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Kolumne „Uni live“ : Eine kleine Abrechnung

  • -Aktualisiert am

Whiteboards gibt es jetzt – ansonsten ist es mit der Digitalisierung nicht weit her. Bild: dpa

In wenigen Tagen ist es soweit: Ich gebe meine Masterarbeit ab. Zeit, mir einmal von der Seele zu schreiben, was mich an der Uni so richtig aufgeregt hat!

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          „Sehr geehrter Prof. Dr. rer. nat. …“ wie oft habe ich minutenlang gezögert, richtige Titel gegoogelt und an hochtrabenden Formulierungen gefeilt, bevor ich E-Mails mit Fragen an Dozierende gesendet habe. Von Tag Eins an wurde mir an der Uni vermittelt, dass Professoren (weibliche Form nicht nötig, in meinem Bachelorstudium hatte ich keine einzige Veranstaltung bei einer Professorin) Halbgötter waren und mit der nötigen Ehrerbietung behandelt werden mussten. Aus Angst, dumm zu erscheinen oder ihre wertvolle Zeit zu vertrödeln, behielt ich meine Fragen und Zweifel meistens für mich. Wenn ich doch einmal etwas sagte, war die Reaktion oft ernüchternd: Bei allen möglichen Gelegenheiten warfen mir Dozierende zumindest unterschwellig vor, mich einfach nicht genug anzustrengen. Lange kam mir das normal vor. Heute frage ich mich, was dieses Gebaren soll. Ich finde, man könnte erwachsene Menschen, die sich freiwillig für ein Studium entscheiden, auch einfach mit Respekt behandeln. Man könnte auf Augenhöhe mit ihnen kommunizieren und ihre Anmerkungen ernst nehmen, statt ihnen Faulheit zu unterstellen.

          Auch wenn ich Vieles an der Uni liebe, es gibt auch einige Punkte, die mich wahnsinnig aufregen. In diesem Text kurz vor Ende meines Studiums geht es darum, was mich am Studium regelmäßig wütend machte. Das Hierarchie-Gehabe mit ständigen Machtdemonstrationen ist nur einer von mehreren Aspekten.

          Der nächste ist die Bürokratie. Für jedwede Kleinigkeit, die an der Uni erledigt werden muss, verläuft man sich im Dokumentendschungel: Den Anerkennungsantrag mit der Unterschrift vom Dozierenden schicken Sie ans Prüfungsbüro. Für die Anmeldung benötigen Sie die Unterschrift ihres Betreuers auf Formblatt 1, dann schickt dieser das an die Studiengangskoordination, daraufhin wird automatisch Formblatt 2 kreiert.

          Wehe, wenn Geld im Spiel ist!

          Dass so manch einer an dieser Stelle schon ausgestiegen ist, kann ich gut verstehen. Ging mir auch oft genug so. An der Uni ist dieser Bürokratiedschungel aber leider Alltag: Als erstes muss mühselig geklärt werden, wer vielleicht für das Anliegen zuständig sein könnte. Webseiten durchzulesen und Mitarbeitende zu fragen ist dabei meist nur mittelmäßig hilfreich. Dann gibt es für alles ein Formular. Meistens muss das von verschiedenen Menschen handschriftlich ausgefüllt werden und dann zur Sprechstunde von Sachbearbeiter XY (ungefähr Montag 11.15 Uhr bis 12.33 Uhr) abgegeben werden, digitale Einreichung: unmöglich.

          Noch aufwendiger wird’s, wenn man Geld will. Schauen wir beispielsweise auf die Erasmusförderung. Die Förderung steht im Prinzip allen Studierenden für Aufenthalte im europäischen Ausland zu. Grob sind das 200 bis 400 Euro pro Monat. Empfehlungsschreiben, Lernvereinbarung und unzählige weitere Formulare braucht es für den Antrag. Viele davon mit Unterschriften von Heim- und Gastuni. Das alles dauert Monate und ist in Summe tagelange Arbeit für Geld, das am Ende sowieso allen zusteht. Könnte man auch einfach direkt überweisen.

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