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Egoismus : Können nur Egoisten Karriere machen?

Egoismus in der Karriere: Warum Studenten umdenken müssen

Möglicherweise, warnt die Karriereberaterin, „stehen Studenten, die an der Uni sehr gut sind, beim Schritt in die Berufswelt vor einem Wandlungsprozess“. Denn: Egoismus und Ellenbogen sind Eigenschaften, die in deutschen Unternehmen immer mehr an Relevanz verlieren. Ein Blick auf Online-Portale beweist das. Unter 60.000 aktuellen Stellenanzeigen auf dem Karriereportal Stepstone tauchte im September das Wording „Teamfähigkeit“ in jeder vierten auf, Begriffe wie „Durchsetzungsvermögen“ oder „Führungskompetenzen“ sind deutlich seltener gefragt.

Doch bevor man Egoismus und Ellenbogen pauschal abstraft, verweisen Karriere- und Personalexperten zunächst immer darauf, die Begriffe genauer zu definieren, um ihre Rolle in deutschen Unternehmen beschreiben zu können. „Bei Egoismus denken die einen an das Kollegenschwein, die anderen an den durchsetzungsfähigen Helden“, sagt die Recruiting-Spezialistin Regina Bergdolt. Wie viele Eigenschaften hätte auch Egoismus zwei Seiten: Wer nur nachgiebig sei, könne für sein Unternehmen nichts durchsetzen und laufe Gefahr, seine Standpunkte niemals berücksichtigt zu sehen. Wer dagegen ständig sehr laut auftrete, werde nur in einer Arbeitskultur gut ankommen, in der das geschätzt sei.

Ich! Ich! Ich! Könnern nur Egoisten Karriere machen?

In den sogenannten „Big Five“, dem international renommiertesten Modell für Persönlichkeitsforschung, taucht Egoismus zwar nicht als eigene Kategorie auf, er lässt sich aber innerhalb der fünf Kriterien dennoch zuordnen. „Zu Egoismus passt aus meiner Sicht am ehesten eine geringe Ausprägung im Bereich der Verträglichkeit, genauer gesagt ein hohes Durchsetzungsvermögen in Kombination mit begrenztem Einfühlungsvermögen, wenig Rücksichtnahme und eventuell auch wenig Teamorientierung, verbunden mit hohem Selbstbewusstsein“, beschreibt Bergdolt. „Man könnte einen solchen Menschen den ‚Hoppla-jetzt-komme-ich-Typen‘ nennen“.

Karriere: Egoisten in der Minderheit

Doch genau dieser Typ wird in Unternehmen immer weniger gern gesehen. „Man punktet nicht mehr mit extremem Egoismus“, berichtet Svenja Hofert, zumal in Unternehmen aufgrund der Globalisierung, aufgrund komplexer Technologien und Prozesse die Rolle des Einzelkämpfers immer seltener besetzt werde. Das bestätigt auch Christoph Kübel, Personalgeschäftsführer bei Bosch mit rund 360.000 Mitarbeitern. „Das Thema Zusammenarbeit wird in einer zunehmend vernetzten Welt immer wichtiger“, sagt er und betont, dass auch die Einstellungskriterien darauf ausgerichtet würden. So lege Bosch in Bewerbungsverfahren etwa auf Fähigkeiten wie soziale Kompetenz und Zusammenarbeit im Persönlichkeitsprofil großen Wert, „Team­orientierung hat ganz klar zentrale Bedeutung“, so Kübel.

Aber: Auch hier sind pauschale Urteile unangebracht. „In manchen Rollen in Unternehmen braucht es jene Fähigkeiten, die auch Egoisten zugeschrieben werden“, weiß Personalberaterin Regina Bergdolt. Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten sind genauso wichtig, bestätigt Bosch-Personalchef Kübel. Denn moderne Unternehmen entwickeln für ihre Stellengesuche sehr detaillierte Profile. „Die Mischung zwischen den vielen, die in gewohnter Art zusammenarbeiten, und dem einen, der vielleicht etwas anders gestrickt ist und auch gegensätzliche Meinungen vertritt, liefert oftmals bessere Arbeitsergebnisse“, so Kübel. Regina Bergdolt arbeitet seit Jahren mit Unternehmern und deren mittleren Managern, „und klar ist, in den meisten Führungspositionen benötigen Mitarbeiter beides, nämlich professionelle Empathie, Führungsmotivation und die Bereitschaft, auch unangenehme Botschaften weiterzugeben, um sich durchzusetzen“.

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