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Französischer Antisemitismus : Der algerische Faktor

  • -Aktualisiert am

Antisemitische Schmierereien auf einem jüdischen Friedhof in Frankreich Bild: dpa

Der wachsende Antisemitismus in Frankreich hat seine Quellen in der Kolonialzeit. Die Missverständnisse von damals setzen sich heute in der multikulturellen Identitätspolitik fort. Ein Gastbeitrag.

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          Alexis de Tocqueville, von dessen Demokratie-Buch sich Amerikaner bis heute ihr eigenes Land erklären lassen, berichtete in den 1840er Jahren auch über Algerien, das Frankreich sich damals mit äußerster Gewalt als Kolonie aneignete. Tocqueville gab dabei zeittypische Urteile ab, die ihn als Vater des Liberalismus dauerhaft hätten kompromittieren können. Denn er befürwortete die Kolonisierung mit Schwert und Pflug, um „unwissenden Rassen“ im Lichte der Französischen Revolution und der Ägypten-Expedition Napoleons I. Aufklärung, Fortschritt und universale Normen zu bringen. Nur eine Minderheit islamischer Gelehrter nahm diese Avance auf und strebte eine „arabische Aufklärung“ an. Die meisten erblickten im westlichen Einfluss eine tödliche Gefahr.

          Eine kühne Aktualisierung dieses historischen Kapitels legt der französische Schriftsteller Marc Weitzmann in seinem eben erschienenen Buch „Hate. The Rising Tide of Anti-Semitism in France (and What It Means for Us)“ vor, in dem er die Ursprünge des in Frankreich wieder mächtig aufflammenden Judenhasses und der multikulturellen Identitätspolitik ins Algerien des neunzehnten Jahrhunderts zurückverfolgt.

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