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Freiwillige Sommerschulen : Die Corona-Kluft überbrücken

In der Sommerschule: Bildungssenatorin Sandra Scheeres Bild: DAVIDS/Tom Maelsa

Sommerschulen auf freiwilliger Basis und Empfehlung der Lehrer sollen bis zu 150.000 gefährdeten Schülern eine Chance geben. Ein Überblick über die Angebote in den einzelnen Bundesländern.

          3 Min.

          In vielen Ländern können Schüler in bestimmten Klassenstufen oder aus Willkommensklassen in den Sommerferien einen Teil des Unterrichtsstoffs nachlernen, der durch die coronabedingten Schulschließungen verpasst wurde. Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) besuchte gleich am ersten Tag der Sommerferien ein Zusatzangebot, das 11.500 Kinder und Jugendliche freiwillig angenommen haben, um an den mehr als tausend Lerngruppen teilzunehmen. Auch in den Herbstferien soll es solche Zusatzangebote mit freien Trägern geben.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Das Sommerschul-Angebot richtet sich an Schüler der ersten, zweiten, siebten, achten und neunten Jahrgangsstufen sowie an Willkommensschüler. Die Sommerschule konzentriert sich auf die Kernfächer (Deutsch, Mathematik, erste Fremdsprache) und Sprachförderung. Der Unterricht findet in kleinen Gruppen von maximal acht Teilnehmern und unter Einhaltung der Hygienepläne statt. Geplant sind etwa 15 Stunden pro Woche. Das Angebot für die ersten beiden Klassenstufen geht über drei Wochen in den Sommerferien und außerdem auf Wunsch eine Woche in den Herbstferien. An den weiterführenden Schulen sind zwei Wochen in den Sommer- und/oder in den Herbstferien vorgesehen.

          Vorgeschlagen werden konnten die Teilnehmer von den Klassenlehrern. Die Eltern konnten ihre Kinder auch direkt anmelden. Das Lernangebot in der Sommerschule wird mit den Lehrern der jeweiligen Schule abgestimmt. Es finden Auswertungsgespräche statt, an denen auch die Eltern teilnehmen. Alle Schüler führen ein Ferienlogbuch, in dem die Lernentwicklung dokumentiert wird, und erhalten ein Zertifikat. Insgesamt stellt Berlin für die Sommerschule 2020 in öffentlichen allgemeinbildenden Schulen sechs Millionen Euro zur Verfügung.

          4500 Freiwillige wollen helfen

          Im Rahmen der Sommerschule Rheinland-Pfalz gibt es in den letzten beiden Ferienwochen landesweit Bildungsangebote für Schüler von der ersten bis zur achten Klasse, damit der Start ins neue Schuljahr gut gelingt. Bei einer Pressekonferenz vor zwei Wochen stellten Land und kommunale Spitzen das Konzept vor und starteten den Aufruf an Lehramtsstudierende, Lehrkräfte, pädagogisches Personal oder Oberstufenschülerinnen und -schüler, sich als ehrenamtliche Tutoren zu melden. „Die Resonanz auf unseren Aufruf war überwältigend. Rund 4500 Freiwillige haben sich gemeldet und wollen mithelfen“, sagte die zuständige Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Allein für die Sommerschule stellt das Bildungsministerium 500.000 Euro bereit, insgesamt investiert es fast 2 Millionen Euro in die Ferienangebote. Etwa 20.000 Eltern haben ihre Kinder angemeldet.

          Auch Baden-Württemberg stellt Lernangebote für den Sommer zur Verfügung. Bei einer Empfehlung durch die Schule ist die Teilnahme für die Schüler pädagogisch erforderlich und verbindlich eingeplant. „Wir sind zuversichtlich, dass viele Eltern die pädagogische Empfehlung ernst nehmen und ein hohes Interesse daran haben, dass ihr Kind teilnimmt“, sagt Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Das Ministerium rechne damit, dass bis zu 150.000 Schüler die „Lernbrücken“ wahrnehmen könnten.

          Um eine individuelle Förderung zu ermöglichen, werden die Schüler an den allgemeinbildenden Schulen in Lerngruppen mit maximal 16 Schülern, an den beruflichen Schulen in Lerngruppen mit maximal 20 Schülern unterrichtet. Die Kurse finden in der letzten und in der vorletzten Ferienwoche statt. Die intensiven Lernsequenzen umfassen drei Stunden pro Tag; inhaltlich gegliedert in die Förderbereiche Deutsch, Mathematik und „Schwerpunktförderung“ (etwa Fremdsprache oder schülerindividuelle Vertiefung in einem anderen Fach). Je nach Teilnehmerzahl können auch jahrgangsübergreifende Lerngruppen gebildet werden.

          Geleitet werden die Förderkurse von erfahrenen Pädagogen, vorzugsweise von Lehrern, welche die Schüler kennen oder im nächsten Schuljahr unterrichten werden. Die finanzielle Aufwandsentschädigung für ihren freiwilligen Einsatz liegt bei 40 Euro je Stunde. Insgesamt kosten die Lernbrücken 13 Millionen Euro. Auch Hessen bietet eine Ferienakademie für die Jahrgangsstufen 1 bis 8 an. Dort allerdings unterrichtet externes Personal, also Lehramtsstudenten, Lehrer im Vorbereitungsdienst und pensionierte Lehrer, Mitarbeiter von Nachhilfeinstituten und Volkshochschulen, sowie Ehrenamtliche. Die Ferienakademie ist ein zusätzliches Angebot zu den schulbezogenen Sommercamps, die während der gesamten Ferien stattfinden.

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