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Kolumne „Nine to five“ : Kleiner Lauschangriff

Bild: dpa

Es ist vorschnell, den etwas zu neugierigen Kollegen „Stasi“ oder „Tratschmaul“ zu nennen. Denn seine Informationen können für andere auch nützlich sein.

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          Wissen ist Macht, Herrschaftswissen bedeutet noch mehr Macht. Das ist Müller bewusst. Der leise Mann hat Ohren wie ein Luchs, er hört genau hin und interpretiert Zwischentöne. Müller ist ganz nah am Puls des Chefs und hat feine Antennen dafür, was diesen umtreibt. Anfangs haben sich die Kollegen über Müller geärgert, seine Spitzeleien trugen ihm den Titel „Tratschmaul“ ein. Sogar das Stichwort „Stasi“ fiel.

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Das hat Müller verletzt, denn eigentlich ist er ein netter Kerl. Selbstbewusst hat er das Thema angesprochen und den anderen aufgezählt, wovor sie seine „gründliche Informationspolitik“, wie er seine Neugier nennt, bereits bewahrt hat: Er hat erlauscht, dass Chef und Vertriebsleiter „Best Buddies“ nicht nur beim Badminton sind – also Obacht, Fettnäpfchenfalle. Er hat als Erster kombiniert, dass Kollege Z’s Zeitvertrag nicht verlängert werden wird, und den Mann gewarnt, der wiederum seine Urlaubspläne eingedampft hat. Und Müller hat herausbekommen, dass die Aggressionsattacken von A. mit seiner Bandscheibe und einem überforderten Orthopäden zusammenhängen – also nicht persönlich nehmen, Schmerz und Wut werden nachlassen.

          Nebenbei, so lobt sich Müller, „erspare ich euch, täglich durchs Intranet zu klicken, die Zusammenfassung liefere ich“. Die flammende Rede übers genaue Hinhören verfehlt ihre Wirkung nicht. Drückt sich Müller auffallend lange vor verschlossenen Türen herum, gehen die anderen in Flüstermodus und betrachten ihn mit wohlwollender Ehrfurcht, in die sich Neugierde mischt: Der Lauscher an der Wand hört nicht die eigene Schand’, sondern liefert Hintergrundwissen. Pssst!

          Früh übt sich, wer da mithalten möchte. Müllers kleine Tochter lernt sich selbst an. Sie ist stolzer Pausenengel auf dem Grundschulhof und mit ihrer Freundin offiziell abgeordnet, nach dem Rechten zu sehen. Die Kinderkontrolleure nehmen ihre Patrouillengänge äußerst ernst und schreiben Kurzprotokolle für den Kummerkasten in der Klasse: „Der Linus ergert die kleinen und nimt inen süsigkeiten wek. Er haut sie.“ Müller wedelt stolz mit diesen drolligen Petzprotokollen. Die Tochter sei ganz der Papa: immer im Einsatz für die Schwachen.

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