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Knigge für Flüchtlinge : Drei Sekunden Blickkontakt

  • -Aktualisiert am

Umgangsformen sind in verschiedenen Teilen der Erde unterschiedlich Bild: Getty

Umgangsformen sind im Beruf wichtig, aber von Land zu Land unterschiedlich. In Seminaren lernen Flüchtlinge, was hier wichtig ist und dass nicht alles strenger ist

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          Ein Lächeln, der direkte Blick und ein fester Händedruck: Sie sorgen für den ersten guten Eindruck beim Gegenüber. „Ob ich die Hand fest gebe oder nicht – darauf habe ich noch nie geachtet“, sagt die Zahnärztin Buchra Almawazini, die aus Syrien stammt. „Wenn die Leute hier das aber erwarten, gewöhne ich es mir an.“ Für ihre künftigen Bewerbungsgespräche und später im Beruf will sie mehr zu den hiesigen Umgangsformen und der Körpersprache wissen. „Weil es unbewusst hilft, Ängste zu lösen“, sagt sie. „Wenn die Patienten etwa bei der Beratung meine Hände auf dem Tisch sehen, fühlen sie sich sicherer.“

          Mosab Halwani, ebenfalls aus Syrien, beschäftigt derweil die Sache mit den Knöpfen am Jackett bei einem Geschäftstermin. „Bei uns ist es eher warm, deshalb bleibt die Jacke immer offen, hier nur im Sitzen“, sagt der angehende Öko-Agrarmanager. „Sonst soll die Jacke mit zwei Knöpfen geschlossen werden, damit ich ein rundes Bild abgebe.“ So jedenfalls hat er es mittlerweile gelernt.

          Umgangsformen sind wichtig für Karriere

          Die passenden Umgangsformen können eine nicht unerhebliche Rolle in Sachen Bewerbung und Karriere spielen. Das sagen zumindest mehr als die Hälfte der Berater in Jobcentern, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer repräsentativen Befragung herausgefunden, die vergangene Woche veröffentlicht wurde. „Unkenntnis der hiesigen Rollenvorstellungen, Sitten und Gebräuche“ bezeichneten demnach 53 Prozent der Jobcenter-Berater als Integrationshemmnis am Arbeitsmarkt.

          Die beiden Akademiker Buchra Almawazini und Mosab Halwani glauben ebenfalls, dass solche Faktoren wichtig sind; auch in ihrer Heimat sind gute Manieren gefragt. Es gibt jedoch Unterschiede zwischen den Kulturen. Damit sie mehr über die sozialen Regeln in der deutschen Arbeitswelt erfahren, haben sie Kurse belegt: Die Zahnärztin hat ein Tagesseminar für Frauen besucht, angeboten von der Agentur für Arbeit in Hamburg und der ehrenamtlich tätigen Trainerin Sophie von Egidy-Salisch. Mosab Halwani ging zu einem Training zum Business-Knigge im Rahmen seines „hochform“ Stipendiums.

          Das Förderprogramm zielt auf Master-Studierende mit Fluchthintergrund in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. „Unsere Stipendiaten bringen alles für eine Führungsposition in der Forschung oder Wirtschaft mit und streben sie an“, sagt Cornelia Kliment. Sie ist die Geschäftsführerin der Deutschen Universitätsstiftung; gemeinsam mit der Walter Blüchert Stiftung der Träger des „hochform“-Programms. Wie die Geschäftsführerin betont, müssen dessen Stipendiaten für den Spitzenjob später nicht nur das Assessment-Center, sondern auch das Abendessen mit dem möglichen Chef überstehen. Weitere Stiftungsprogramme, etwa für einheimische Bildungsaufsteiger, zeigen, wie sehr jeder ein wenig Knigge dazu vertragen kann, sich sicher auf dem Parkett zu bewegen.

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