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Klick-Konsum : Kein Online-Shopping ohne Logistikzentren

  • -Aktualisiert am

Regale so weit und so hoch das Auge reicht: In Logistik-Zentren wird unser Online-Konsum abgewickelt. Bild: dpa

Heute bestellen, morgen liefern: Das klappt nur, wenn in einem Lager viele Rädchen ineinandergreifen. Der Leiter eines Logistikzentrums bei Frankfurt stellt seinen Berufsalltag in Zeiten von Amazon und Co vor.

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          Transportlogistik kenne fast jeder, sagt Stefan Sitzmann. Dass es dabei um Straßen und Fahrzeuge gehe, sei ja klar. Bei der Intralogistik sieht das anders aus. Es ist sein Fachgebiet, und er erklärt es gern so: Intralogistik ist das, was sich innerhalb von vier Wänden abspielt, und zwar meistens in großen, sehr hohen Kästen, die an Autobahnen stehen – in sogenannten Hochregallagern.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In ihnen bündelt sich die Expertise einiger Ingenieurberufe, Maschinenbauer, Informatiker, Elektrotechniker. Und obwohl die wenigsten Menschen moderne Hochregallager von innen kennen, sind die meisten von den Vorgängen darin betroffen. Denn im Lager spiegelt sich das „Amazon-Prinzip“. Es ist eine Voraussetzung für das schnelle Bestellen und Liefern, für den Klick-Konsum – kurz: E-Commerce –, der Kunden immer ungeduldiger auf den Paketboten warten und Innenstädte langweiliger werden lässt.

          Der Ingenieur Stefan Sitzmann leitet das „Tech Center“ von Dematic und findet das spannender als Autos und Flugzeuge.
          Der Ingenieur Stefan Sitzmann leitet das „Tech Center“ von Dematic und findet das spannender als Autos und Flugzeuge. : Bild: KION GROUP AG

          Sitzmann hat Maschinenbau an der TU Darmstadt studiert, heute ist er Leiter im „Tech & Test Center“ von Dematic in Heusenstamm nahe Frankfurt, einem Kernstück des Gabelstapler-Konzerns Kion. Wenige kennen sich hierzulande im Innenleben dieser großen Kästen so gut aus wie er. Es ist geprägt von Veränderungen. Als er vor mehr als 30 Jahren die Uni verließ und gleich bei Dematic anfing, beschäftigte er sich noch mit Kränen als Teil der Fördertechnik. Sie holten Sachen aus den Regalen ab, Gasse für Gasse, auf Schienen montiert, ein nach heutigen Maßstäben quälend langsamer Vorgang.

          Beim Warenfluss zählt die Geschwindigkeit

          Inzwischen flitzen sogenannte Multishuttles in den einzelnen Etagen hin und her, ein feststehender Lift nimmt Kisten mit Artikeln entgegen, dann geht es zum Kommissionieren, zum Bündeln von Bestellungen auf Paletten durch Menschen oder Roboter. All das gehe heute fünfmal schneller als früher. Die Online-Händler machen Tempo, deshalb zählt schon beim Warenfluss Geschwindigkeit. Es ist ein Arbeiten an der Schnittstelle zweier Systeme: dem Warenwirtschaftssystem des Verkäufers und dem Lagerverwaltungssystem. Eine Spielwiese auch für Informatiker.

          Die Wege von Jung-Ingenieuren in diesem Gewirr aus Anlieferung, Lagerung, Zusammenstellung und Abholung sind vielfältig. Sie können als Logistik-Experten aus einem der vielen Studiengänge kommen, die es inzwischen gibt, aber sie müssen es nicht. Sie bekommen stattdessen, wie in anderen Fachgebieten auch, ihr eigentliches Rüstzeug jenseits des Hörsaals. Dass man den Beruf erst nach der Ausbildung an der Uni, nämlich in einem Unternehmen, lernt, gilt auch in der Intralogistik. Ein klassischer Start könnte in der Konstruktion liegen, danach entscheidet sich, ob es im Anlagenbau, Verkauf, Management oder anderswo weitergeht.

          Von den studentischen Praktikanten, Werkstudenten oder dualen Studenten bei Dematic bewirbt sich jeder Zweite um eine feste Stelle, sagt Stefan Sitzmann. Natürlich versteht er das gut. Jedes Lager, jede Fördertechnik sei anders, ein Zusammenspiel aus verfügbarem Raum, Kundenwünschen und Auflagen durch Behörden. Autos oder Flugzeuge seien im Ingenieurstudium zwar Klassiker mit großer Anziehungskraft, aber allzu komplex und herausfordernd findet er sie nicht. Sogar eher langweilig.

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