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Kolumne Nine to five : Wir lieben dich, nur dich!

Berlin-Werbung ist auch nicht immer ein Vergnügen. Bild: dpa

Sich zum Affen machen, um auf Kundenfang zu gehen: Das funktioniert auch vom Schreibtisch aus. Aber das Gesülze, das dabei herauskommt, ist oft kaum auszuhalten.

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          In romantischen Hollywoodkomödien gibt es einen beliebten Gag: Die Hauptperson ist klamm und schlüpft aus Geldnot in einen sagenhaft lächerlichen, unförmigen Plüschanzug, um, als adipöser Bär oder feister XXL-Doppel-Whopper kostümiert, durch die Malls zu hopsen und Werbezettel zu verteilen. Natürlich ist unter den desinteressierten Kunden „zufällig“ auch der oder die Angebetete. Sich zum Affen zu machen, um auf Kundenfang zu gehen, funktioniert aber auch vom Schreibtisch aus. So wie die junge Münchner Marketingagentur, die sich eine ganz besondere Direktmarketing-Aktion für einen Kunden ausgedacht hatte. Die Angeschriebenen wurden im Büro mit Liebesbriefen und roten Rosen versorgt.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Die charmanten Schmachtschreiben waren gut gemacht, weder plump noch verstiegen, man hoffe auf nähere Bekanntschaft. Manch ein Angeflirteter schwebte schon auf Wolke sechseinhalb, bis sich der Rosenkavalier als Unternehmen outete, das etwas verkaufen wollte. Nix da Küsse, knallharter Kommerz. Es gab wütende Reaktionen ob der Scheinbeziehung, die Agentur entschuldigte sich per Rundmail für die verfehlte Aktion.

          Im Briefeschreiben übt sich auch Ikea. Da erhält „Hej Andreas“ viele Grüße aus Schweden und erfährt: „Du fehlst hier. Schön ist es hier.“ So plaudert „Deine Claudine“, die allerdings im dritten Satz recht unromantisch erklärt, was diese Schönheit ausmacht. Denn das ist der Blick auf die „Family-Angebote“. Wer ersinnt bloß solchen Lässigkeitskrampf? Und nicht, dass diese vertraulichen Briefe zur Blaupause auf dem heißumkämpften Bewerbermarkt werden. Dann locken künftig Betriebe ihre nicht vorhandenen oder zögerlichen Fliesenleger-Azubis nicht mit Führerscheinfinanzierungen, sondern mit hormongeschwängertem Gesülze. Henry Ford sagte: „Fünfzig Prozent meiner Werbeausgaben sind immer rausgeworfen. Ich weiß nur nicht, welche Hälfte.“ Da hilft ein Zehn-Prozent-Rabatt im Kleingedruckten auch nicht.

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