Palette der Aufgaben in der Konsumgüterindustrie reicht von der Entwicklung eines Produkts über dessen Positionierung im Markt bis hin zur Vermarktung im Supermarkt.

          Jede einzelne Station, die das Produkt durchläuft, ist ein hartes Geschäft für die Hersteller: Echte Innovationen fallen nicht vom Himmel, die Konsumenten für ein Produkt zu begeistern ist angesichts der unübersichtlichen Warenwelt immer schwieriger, und die Markenpflege ist eine äußerst heikle Angelegenheit. Denn die meisten neueingeführten Produkte floppen und erleben nicht einmal ihren fünften Geburtstag. Und die bereits etablierten Marken müssen behutsam modernisiert werden, ohne dabei die Tradition des Markenkerns aus den Augen zu verlieren.

          Sinnliche Arbeit

          Die Konsumgüterindustrie ist gleichwohl wie kaum eine andere Branche darauf angewiesen, ständig neue Produkte auf den Markt zu bringen. Schließlich entscheidet nicht selten derjenige den Kampf um die Marktanteile für sich, der ein neues Produkt entweder zuerst auf den Markt bringt oder dem gesättigten Konsumenten den Zusatznutzen am besten nahebringt - idealerweise fällt beides zusammen.

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